Auch Auswirkungen auf BW und RLP

Hohe Kerosinpreise und Knappheit: Werden Flüge jetzt teurer oder sogar gestrichen?

Steigende Kerosinpreise und drohende Kerosinknappheit verunsichern viele Reisende. Das müssen Urlauber im Südwesten jetzt über Flugpreise und mögliche Flugstreichungen wissen.

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Von Autor/in Tamara Land, Hanna Spanhel

Die Internationale Energieagentur IEA hat für viel Verunsicherung gesorgt - mit einer Warnung vor Kerosinmangel im Flugverkehr. Die Kerosinvorräte in Europa reichten demnach zuletzt rechnerisch nur noch für knapp sechs Wochen - ein historischer Tiefstand.

Trotz der zwischenzeitlichen Wiederöffnung der Straße von Hormus und vorsichtiger Entwarnung durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bleibt die Lage angespannt. Auch mit Blick auf geplante Flugreisen im Sommer. Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Welche Folgen hat die Situation für Flugreisende in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg?

Branchenkenner wie der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt gehen davon aus, dass Fliegen als Folge von Kerosinknappheit und -Preisen diesen Sommer deutlich teurer wird. Das könnte wiederum dazu führen, dass die Nachfrage sinkt - und Flugpläne entsprechend ausgedünnt werden.

"Die hohen Kerosinpreise zeigen bereits spürbare Auswirkungen auf den Reisemarkt", sagt Dr. Bernd-Holger Köpler, Reiseexperte beim ADAC Württemberg. Airlines würden demnach bereits mit steigenden Ticketpreisen und Treibstoffzuschlägen reagieren, zudem würden vereinzelt weniger rentable Verbindungen reduziert. "Insgesamt verteuern sich Urlaubsangebote, was aktuell zu einer gewissen Zurückhaltung bei Buchungen führt", so Dr. Köpler.

Perspektivisch sei laut dem Reiseexperten davon auszugehen, dass nicht alle bestehenden Flugverbindungen dauerhaft angeboten werden können und sich das Angebot weiter verknappt, was zusätzlichen Preisdruck erzeugen dürfte.

Wie sieht die Lage auf den Flughäfen im Südwesten aus?

Die angespannte Lage auf dem Kraftstoffmarkt hinterlässt am Flughafen Stuttgart bereits Spuren im Flugplan. Die Lufthansa-Tochter CityLine hat ihren Betrieb dort am 18. April 2026 vorzeitig eingestellt - nach Konzernangaben auch in Reaktion auf die gestiegenen Kerosinkosten und die unsichere Versorgungslage.

Für Reisende aus Baden-Württemberg bedeutet das einerseits, dass Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München wegfallen - und es zeigt andererseits, wie sich das Thema konkret auswirkt.

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Durch den Iran-Krieg und seine Folgen - zum Beispiel gesperrte Lufträume im Nahen Osten und der Golfregion sowie wegbrechende Flüge der Golf-Airlines - sind insbesondere Fernreisen und Reisepläne aber ohnehin seit Wochen beeinträchtigt.

Der Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz spürt bislang laut eigener Aussage noch keine Auswirkungen: "Aktuell gibt es am TRIWO Hahn Airport keine operativen Einschränkungen. Aussagen zur weiteren Entwicklung wären zum jetzigen Zeitpunkt spekulativ", heißt es von CEO Rüdiger Franke.

Kann die Airline den Preis nachträglich erhöhen, wenn der Flug schon gebucht ist?

Grundsätzlich ist das möglich, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Die Fluggesellschaft muss in den Allgemeinen Beförderungsbedingungen eine wirksame Preisanpassungsklausel vereinbart haben. Die Hürden dafür seien aber extrem hoch, erklärt Iwona Husemann, Expertin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale NRW. Unter anderem müsse genau geregelt sein, unter welchen Umständen die Preise verändert werden können und wie stark der Preis nachträglich schwanken darf. Außerdem müsste die Klausel auch Preissenkungen vorsehen.

In der Praxis würden Preisanpassungsklauseln selten einer juristischen Prüfung standhalten, so Husemann. Wer mit Nachforderungen seitens seiner Fluggesellschaft konfrontiert ist, sollte sich juristischen Rat einholen. Allerdings können sich ausländische Airlines bei der Vertragsgestaltung auf ihr jeweiliges Landesrecht berufen. Dann ist eine juristische Prüfung in Deutschland deutlich schwieriger. 

Müssen Reisende auch damit rechnen, dass Ferienflieger im Sommer wegen Kerosinmangels nicht abheben?

Vereinzelt könnte das nach Einschätzung von Branchenkennern durchaus passieren, ein flächendeckendes Problem wird es jedoch wohl nicht werden. Denn Europa ist beim Kerosin weit weniger abhängig von den Golfstaaten als andere Regionen.

Nach Angaben der IEA werden nur etwa 30 Prozent des Kerosinbedarfs in Europa importiert. 70 Prozent werden in der EU selbst produziert, ein signifikanter Anteil davon sogar in Deutschland. Auch das für die Herstellung benötigte Rohöl stammt nur zu einem kleinen Teil aus dem Nahen Osten.

Der Mangel betrifft laut Branchenkennern wie Heinrich Großbongardt vor allem Asien. Länder wie Japan, Südkorea und Indien sind hier besonders stark auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen.

Zwar hat IEA-Chef Fatih Birol darauf hingewiesen, dass "einige" Flüge in Europa gestrichen werden könnten, sollte die Straße von Hormus erneut blockiert werden. Doch das bedeutet nicht, dass hier reihenweise Flüge ausfallen. Airlines werden vielmehr gezielt wenig ausgelastete Strecken streichen, während wichtige Verbindungen aufrechterhalten werden.

Wie ist das bei Pauschalreisen - dürfen die Veranstalter im Nachhinein noch Aufschläge verlangen?

Bei Pauschalreisen gelten klare Regeln: Veranstalter dürfen gestiegene Kosten bis 20 Tage vor Reisebeginn an die Kunden weitergeben, wenn im Vertrag eine wirksame Preisanpassungsklausel enthalten ist. Eine Erhöhung darf maximal acht Prozent des Reisepreises betragen. Ist die Erhöhung größer, können Kunden kostenlos vom Vertrag zurücktreten.

Die Erhöhung muss zudem ausführlich begründet sein und genau darlegen, welche Kosten gestiegen sind. Verbraucherschützer betonen allerdings, dass viele Preisanpassungsklauseln unwirksam sind. Auch hier empfiehlt sich eine rechtliche Prüfung, bevor man den Urlaub storniert.

Was sollten Reisende also jetzt beachten?

Die Lage bleibt angespannt, aber Panik ist aus Sicht von Experten nicht angesagt - großflächige Flugausfälle bleiben in Europa unwahrscheinlich. Dennoch sollten Reisende demnach frühzeitig buchen, um weitere Kostensteigerungen zu vermeiden, und flexible Tarife mit Umbuchungsmöglichkeiten in Betracht ziehen.

Wer unsicher ist, sollte die Entwicklungen im Nahen Osten und auf dem Kraftstoffmarkt genau beobachten, um auf kurzfristige Änderungen vorbereitet zu sein. Urlaubspläne, insbesondere bei Langstreckenflügen, könnten in diesem Sommer durchaus beeinträchtigt sein.

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Tamara Land
Tamara Land, SWR Wirtschaftsredaktion
Hanna Spanhel
Redakteurin Hanna Spanhel

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