Rund 2.000 Menschen sind in Rheinland-Pfalz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts an den Folgen der Hitze gestorben. Das hatte auch logistische Folgen, denn nach Angaben des Bestatterverbands seien Kommunen und Kliniken bei der Kühlung von Verstorbenen an ihre Grenzen gestoßen.
Der Verbandsvorsitzende Patrick Merscher berichtete von überfüllten Kühlräumen in kommunalen Einrichtungen und einzelnen Kliniken. Der Bestatter aus Mittelreidenbach (Kreis Birkenfeld) sagte, Bestatter hätten übereinstimmend von Engpässen erzählt. Teilweise habe das zu improvisierten Lösungen geführt, "die weder fachlich noch hygienisch tragbar sind".
Schwierige Situation für die Angehörigen
Nach Angaben des Verbands bedeutete die Situation für Bestatter nicht nur mehr organisatorische Arbeit, sondern auch schwierige Situationen im Umgang mit trauernden Angehörigen. Zudem sei die Überführung und Versorgung von Verstorbenen verzögert gewesen, weil notwendige Freigaben und kommunale Lagerkapazitäten nicht rechtzeitig bereitgestellt worden seien.
In einigen Fällen mussten Angehörige laut Verband länger auf die Freigabe der Verstorbenen warten. Hintergrund sei gewesen, dass eine zeitnahe Todesfeststellung nicht möglich gewesen sei.
Strukturiertes Notfallkonzept soll helfen
Der Bestatterverband RLP fordert deshalb ein strukturiertes Notfallkonzept. Darin solle geregelt werden, wie Kühlräume im Ernstfall kurzfristig erweitert werden können, wenn kommunale Leichenhallen oder Kühlräume in Krankenhäusern ausgelastet sind.
In RLP gibt es laut Merscher bereits ein Notfallteam der Bestatter, das bei größeren Lagen unterstützen kann. Zudem könne über den Bundesverband eine mobile Kühlung angefordert werden.
"Insgesamt haben die Bestatter deutlich mehr zu tun gehabt als im Vorjahr", sagte Merscher. Das betreffe nicht nur die praktische Versorgung, sondern auch die Abstimmung mit Behörden, Kliniken und anderen Beteiligten.
Dauereinsatz im Krematorium
Die höhere Belastung spürte auch das Rhein-Taunus-Krematorium in Braubach-Dachsenhausen. Nach Angaben von Juniorchefin Judith Könsgen verzeichnete das größte Krematorium in RLP in den Sommermonaten Juni und Juli rund 20 Prozent mehr Einäscherungen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Trotz der höheren Auslastung habe es dort keine Verzögerungen gegeben. "Wir arbeiten rund um die Uhr", sagte Könsgen. Wegen der hohen Belastung seien die normalerweise im Sommer geplanten Wartungsarbeiten an den acht Einäscherungsanlagen auf spätere Monate verschoben worden.