- So sieht es bei Ihnen vor Ort aus
- Großteil der Häuser in Baden-Württemberg wird mit Gas und Öl beheizt
- In Neubauten werden überwiegend Wärmepumpen eingebaut
- Mannheim setzt auf Fernwärme, Baden-Baden hängt am Gas
- Experte fordert strengere Einschränkungen für fossile Heizungen
So sieht es bei Ihnen vor Ort aus
Mehr als ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg entstehen durch die Wärmeversorgung von Gebäuden. Damit das Land 2040 klimaneutral sein kann, darf dann laut dem Umweltministerium nicht mehr mit Öl und Gas geheizt werden.
Wie weit der Weg bis dahin noch ist, zeigen Zahlen aus dem aktuellen Zensus. Geben Sie den Namen Ihrer Stadt oder Gemeinde im Suchfeld ein oder zoomen Sie auf der Karte, um zu erfahren, wie bei Ihnen vor Ort zum Zeitpunkt der Bevölkerungszählung 2022 vorwiegend geheizt wurde.
Seitdem dürften sich die Zahlen nicht ausschlaggebend verändert haben, wie eine Berechnung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zeigt. Demnach ist der Anteil von Öl- und Gasheizungen in Deutschland von 2022 bis 2024 nur um rund einen Prozentpunkt gesunken.
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Großteil der Häuser wird noch mit Gas und Öl beheizt
73 Prozent der Wohngebäude in Baden-Württemberg wurden 2022 noch mit fossilen Energieträgern beheizt. Im Vergleich mit anderen Bundesländern war besonders der Anteil an Ölheizungen hoch. Rund ein Drittel aller Wohngebäude wurden damit beheizt, nur im Saarland und in Bayern gab es noch mehr Ölheizungen.
Bei Wärmepumpen lag Baden-Württemberg 2022 mit rund sechs Prozent hinter Bayern auf Platz zwei. Insgesamt spielten sie aber noch eine eher kleine Rolle. Außerdem wurde mit einem Anteil von fünf Prozent vergleichsweise wenig mit Fernwärme geheizt.
Umstellung von Öl auf erneuerbare Energien einfacher
Fritz Mielert ist Referent für Umweltschutz beim baden-württembergischen Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Seine Einschätzung: Trotz des aktuell hohen Anteils fossiler Energien sei das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu schaffen. Dafür müssten aber Bund, Land, Kommunen, Unternehmen und Bevölkerung "an einem Strang ziehen".
Der höhere Anteil an Ölheizungen in Baden-Württemberg könne da sogar von Vorteil sein, so der Experte. Denn immerhin gebe es dann kein Gasnetz, das umgerüstet werden müsste. Er fügt hinzu: "In solchen Gebieten dürfte es relativ einfach sein, entweder Wärmenetze aufzubauen oder Wärmepumpen zu installieren."
Kommunen müssen handeln
"Die Ziele sind ambitioniert, aber auch notwendig", sagt auch Matthias Neumeier, Bereichsleiter des Kompetenzzentrums Wärmewende bei der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA).
Die Ziele sind ambitioniert, aber auch notwendig.
Um Klimaneutralität zu erreichen, müssten die Kommunen nun die Maßnahmen umsetzen, die sie in ihren Wärmeplänen festgelegt haben. Demnach sollen unter anderem neue Wärmenetze gebaut, Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger geschaffen und öffentliche Gebäude saniert werden.
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In Neubauten werden überwiegend Wärmepumpen eingebaut
In Neubauten spielen erneuerbare Energien schon eine weitaus größere Rolle als im Gebäudebestand: 75 Prozent der 2024 neu gebauten Wohngebäude in Baden-Württemberg wurden mit Wärmepumpen ausgestattet. Weitere neun Prozent werden mit Fernwärme beheizt. In zehn Prozent der Gebäude wurden noch Gasheizungen eingebaut. Das zeigen Daten des Statistischen Landesamts.
Ein Blick zurück zeigt: In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Wärmepumpen immer größer geworden. 2016 lag er noch bei 47 Prozent. Und: Damals wurden auch noch in einem Drittel der neuen Wohngebäude Gasheizungen verbaut.
Der Trend zeigt, dass der Anteil an Gasheizungen in neu gebauten Gebäuden schrumpft. Dennoch: 2024 wurden noch in über 1.000 Neubauten Gasheizungen eingebaut, das sind rund zehn Prozent aller neuen Wohngebäude.
Mannheim setzt auf Fernwärme, Baden-Baden hängt am Gas
In fast allen Land- und Stadtkreisen wurden 2024 vorwiegend Wärmepumpen zur Beheizung eingebaut. Nur in Mannheim, Ulm und Heidelberg wird in Neubauten vorwiegend Fernwärme genutzt.
In Baden-Baden wurden in 13 von 34 neu gebauten Häusern Gasheizungen installiert. Mit 38 Prozent ist das der größte Anteil in Baden-Württemberg. Im Landkreis Lörrach waren es 58 von 176 Neubauten, die mit Gas heizen, im Landkreis Tübingen 52 von 239.
Experte fordert strengere Einschränkungen für fossile Heizungen
Fritz Mielert vom BUND weist darauf hin, dass Neubauten bei der Wärmewende nur eine kleinere Rolle spielen. Wichtiger sei der weitaus größere Gebäudebestand. Trotzdem findet er es bedauerlich, dass in Neubauten, die wegen ihrer Energieeffizienz problemlos ohne Öl und Gas beheizt werden können, noch "Technologien von gestern" eingesetzt werden.
Auch das Umweltministerium Baden-Württemberg sieht das als problematisch an: "Für das baden-württembergische Klimaziel von 2040 stellen diese Gasheizungen durchaus eine Herausforderung dar". Denn Gasheizungen, die jetzt eingebaut werden, würden 2040 überdauern.
Fritz Mielert fordert fixe Regeln, ab wann kein Erdgas mehr verkauft werden darf. Außerdem spricht er sich für ein Betriebsverbot für fossile Heizungen ab 2040 aus. Die Klimaziele für Baden-Württemberg seien nicht anders zu erreichen.
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Gebäudeenergiegesetz lässt weiterhin Gasheizungen zu
Seit Anfang 2024 müssen Neubauten in Neubaugebieten zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien oder Abwärme, z.B. aus Industrieanlagen, beheizt werden. Das legt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) fest.
Für Neubauten außerhalb von Neubaugebieten gilt das je nach Gemeindegröße erst ab 2026 oder 2028. Hybridheizungen, bei denen Gas durch Biogas oder Wasserstoff ergänzt werden kann, können weiterhin eingebaut werden.
Doch der Einfluss des Gesetzes wird erst in den Zahlen zu 2025 sichtbar werden. Der Grund: Bauanträge, die vor Januar 2024 gestellt wurden, seien noch nicht unter das GEG gefallen, erklärt die Sprecherin des Umweltministeriums. Das dürfe auf die meisten Neubauten zutreffen, die 2024 fertiggestellt wurden. Das GEG wird aktuell von der Bundesregierung überarbeitet.