In diesem Jahr beginnen der Ramadan und die christliche Fastenzeit fast zeitgleich. Für die Musliminnen und Muslime in Baden-Württemberg beginnt der Fastenmonat Ramadan am Mittwochabend: Gefastet wird aber erst ab der Morgendämmerung am Donnerstag - bis zum 20. März. Die christliche Fastenzeit fängt am Aschermittwoch an und endet am 5. April.
Doch wie gesund ist das Fasten eigentlich? SWR Aktuell hat mit Ernährungsexpertin Barbara Lieder von der Universität Hohenheim darüber gesprochen, wie sich traditionelles religiöses Fasten auf unseren Körper auswirkt.
SWR Aktuell: In der christlichen Fastenzeit wird traditionell für 40 Tage auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichtet: Wie wirkt sich diese Art des Fastens auf unseren Körper aus?
Barbara Lieder: Es kommt darauf an, wie die tierischen Produkte während der Fastenzeit ersetzt werden: Wenn man nicht auf Pommes oder Süßigkeiten ausweicht und zum sogenannten "Pudding-Vegetarier" wird, kann man sich in der Fastenzeit sehr gut pflanzenbasiert ernähren - diese Ernährungsform hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit.
Denn wenn ich anstatt der tierischen Produkte viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide und Obst esse, kann ich positive Veränderungen bei den Blutfetten - zum Beispiel durch bessere Cholesterinwerte - oder einen niedrigeren Blutdruck erreichen. Außerdem können sich die Zucker-Werte von Typ 2 Diabetikern verbessern.
SWR Aktuell: Während des Ramadans hingegen verzichten die Gläubigen von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken - welche positiven Auswirkungen auf den Körper gibt es hier?
Lieder: Wenn man während des Fastenbrechens sehr fettig, zuckerreich oder salzig isst, wird man kaum positive Effekte sehen. Denn bei einem solchen "Intervallfasten" kommt es vor allem darauf an, wie man sich ernährt - und nicht zu welcher Uhrzeit man isst.
Aber: Studien zum Fasten im Ramadan zeigen, dass es bei Menschen mit Übergewicht zu einem leichten Gewichtsverlust kommen kann - und dass auch die Blutfette zurückgehen können. Diese positiven Effekte hängen aber eben davon ab, wie man sich während des Fastenbrechens ernährt.
SWR Aktuell: Also eignet sich das Fasten im Ramadan zum Abnehmen?
Lieder: Nicht unbedingt: Die Studien zeigen auch, dass die Abnehm-Effekte sich oft auf einen Wasserverlust während des Ramadans zurückführen lassen, das Gewicht steigt dann nach dem Fasten häufig wieder an. Aber es könnte natürlich ein Start in eine gesündere Lebensweise sein - gerade wenn wir auf die psychische Gesundheit schauen: Da kann man während des Fastens zum Beispiel mehr Selbstkontrolle und Disziplin erlangen.
SWR Aktuell: Fasten gilt als gesund - kann aber auch belasten. Wo sehen Sie die größten Risiken, sowohl in der christlichen Fastenzeit als auch im Ramadan?
Lieder: Beim christlichen Fasten sind keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Chronisch kranke Menschen sollten aber eine größere Ernährungsumstellung immer vorab ärztlich abklären - zum Beispiel bei Nierenerkrankungen oder Diabetes.
Beim Ramadan berichten einige Menschen von Schlafstörungen, weil der Schlafrhythmus durcheinander kommt - das wirkt sich negativ auf Körper und Psyche aus. Zudem gibt es während des Fastenmonats sehr lange Phasen am Tag, während derer nichts getrunken und gegessen werden darf: Gerade Menschen, die körperlich hart arbeiten oder sehr aktiv sind, können dann schnell einen Flüssigkeitsmangel bekommen.
SWR Aktuell: Worauf sollten Fastende während des Ramadans achten, um diese Risiken zu reduzieren?
Lieder: Es ist wichtig, dass man während des Fastenbrechens genügend Flüssigkeit zu sich nimmt - und dass man sich ausgewogen und besonders nährstoffreich ernährt. Zudem wird bei Kindern sowie bei schwangeren und stillenden Frauen aus wissenschaftlicher Perspektive vom Fasten abgeraten - auch chronisch kranke Menschen sollten vorsichtig sein.