"HOR-ST" steht auf dem Nummernschild von Jerôme Brunelle. So nennt er sein E-Auto. Seit über neun Jahren fährt er rein elektrisch und seine Begeisterung ist ungebrochen. Während der Wagen fast lautlos durch Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt) rollt, schwärmt Brunelle: "Meine Leidenschaft für dieses Auto ist einfach, dass ich ein hocheffizientes Auto habe, das aber gleichzeitig sehr leistungsstark ist, obwohl es eigentlich noch einen relativ schwachen Motor hat." 320 PS für ein E-Auto seien noch recht wenig, sagt er am Steuer. Trotzdem reiche ihm die Leistung locker aus.
Ladeinfrastruktur für Wahl eines E-Autos entscheidend
Zuhause kann Brunelle nicht laden. Ein Problem sei das für ihn aber nicht. In seinem Heimatort in Horb am Neckar und in der Umgebung gebe es genug Lademöglichkeiten, zum Beispiel einen großen Ladepark nur ein paar Kilometer entfernt. Dort lädt er seinen neun Jahre alten Wagen immer mal wieder.
Doch nicht alle haben die Möglichkeit, in der Nähe des Wohnorts zu laden. Frank Fehler fährt auch deswegen weiterhin Verbrenner. Der Handelsvertreter für Gardinen aus Stuttgart ist rund 50.000 Kilometer im Jahr auf der Straße. Wenn er volltanken will, muss es für ihn schnell und zuverlässig funktionieren. Da könne er nicht hoffen, dass bald eine Ladestation kommt.
Laut Bundesnetzagentur liegt Baden-Württemberg mit über 285 Ladepunkten je 100.000 Einwohner über dem bundesweiten Durchschnitt von 222. Beim Anteil der Schnellladepunkte schneidet das Land jedoch schwächer ab: Während bundesweit rund 25 Prozent der Ladepunkte Schnelllader sind, liegt der Anteil in Baden-Württemberg bei 17 Prozent.
Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) betont in der Sendung "Zur Sache! BW", dass die Antriebsart zur Lebenswirklichkeit passen müsse.
Also ich würde sagen, das kommt auf die persönliche Situation an. Wohne ich so, dass ich laden kann? Wenn ich sogar die eigene PV-Anlage auf dem Dach habe mit der eigenen Wallbox, ist das eine geniale Idee.
Verbrenner bei Gesamtkosten teurer
An der Diesel-Zapfsäule kostet der Liter für Frank Fehler zum Zeitpunkt des Gesprächs 1,85 Euro. Mit Blick zur Preisanzeige an der Tankstelle sagt er: "Bei den E-Ladesäulen selber steht kein Preis dran für die Kilowattstunde. Hier sieht man es halt gleich."
Ihm fehlt bei der Elektromobilität vor allem die Transparenz beim Preis. Dazu komme die Zeit. Während sein Tank in wenigen Minuten wieder voll ist und fast 1.000 Kilometer Reichweite bietet, muss Brunelle bei seinem E-Auto das Laden einplanen: 30 Minuten Wartezeit für 300 Kilometer Reichweite. Für Fehler unvorstellbar. Da müsse er die Ladezeiten in seinem Alltag einplanen.
Brunelle hingegen hat zwei Ladekarten dabei und kennt die Tarife genau. Umgerechnet kostet für ihn "der Liter Strom" 50 Cent. Mit speziellen Tarifen ginge es aber auch deutlich günstiger. Er sieht gleich mehrere Gründe fürs Elektroauto: Umwelt, Technik und Geld. "Ich mag's, wenn's günstig ist", sagt er grinsend.
Laut ADAC sind Elektroautos beim Kauf meist noch teurer als vergleichbare Verbrenner: Ein VW Golf zum Beispiel kostet mit Elektroantrieb etwa zehn Prozent mehr. Dafür sparen E-Autos bei Wartung und Steuer: Sie brauchen weniger Reparaturen und sind bis Ende 2035 von der Kfz-Steuer befreit. Doch je nach Modell kann die Versicherung beim E-Auto teurer sein. Bei den Energiekosten kommt es darauf an, wo geladen wird: Zuhause ist Strom oft günstiger, an Schnellladesäulen kann es teuer werden. Insgesamt sieht der ADAC das E-Auto bei den Gesamtkosten inzwischen leicht im Vorteil.
Skepsis bei Förderprogramm für E-Autos
Die Zahl der E-Autos steigt und der Staat lockt nun wieder mit einer Kaufprämie. Bei Diesel-Fahrer Frank Fehler macht sich Unmut breit. Er als Verbrenner-Fahrer möchte eigentlich die Subventionen nicht unterstützen.
Ich als Dieselfahrer find's natürlich nicht gut, dass ich mit meinen Steuern diese Subventionen mitbezahle. Eine Prämie oder eine Subvention gibt es immer nur für etwas, was sonst nicht absetzbar ist am Markt. Dann muss ich eine Prämie oder Subvention machen, damit die Leute es kaufen.
Fehler wird seinen Diesel weiterfahren, bis er nicht mehr kann. "Jeder soll fahren, was für ihn sinnvoll ist", sagt er. "Für mich ist der Diesel am besten."
Baden-Württemberg weiterhin Verbrenner-Land
Der Anteil an Verbrennern ist weiter hoch: Viele Menschen in Baden-Württemberg wollen weiter ihren Diesel oder Benziner fahren. Im Oktober 2025 fuhren laut dem Datenmonitor der Landesagentur e-mobil BW 4,4 Prozent der Autos im Land elektrisch, 58,9 Prozent waren Benziner und 27,3 Prozent Dieselfahrzeuge.
Die Klimaziele der vorhergegangenen Landesregierung sahen vor, dass der Anteil klimaneutraler Autos auf den Straßen in Baden-Württemberg bis 2030 die 50-Prozent-Marke knacken soll. Laut einer SWR-Datenrecherche ist das unrealistisch.
Verkehrsministerin Razavi betont, das Elektroauto sei zwar "sicherlich das Fahrzeug der Zukunft". Gleichzeitig brauche es aber weiterhin saubere Verbrenner als Übergangstechnologie.
Zurück zu Brunelle. In den Ferien geht es mit der Familie nach Freiburg zum Campen: Wohnwagen an das E-Auto anhängen und losfahren. Weil der Anhänger viel Energie zieht, muss Brunelle unterwegs noch einmal laden. Doch das nimmt er gelassen. "Manchmal ist ja auch der Weg das Ziel."