Zucker ist allgegenwärtig: Ob in Softdrinks, Süßigkeiten oder Fertigprodukten - der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland lag im letzten Jahr rechnerisch bei rund 33 Kilogramm, so die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Doch der süße Stoff hat auch eine Schattenseite: Er kann langfristig krank machen. Immer mehr Länder setzen deshalb auf eine Zuckersteuer, um den Konsum zu reduzieren. Doch ist das wirklich der richtige Weg? In Deutschland sorgt die Debatte für hitzige Diskussionen - auch zwischen CDU und Grünen.
CDU: "Keine wissenschaftliche Evidenz"
Die CDU hat sich klar gegen eine Zuckersteuer positioniert. Auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart Ende Februar lehnte die Partei eine solche Abgabe ab. Steffen Bilger, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Bundestagsabgeordneter aus Ludwigsburg, begründet die Ablehnung: "Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass eine Zuckersteuer dazu führt, dass Übergewicht bei Kindern reduziert wird. Und man sollte nicht das machen, was populär klingt, sondern was wirklich etwas bewirkt."
Beim CDU-Bundesparteitag hatten die Delegierten einen Vorstoß des Landesverbands Schleswig-Holstein abgelehnt. Dieser sah vor, dass die CDU die Einführung einer Steuer auf Getränke mit hohem Zuckeranteil fordert. Sie sollte mit gestaffelten Sätzen Anreize setzen, den Zuckergehalt zu senken. Gefordert wurde darin auch eine Altersgrenze von 16 Jahren für Energy-Drinks.
Fitnessbarometer der Kinderturnstiftung Übergewicht bei Kindern in BW auf Rekordniveau: "Sitzen sich in der Grundschule krank"
Kinder in Baden-Württemberg sind schneller und kräftiger geworden - haben aber auch häufiger Übergewicht. Eine Rolle spiele dabei der Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule.
Diese Haltung stößt jedoch auf Widerstand. Der Ärzteverband Marburger Bund fordert die Einführung der Zuckersteuer und verweist auf die gesundheitlichen Risiken, die mit einem hohen Zuckerkonsum verbunden sind.
Ärzte warnen vor versteckten Gefahren
Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bunds, hebt vor allem die Langzeitfolgen des Zuckerkonsums hervor: "Es geht nicht nur um die Frage des Körpergewichts, sondern auch darum, was im Körper mit dem Zucker passiert." Besonders die sogenannte Fettleber sei ein Problem, das oft unentdeckt bleibe. "Das ist oft ein Zufallsbefund, den wir im Ultraschall feststellen, und die Menschen haben verschiedenste Probleme, die sie aber am wenigsten auf ihren Zuckerkonsum schieben."
Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert die Absage der CDU an eine Limosteuer auf gezuckerte Getränke für eine gesündere Ernährung bei Kindern und Jugendlichen. "Die CDU hat nicht nur die Chance verpasst, Krankheiten und das damit verbundene Leid zu mindern, sondern auch Milliarden an Kosten einzusparen", sagte eine Foodwatch-Sprecherin. Foodwatch forderte, jetzt müssten die Länder Vernunft beweisen und eine vom Land Schleswig-Holstein angekündigte Bundesrats-Initiative unterstützen.
Lebensmittelindustrie: Zucker hat wichtige Funktionen
Die Lebensmittelbranche zeigt sich hingegen skeptisch. Manon Struck-Pacyna, Sprecherin des Lebensmittelverbands Deutschland, betont, dass Zucker in Lebensmitteln nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Haltbarkeit und Konsistenz wichtig sei. "Bei festen Lebensmitteln ist es deutlich schwieriger, Zucker zu ersetzen. Zucker hat viele technologische Eigenschaften, die nicht unterschätzt werden dürfen." Zudem gebe es bei Softdrinks bereits zuckerfreie Alternativen, die Verbraucher wählen könnten.
Grüne: Politik muss gesunde Ernährung fördern
Die Grünen hingegen sehen die Zuckersteuer als Chance, die Ernährungspolitik in Deutschland zu verbessern. Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe und Mitglied des Agrarausschusses, argumentiert: "Faktisch mischt sich die Politik ja jeden Tag in das ein, was wir essen - durch Preispolitik oder die Gestaltung der Mehrwertsteuer." Ihrer Meinung nach müsse es Aufgabe der Politik sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die gesunde Ernährung zur einfacheren Wahl machen.
So verweisen Befürworter einer Zuckersteuer auf die gesundheitlichen Vorteile und internationale Beispiele, Gegner warnen vor Symbolpolitik und möglichen wirtschaftlichen Folgen. Ob die Zuckersteuer in Deutschland jemals eingeführt wird? CDU-Politiker Bilger weist vorsorglich schon einmal auf den Koalitionsvertrag hin: Dort finde sich keine Verabredung zur Zuckersteuer. Vielmehr schließe man Steuererhöhungen aus.
Absage an Zuckersteuer vom Bundesernährungsminister
Vor dem Parteitag in Stuttgart hatten 46 Mediziner- und Verbraucherverbände an die CDU appelliert, sich für eine Zuckersteuer auszusprechen. Der Appell wurde unter anderem von Foodwatch, dem Marburger Bund, der Bundesärztekammer und medizinischen Fachgesellschaften unterstützt. Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) hatte einer Zuckersteuer bereits eine Absage erteilt.