Mehr als 1.000 Demonstranten in BW

Unikliniken in Ulm, Freiburg, Heidelberg und Tübingen von Warnstreiks betroffen

Warnstreik an Unikliniken im Land: Die Beschäftigten kämpfen für mehr Geld. Der Arbeitgeber hält die Aktionen für unangemessen. Die Notfallversorgung soll gewährleistet sein.

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Stand

Patientinnen und Patienten an den vier baden-württembergischen Unikliniken müssen sich diese Woche auf mögliche Einschränkungen einstellen. In der laufenden Tarifrunde hat die Gewerkschaft ver.di die Beschäftigten zu ersten Warnstreiks aufgerufen. Am Montag war die Uniklinik in Ulm betroffen. Am Dienstag die Häuser in Freiburg, Heidelberg und Tübingen.

Einschränkungen im Betrieb - Notfälle nicht betroffen

Nach Angaben der Gewerkschaft nahmen insgesamt rund 1.200 Mitarbeitende an den Warnstreiks teil. In Ulm hätten am Montag etwa 130 Beschäftigte an einer zentralen Demonstration teilgenommen. An den weiteren Standorten seien zahlreiche OP-Säle geschlossen. Die Notfallversorgung und lebenswichtige Behandlungen sollen aber weiter gewährleistet bleiben, so ein ver.di-Sprecher.

Zu den zum Warnstreik aufgerufenen Beschäftigten zählen unter anderem der Pflege- und Funktionsdienst, der medizinisch-technische Dienst und Verwaltungsmitarbeitende. Ärzte und Ärztinnen gehören nicht dazu.

Demonstranten marschieren durch eine Stadt mit Schildern und Ver.di-Fahnen: An den Unikliniken im Land wird gestreikt
130 Beschäftigte der Universitätsklinik Ulm haben am Montag an einem Warnstreik teilgenommen. Hintergrund sind die festgefahrenen Tarifgespräche.

Streikende in Ulm wünschen sich mehr Aufmerksamkeit

Marvin Jedlitschka ist einer der Streikenden in Ulm. Er arbeitet an der Uniklinik als medizinischer Technologe für Radiologie. Er erhofft sich von dem Streik unter anderem Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Die Belastung für die Beschäftigten an den Unikliniken sei seit Corona dauerhaft gestiegen. Viele Mitarbeiter wären damals aus dem Gesundheitssystem abgewandert. Das müssten jetzt die auffangen, die noch da sind. Aufgrund der Mehrbelastung gehen von denen aber auch "viele in die Teilzeitbeschäftigung, weil es nicht anders geht", erklärt er.

Er selbst habe vergangenes Jahr 120 Überstunden gemacht. Das sei aber vergleichsweise wenig. "Da lachen andere drüber, weil sie deutlich mehr machen", meint er. Es fehle an Personal und am Verständnis der Politik für das Gesundheitswesen. Marvin Jedlitschka wünscht sich von der Politik mehr Geld für das Gesundheitswesen anstatt weiterer Sparmaßnahmen. Sonst verschlechtere sich die Situation an den Kliniken auf lange Sicht weiter.

Festgefahrener Tarifstreit: ver.di fordert mehr Geld

Hintergrund des Warnstreiks ist der festgefahrene Tarifstreit für rund 26.000 Beschäftigte der vier Unikliniken in Baden-Württemberg. Die Gewerkschaft ver.di fordert 7,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 320 Euro zusätzlich pro Monat. Auszubildende sowie Praktikantinnen und Praktikanten sollen monatlich 250 Euro mehr erhalten.

Zudem verlangt die Gewerkschaft für Azubis einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets. Die Arbeitgeber hatten in der ersten Verhandlungsrunde Anfang Mai laut ver.di kein Angebot vorgelegt. Sie verwiesen demnach auf hohe Zusatzkosten durch die geplante Krankenhausreform. Die nächste Verhandlungsrunde steht noch aus.

Unverständnis für Warnstreiks beim Arbeitgeber

Der Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Universitätsklinika, kurz AGU, reagiert mit Unverständnis auf die Warnstreiks. Zum Zeitpunkt der ersten Verhandlungsrunde Anfang Mai sei das Gesetzgebungsverfahren zur Gesundheitsreform noch nicht abgeschlossen, die Folgen für den Arbeitgeberverband AGU also noch nicht abschätzbar gewesen. Und das bei einer ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Der Arbeitgeber habe eine feste Zusage gemacht, in der nächsten Verhandlungsrunde Mitte Juni ein Angebot zu machen. Vor diesem Hintergrund halte man den Warnstreik zu diesem Zeitpunkt für unangemessen.

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Nils Kraft
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