Immer mehr Eltern sorgen sich um Finanzen

Unterstützung für Familien in BW: Warum Angebote oft nicht genutzt werden

Familien in Deutschland machen sich immer häufiger Sorgen um ihre Finanzen. Es gibt Hilfsangebote - aber oft mit bürokratischen Hürden, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband.

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Von Autor/in Knut Bauer

Eltern in Deutschland sehen ihre finanzielle Situation zunehmend pessimistisch. Rund ein Viertel der Väter und Mütter ist nach einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Organisation "Save the Children" besorgt, dass sie nicht mehr ausreichend für Grundbedürfnisse ihrer Familie wie Wohnung, Heizung und Nahrung sorgen können.

Seit Jahresbeginn ist dieser Anteil von 15 auf 25 Prozent gestiegen. Diese Zahlen drücken eine deutliche Unsicherheit über die wirtschaftliche Lage aus - man könnte auch sagen: sie sprechen für eine Angst vor dem sozialen Abstieg. Die Krise in der Automobilindustrie wirkt sich im Autoland Baden-Württemberg besonders stark aus - und die zuletzt steigenden Arbeitslosenzahlen zeigen, dass sich die schwache Konjunktur inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt auswirkt.       

Über die Sorgen der Familien und die Leistungsangebote in BW hat Knut Bauer aus der Redaktion Landespolitik in SWR1 gesprochen:

Diese Leistungen bieten Bund und Land für Familien mit Kindern

In der Tat gibt es zahlreiche Unterstützungsleistungen für Familien mit geringem Einkommen. Vom Bund beispielsweise das Bildungspaket mit Zuschüssen für den Schulbedarf. Derzeit gibt es 195 Euro pro Schuljahr für Bücher, Hefte und Stifte. Außerdem gibt es kostenloses Mittagessen in Kitas und Schulen oder ÖPNV-Tickets für die Schülerbeförderung. Auch für eintägige Ausflüge werden die Kosten übernommen. Anspruch auf das Bildungspaket haben Familien, die Kinderzuschlag, Wohngeld oder Bürgergeld beziehen.

Wer alleinerziehend ist und keinen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommt, kann Unterhaltsvorschuss beantragen. Für Kleinkinder bis zu fünf Jahren sind das derzeit 227 Euro im Monat.

Einkommensunabhängig ist in Baden-Württemberg der Landesfamilienpass. Den gibt’s für Familien ab drei Kindern und Alleinerziehende ab einem Kind. Er bietet freien oder reduzierten Eintritt in Freizeiteinrichtungen wie zum Beispiel der Insel Mainau am Bodensee, der Wilhelma in Stuttgart, dem Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar (Kreis Ludwigsburg) oder dem Besucherbergwerk Bad Friedrichshall-Kochendorf (Kreis Heilbronn).

Wohlfahrtsverband kritisiert bürokratische Hürden

Wie viele Familien die Leistungen in Anspruch nehmen, ist nicht bekannt. Die Anträge laufen über die Kommunen und das zu erfassen wäre ein gigantischer Aufwand. Das Landessozialministerium geht davon aus, dass es derzeit knapp 300.000 Inhaberinnen und Inhaber eines Familienpasses in Baden-Württemberg gibt, mit steigender Tendenz.

Das Problem ist allerdings, dass viele Familien die Angebote gar nicht kennen. Das gilt auch für das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Selbst wenn sie davon wissen, sind die bürokratischen Hürden ziemlich hoch, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband. Viele Familien in Baden-Württemberg würden die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gar nicht in Anspruch nehmen, weil die Antragstellung kompliziert und wenig transparent sei.

Verband: Eltern zögern wegen Stigmatisierung bei Angeboten

"Deshalb sollten Leistungen, die bedürftigen Familien zustehen, wie auch der Kinderzuschlag automatisch ohne bürokratische Hürden direkt ausbezahlt werden. Viele betroffene Familien fühlen sich ohnehin stigmatisiert und zögern deshalb Familienhilfen zu beanspruchen", teilt der Verband auf SWR-Anfrage mit.

Wer als Familie Unterstützung braucht und weitere Informationen über entsprechende Leistungen benötigt, kann sich an Sozial- und Jugendämter in Städten und Gemeinden wenden oder an Verbände wie Caritas und Diakonie.   

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Autor/in
Knut Bauer
SWR-Reporter und -Redakteur Knut Bauer

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