Buntstifte, Filzstifte, Pinsel, Schnellhefter in acht Farben – und das ist erst der Anfang. Die Materialliste für eine Trierer erste Klasse, die dem SWR vorliegt, füllt eine ganze Seite.
Neben Federmäppchen, Farbkasten und Sportbeutel sollen auch Dinge wie Malkittel, Hausaufgabenheft, Brotdose und Hausschuhe gekauft werden. Für viele Familien in der Region ist das längst nicht mehr nur eine organisatorische, sondern auch eine finanzielle Herausforderung.
Schulstart ist teuer
Nach Angaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales gibt es Hilfen vom Staat für jedes schulpflichtige Kind. Jährlich 195 Euro - ausgezahlt in zwei Raten. Auch Ausflüge, Klassenfahrten und Mittagessen können übernommen werden. Doch oft reicht das nicht. Ein neuer Schulranzen mit Zubehör kostet schnell 250 Euro und mehr .
Viele Eltern können sich den gefüllten Ranzen nicht leisten.
"Es gibt viele Eltern, die sich leider nicht auf die Schule freuen können, sondern mit Sorgen im Bauch auf den Start eines neuen Schuljahres sehen. Viele können ihren Kindern den gefüllten Ranzen mit all den Materialien nicht anschaffen – aus finanziellen Gründen", sagt Sandra Rouhi vom städtischen Triki-Büro in Trier.
Immer mehr Kinder brauchen Unterstützung
Rouhi organisiert jedes Jahr gemeinsam mit Partnern wie dem Deutschen Kinderhilfswerk und Spenderinnen aus der Region eine Schulranzen-Aktion. In diesem Jahr konnten so über 100 gefüllte Ranzen an Kinder aus Familien mit wenig Geld vermittelt werden. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt die Pädagogin. Denn die Nachfrage steigt und viele Ranzen sind schon Monate vor dem Schulstart vergeben.
Auch die Zahlen der Stadt bestätigen das: In Trier lebten 2024 rund 2.722 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Haushalten, die Bürgergeld beziehen. Das ist fast jedes sechste Kind. Im Landkreis Trier-Saarburg sieht es ähnlich aus. Preissteigerungen und Inflation verschärfen die Lage weiter. Laut statistischem Bundesamt kosten Schul- und Lehrbücher im Schnitt drei bis vier Prozent mehr als im Vorjahr, bei Schulranzen beträgt der Aufschlag sogar fast acht Prozent.
So bekommt man einen kostenlosen Ranzen
Die Ranzen können nicht direkt im Triki-Büro abgeholt werden. Stattdessen erfolgt die Ausgabe über Schulen, Kitas, Familienzentren oder Sozialarbeiter. Eltern, die für ihr Kind einen kostenlosen Ranzen benötigen, wenden sich daher am besten an diese Einrichtungen oder direkt an die Stadtverwaltung.
Aber nicht nur Schulen und Familienzentren in Trier können sich melden. Auch Einrichtungen aus dem Landkreis Trier-Saarburg – etwa Kitas, Schulen oder Kleiderkammern – könnten Ranzen über das Triki-Büro bekommen. "In der Stadt Trier ist das Angebot gut bekannt, im Kreis ist es aber noch nicht überall angekommen."
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Niemand sollte sich schämen, Unterstützung anzunehmen.
Rouhi betont, wie wichtig es ist, über den eigenen Schatten zu springen: "Es geht um die Kinder. Niemand sollte sich schämen, Unterstützung anzunehmen. Lehrer und Sozialarbeiter kennen oft Wege, wie auch kurzfristig Material organisiert werden kann."
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Von Christiane Seiler
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