Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands

Sozialleistungen: Die meisten Kinder gehen bei der Teilhabe-Hilfe leer aus 

Kinder aus Familien mit geringem Einkommen können staatliche Hilfe für Sport und Freizeit bekommen. Doch nur wenige Familien im Südwesten nehmen das in Anspruch. Woran liegt das?

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Von Autor/in Cüneyt Özadali

Nach einer Studie der Paritätischen Forschungsstelle profitieren viele Kinder nicht von Teilhabeleistungen im Bildungs- und Teilhabepaket. Bundesweit läuft für vier von fünf anspruchsberechtigten Kindern diese Leistung ins Leere. Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung soll Kindern und Jugendlichen aus finanziell benachteiligten Familien eigentlich helfen, Freizeit- und Sportangebote wahrnehmen zu können, die ihre Eltern ihnen sonst nicht finanzieren können. Die Bundesregierung plant laut Koalitionsvertrag, die Teilhabeleistung von bisher 15 Euro pro Kind auf 20 Euro im Monat zu erhöhen, so der Paritätische Gesamtverband.  

Teilhabe-Hilfe in Baden-Württemberg kaum genutzt

Von über 118.000 anspruchsberechtigten Kindern in Baden-Württemberg erhalten nur 19.000 die Teilhabeleistung. Die Teilhabequote betrage in diesem Bereich 16,4 Prozent und liege damit unter dem Bundesdurchschnitt von 16,7 Prozent, wie die Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigt. Damit entgingen fünf von sechs Kindern Förderungen für Sport, Musik oder Freizeit, teilte der Paritätische Baden-Württemberg in Stuttgart mit. 

Rheinland-Pfalz: Quote von unter zehn Prozent  

Von über 53.000 anspruchsberechtigten Kindern in Rheinland-Pfalz haben im Jahr 2024 nur 4.879 Kinder Teilhabeleistungen erhalten. Das entspreche einer Teilhabequote von lediglich 9,1 Prozent - und liege damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 16,7 Prozent, teilte der Paritätische Rheinland-Pfalz/Saarland dem SWR mit. Laut der Studie bildet Rheinland-Pfalz zusammen mit Hamburg das Schlusslicht im Ländervergleich.  

Viel Bürokratie - Hilfen für Kinder pauschal an Familien auszahlen  

"Das Bildungs- und Teilhabepaket ist wichtig, um Kindern aus einkommensarmen Familien Teilhabe zu ermöglichen", sagt Katja Reiner, Referentin für den Bereich Kinder beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. Statt komplizierter Anträge und unübersichtlicher Zuständigkeiten bei Behörden müsse die Unterstützung künftig pauschal und direkt an die anspruchsberechtigten Familien ausgezahlt werden, fordert Reiner. Nur so sei sichergestellt, dass die Förderung tatsächlich dort ankomme, wo sie gebraucht werde und kein Kind mehr von Sport, Kultur oder gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen bleibe. Katja Reiner sagt, die Mitgliedschaft und Zugehörigkeit in Vereinen sei für Kinder wichtig. Dies fördere ihre Entwicklung und sei ein Schutzfaktor. Das zeige auch die Resilienzforschung.   

Regionale Unterschiede in Baden-Württemberg  

Häufig hänge es auch vom Wohnort ab, ob Familien Teilhabeleistungen beanspruchten. In Baden-Württemberg gibt es da laut der Studie massive, regionale Unterschiede. Während die Quote im Rems-Murr-Kreis mit 84,1 Prozent und in Freiburg mit 44,2 Prozent relativ hoch seien, liege der Wert im Enzkreis mit 5,5 Prozent und in Karlsruhe mit 5,6 Prozent weit niedriger.

Nicht überall in Rheinland-Pfalz wird die Hilfe angerufen

Die Studie zeigt auch erhebliche regionale Unterschiede in Rheinland-Pfalz: Während in Mainz 20,5 Prozent und im Kreis Bad Kreuznach 18,9 Prozent die Hilfe abrufen, gibt es Regionen, in denen die Leistungen nahezu gar nicht ankommen. Im Rhein-Hunsrück-Kreis lag die Quote 2024 bei 0 Prozent, im Kreis Germersheim bei lediglich 0,3 Prozent. Auch in großen Städten wie Ludwigshafen (5,6 Prozent) oder Frankenthal (5,6 Prozent) nehmen nur sehr wenige Kinder die Leistungen in Anspruch. 

Verband: Dringende Reformen nötig  

Der Paritätische Rheinland-Pfalz/Saarland mache deutlich, dass das Bildungs- und Teilhabepaket zwar ein wichtiges Instrument zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe für Kinder aus einkommensarmen Familien sei, die Realität jedoch zeige, dass die Hilfen viel zu wenige erreichten. Anträge und bürokratische Hürden schreckten zahlreiche Familien ab. Der Paritätische in Baden-Württemberg betont zudem, dass für viele Familien Sprachbarrieren eine große Hürde seien. "Andere empfinden Scham, offenlegen zu müssen, dass sie auf die 15 Euro zur Teilhabe angewiesen sind", ", so Katja Reiner. Hinzu kommt: Viele Eltern wüssten schlicht nicht, dass es diese Unterstützung überhaupt gibt.

Notwendig seien unbürokratische Lösungen - etwa pauschale Auszahlungen direkt an die Familien. Der Verband fordert dringend Reformen, um mehr Kindern den Zugang zu echten Teilhabechancen zu eröffnen. Bildungsgerechtigkeit entstehe nicht auf dem Papier, sondern im Alltag der Kinder, so der Paritätische Rheinland-Pfalz/Saarland.

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Cüneyt Özadali

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