Isa und Simon G. aus Stuttgart freuen sich seit Monaten auf ihre große Reise: Einmal mit dem Zug durch Japan fahren. Ein runder Geburtstag stand an und das Paar wollte lieber in der Ferne feiern als zu Hause. Die Hotels waren schnell gefunden, die Sehenswürdigkeiten aufgelistet und der Flug gebucht. Mit der Golfstaaten-Airline Etihad sollte es in den fernen Osten gehen.
Mit einem Zwischenstopp im mittleren Osten, in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Abu Dhabi. Doch dann kamen die Nachrichten von den iranischen Angriffen auf die Golfregion. Und die Frage: was dies für ihre geplante Reise bedeuten würde.
Es war schon sehr beängstigend und auch sehr verunsichernd - vor allem, ob wir jetzt wirklich fliegen können oder nicht.
Jeden Tag hätten sie in den vergangenen Tag die Nachrichten gecheckt. Eine große Sorge: Würden die beiden ohne größere Komplikationen zurückkehren können, sollten sie sich tatsächlich für die Reise entscheiden? Für beide war klar: über Abu Dhabi würden sie nicht nach Japan fliegen.
Transit über Dubai, Abu Dhabi & Co? Verschiedene Regeln beim Umbuchen von Flügen
So wie dem Paar aus Stuttgart ging es kurz vor Beginn der Osterferien vielen im Land, die eine Flugreise geplant hatten. Denn wer zum Beispiel nach Asien will, kommt an den großen Drehkreuzen am Golf kaum vorbei.
In vielen Reisebüros herrscht daher seit Wochen Krisenmanagement. Alternativen müssen gefunden werden für die Kundschaft, deren Pauschalreisen oder Flüge über die Emirate oder Katar gehen sollte. Denn auch für solche sogenannten Transitreisen gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts.
Sicher Reisen in Krisenzeiten
Welche Rechte habe ich, wenn ich eine Reise in ein Krisengebiet bereits gebucht habe? Kann ich diese kostenlos stornieren? Wir klären auf!
Reisende, die zum Beispiel in Thailand einen Pauschalurlaub gebucht haben, können seither keinen Zwischenstopp mehr in der Golfregion machen. Wer nur den Flug gebucht hat, muss selbst entscheiden, ob er ihn antritt - sofern er überhaupt startet. Mitunter können solche Flüge umgebucht oder storniert werden.
Im Reisebüro "Explorer Travel" in Stuttgart versuchen die Mitarbeiterinnen, Lösungen zu finden. Nicht nur mit den Kunden, sondern auch mit den Airlines muss kommuniziert werden.
Es ist ein bisschen durcheinander. Jede Fluggesellschaft hat ihre eigenen Regelungen und die können sich gerade tagtäglich ändern.
Umgebucht wird von Ost nach West
Auch die großen Reiseanbieter haben in diesen Tagen gut zu tun. Denn wer eine Pauschalreise oder einen Flug über einen Reiseveranstalter gebucht hat, darf wegen der Reisewarnung kostenlos umbuchen oder stornieren.
Alternative Reiseziele liegen laut dem Kölner Reiseveranstalter Dertour vor allem im westlichen Mittelmeer, auch die Kanaren seien gefragt. Umbuchungs- oder Stornierungsanfragen gebe es etwa auch für Ägypten, obwohl es hierfür gar keine Reisewarnung gibt. Auch die Nachfrage nach Reisen in die Türkei sei niedriger als im Vorjahr, auch hier gebe es mehr Anfragen auf Umbuchungen oder Stornierungen.
Alternativ-Flüge zu Transit-Flügen über Golf oft ausgebucht oder teuer
Wer die Golfstaaten so kurzfristig umfliegen will, braucht allerdings Glück - und oft auch mehr Geld. Einige Airlines haben die Kerosingebühren erhöht, Alternativflüge sind oft nicht so einfach zu finden. Wegen der Osterferien seien viele andere Flüge bereits sehr voll, erklärt Gaby Sautter vom Reisebüro "Explorer": "Die Fluggesellschaften haben - wie bei uns die Tankstellen - sehr schnell reagiert und die Kerosingebühren erhöht."
Isa und Simon G. hatten Glück: Sie konnten ihren ursprünglichen Flug stornieren und eine alternative Verbindung ins japanische Osaka buchen, mit Umstieg in Südkorea statt in der Krisenregion.
Für die Stuttgarter und ihre Familien eine große Erleichterung: "Klar, es ist ein Luxusproblem, aber wir haben uns jetzt schon sehr gefreut, weil es ein besonderer Anlass ist und wir die Reise unbedingt machen wollten."
Krisengewinner Heimattourismus und DB?
Profiteure der unklaren Lage könnten Tourismusbetriebe in der Heimat werden. Hoffnungen auf eine gute Saison machen sich zum Beispiel die Betreiber von Campingplätzen.
Beim BW-Ableger des Bundesverbands der deutschen Campingwirtschaft heißt es, man erwarte, dass sich ein Teil der Gäste in diesem Jahr bewusst für einen Urlaub im "Ländle" entscheidet - insbesondere, weil Auslandsreisen in diesem Jahr als weniger planbar und teurer wahrgenommen würden. Ein erhöhtes Buchungsaufkommen schon in den Osterferien sei aber nicht zu beobachten - hier spiele wie immer das Wetter die entscheidende Rolle.
Verkehr in den Osterferien - Verreisen mit Zug oder Fernbus statt Auto?
Und dann sind ja da noch die stark gestiegenen Spritpreise. Könnten die die Menschen in Baden-Württemberg dazu bewegen, in den Osterferien das Auto stehen zu lassen? Erste Hinweise darauf kommen von der Deutschen Bahn.
Im Fernverkehr verzeichnet der Konzern eine Zunahme der Ticketbuchungen von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu beitragen könnten auch die gestiegenen Preise an der Tankstelle, wie ein Konzernsprecher mitteilte.
Auch im Regionalverkehr könnte die Auslastung an den Ostertagen hoch sein - besonders auf Strecken in Ausflugsgebiete im Umland der Großstädte. Möglich also, dass der ein oder andere für den Familienausflug am Ostermontag in diesem Jahr zum Deutschlandticket greift - und nicht wie sonst mit dem Auto losfährt.
Einen ähnlichen Effekt beobachtet man auch beim privaten Bahnunternehmen "Flixtrain". Die Buchungen an Ostern lägen über dem Vorjahresniveau, heißt es von dem Unternehmen. Besonders gefragt seien längere Strecken, etwa die Verbindungen Stuttgart-Berlin oder Berlin-Heidelberg.
ADAC: Keine leeren Straßen an Ostern
Werden die Osterferien 2026 also entspannt auf den Fernstraßen? Beim ADAC hat man große Zweifel an dieser Theorie. Bislang beobachte man nicht, dass die hohen Spritpreise einen klaren Effekt auf das Verkehrsaufkommen hätten, so eine Sprecherin. Die Erfahrung zeige, dass gerade zu Ferienbeginn viele ihre Urlaubsreise mit dem Auto nicht missen wollten.
Viele Reisen seien ohnehin schon lange vor dem Kriegsausbruch gebucht worden und würden jetzt auch angetreten. Auch wenn die Spritpreise stark gestiegen sind: Ein kurzfristiger Umstieg auf ein anderes Verkehrsmittel käme die Betroffenen meist noch teurer. Daher erwartet man beim ADAC rund um die Feiertage volle Autobahnen.