Einige Gewässer in Baden-Württemberg haben wegen der andauernden Hitze und Trockenheit so niedrige Pegelstände, dass dort seit Freitag kein Wasser mehr entnommen werden darf. Auch für Schiffe wird stellenweise eng.
Die Wasserversorger sprechen jedoch von einer händelbaren Lage. Probleme gebe es nur punktuell. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind da oft kritischer: Denn Dürreauswertungen zeigen, dass Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz schon zu den Bundesländern gehören, in denen die Böden inzwischen langjährig deutlich zu trocken sind.
Tiere und Pflanzen leiten unter erwärmten Gewässern
Die Klimaerhitzung belastet den Wasserhaushalt zunehmend. Es kommt weniger Wasser im Grundwasser an, und Flüsse oder Seen erwärmen sich so stark, dass die Lebewesen darin Probleme bekommen. Oder auch, wie jetzt gerade, dass die Wasserstände zeitweise deutlich zu niedrig sind.
All das hat Folgen für Tiere, Pflanzen und am Ende auch für uns Menschen und unsere Wasserversorgung. Deshalb sind Präventivmaßnahmen wie ein Entnahmeverbot wichtig.
Wen das Wasserentnahme-Verbot betrifft
Noch sind nur einzelne Landkreise betroffen, zum Beispiel der Kreis Biberach oder der Bodenseekreis. Aktuell geht es bei dem Wasserentnahme-Verbot um sogenannte Oberflächengewässer - also Flüsse, Bäche und Seen. Das gilt für Anlieger, also Privatleute, über deren Grundstück zum Beispiel ein Bach fließt, aus dem sie Wasser zum Blumengießen pumpen. Außerdem gilt das Verbot für Landwirtinnen und Landwirte. Bei Verstößen drohen teilweise Geldstrafen bis zu 100.000 Euro.
Was wir aktuell in Baden-Württemberg noch nicht haben, was in den letzten Jahren aber auch immer mal wieder vorgekommen ist, sind Aufforderungen von den Wasserversorgern. Sie appellieren, kein Leitungswasser zu nutzen, um private Badepools zu füllen oder den Rasen zu gießen.
Dürre und Hitze werden voraussichtlich bleiben
Den Bächen und Flüssen fehlt in diesem Jahr die "Wasserbasis", das Schmelzwasser. Es gab wenig Schnee und Eis im Winter - die Folgen sind jetzt sichtbar: Schon relativ früh im Jahr sind die Gewässer-Pegel niedrig.
Durch die Trockenheit sind auch die Böden vielerorts schon relativ verdichtet. Das bedeutet: Selbst wenn Regen fällt, hat das oft nur einen kurzen Effekt. Das Regenwasser versickert kaum, sondern fließt direkt auf der Oberfläche wieder ab. Es bräuchte eine länger anhaltende Regenphase, damit die Defizite tatsächlich wieder aufgefüllt werden können.
Und dann kommt das Wetterphänomen "El Niño" dazu, bei dem sich der östliche Pazifik erhitzt, was weltweit zu Extremen führt. Forschende rechnen damit, dass dieses Jahr ein sogenanntes "El Niño"-Jahr werden könnte. Bei uns kann das Hitze und Trockenheit verstärken. Damit werden die Folgen des Klimawandels, die wir ohnehin schon erleben, nochmal intensiviert. Experten rechnen für diesen Sommer auch in Deutschland mit neuen Rekordwerten bei Trockenheit und Hitze.
Trockenstress bei Pflanzen vorprogrammiert
Pflanzen, die nicht bewässert werden können - zum Beispiel im Wald - halten diese Art von Stress schlecht aus. Das zeigt, wie wichtig Klimaanpassungsmaßnahmen sind, damit wir resiliente Bestände haben.
Wo bewässert werden kann, wird es mit den Wasserentnahme-Verboten natürlich auch knapper. Die Landwirtschaft muss in absehbarer Zeit neue Wege finden und auf Pflanzen setzen, die auch unter diesen Bedingungen angebaut werden können. Denn eins ist klar: Selbst, wenn dieses Jahr besonders ist - der langjährige Trend geht weg von einem ausgeglichenen Wasserkreislauf hin zu Extremen und Schwankungen.