"Zur Sache vor Ort" in Überlingen

Wer kann sich Essen im Restaurant noch leisten? Das sagen Gastwirte und Gäste

Steigende Preise beim Blick in die Speisekarte. Doch auch die Gastronomen klagen. Bei "Zur Sache vor Ort" in Überlingen diskutieren Gäste, Gastwirte und Politiker.

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Von Autor/in Julia Kretschmer

Der Blick in die Speisekarte lässt derzeit so manchen Restaurantbesucher schlucken. Denn Essengehen wird für immer mehr Menschen zum Luxus. Doch auch Gastronominnen und Gastronomen stöhnen wegen der steigenden Kosten. Das wurde auch bei "Zur Sache vor Ort" live in Überlingen-Lippertsreute (Bodenseekreis) deutlich. In der SWR-Sendung diskutierten Gäste, Gastronomen und Politiker über die Zukunft des Gastgewerbes im Land. 

Gastronomie als Ort der Begegnung weiterhin wichtig

Die Gastwirtschaft ist und bleibt in vielen Regionen im Land ein wichtiger Ort der Begegnung und der Entspannung. Aber während manche Gäste früher noch vier bis fünf Mal im Monat essen gegangen sind, sind es mittlerweile nur noch ein bis zwei Mal. Mehr sei finanziell nicht mehr drin, berichtet beispielsweise Handwerksmeister Alfred Keller.

Doch auch für die Gastronomen selbst ist die derzeitige Situation nicht einfach. Tanja Caccece hat jahrelang in Friedrichshafen mehrere Restaurants betrieben. Ende 2024 hat sie das letzte Restaurant aufgegeben, die Belastung war irgendwann einfach zu hoch.

Wer profitiert von der abgesenkten "Gastrosteuer"?

Zum 1. Januar 2026 hat die schwarz-rote Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie, die sogenannte "Gastrosteuer", dauerhaft von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Um Gastronomen, aber auch Gäste finanziell zu entlasten. Doch gerade bei den Gästen kommt dieser Steuervorteil nur selten an. Das zeigt nicht nur die Umfrage unter den Gästen bei "Zur Sache vor Ort", sondern auch der Blick in die Statistik: Laut Statistischem Landesamt ist der Preis für "Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen" in Baden-Württemberg im Januar 2026 zwar um 0,2 Prozent gesunken im Vergleich zu Dezember 2025, bis April dann jedoch wieder um 1,6 Prozent gestiegen. Verglichen zu 2020 ist das eine Preissteigerung von insgesamt 32,2 Prozent.

Schon vor Inkrafttreten der Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent zum 1. Januar 2026 gab es Zweifel daran, dass die Steuersenkung wirklich beim Restaurantbesucher ankommt. Viele Gastronomen sagen, dass sie sich das schlicht nicht leisten können. Denn die Kosten für Lebensmittel, Miete, Energie und Personal wären zu hoch. Beispielsweise ist der Mindestlohn zum 1. Januar von 12,82 Euro auf 13,90 Euro gestiegen.

Gastrokritiker: Subventionen an der falschen Stelle

Gastrokritiker Jochen Rädeker kritisiert in der Sendung, dass die Regierung an der falschen Stelle subventioniere. Statt Subventionen "mit der Gießkanne" durch die abgesenkten "Gastrosteuer" sollten lieber die heimischen Landwirte besser unterstützt werden. "Dann könnte man eine Win-Win-Situation haben: Günstiges Essen, gute Qualität und für den Wirt volle Gasträume, bessere Tierwohlbedingungen", so Rädeker.

Forderung an die Politik: weniger Bürokratie

Die Gastronomen freuen sich an diesem Abend über die Absenkung der Mehrwertsteuer. Das sei eine finanzielle Erleichterung. Doch eine große Herausforderung bliebe: die Bürokratie. Gefühlt verbringe er jede Woche mehr und mehr Zeit im Büro, berichtet Gastwirt Lukas Keller. Damit bliebe weniger Zeit für den Gast.

Sein Wunsch nach weniger Bürokratie stößt bei den anwesenden Politikern auf offene Ohren. Alexander Bruns (CDU), frisch gewählter Landtagsabgeordneter aus dem Bodenseekreis, versichert, dass die neue Landesregierung insbesondere bei den Dokumentations- und Nachweispflichten Lockerungen schaffen wolle. So sei es auch im Koalitionsvertrag vereinbart.

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Julia Kretschmer
Julia Kretschmer Portrait SWR Volontärin 2022

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