Tim hat damals nicht lange überlegt. Nach seiner Lehre zum Garten- und Landschaftsbauer war für den 21-Jährigen schnell klar: Er will zur Bundeswehr. Tim ist in einer christlichen Familie aufgewachsen. Seit anderthalb Jahren leistet Tim schon bei der Luftwaffe in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim seinen Wehrdienst. Tim ist gläubiger Christ. Soldat zu sein und Christ zu sein – für Tim geht nur beides zusammen und ist kein Widerspruch:
Für mich ist die Nächstenliebe das wichtigste Gut, das wir haben. Ich lebe die Nächstenliebe halt so aus, dass ich versuche, alle Menschen in meinem Land und auch darüber hinaus schützen zu wollen.
Beten ist für Tim wichtig
Das tägliche Gebet liefert dem jungen Soldaten Tim Antworten auf viele Fragen. Durch seinen Dienst, den er selbst bei der Bundeswehr leistet, entlaste er andere, so sagt er. Er möchte niemanden töten, doch trotz dessen sei er bereit, alles Nötige zu tun, um seine Mitmenschen zu schützen:
Ich kann das deswegen mit meinem Gewissen vereinbaren, weil ich weiß, dass den Dienst dann andere nicht machen müssen und ich vielleicht auch die Last für andere auf mich nehme.
Bis 2035 sollen 80.000 Soldatinnen und Soldaten mehr als bisher bei der Bundeswehr dienen, um verteidigungsfähig zu werden. Laut einer Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums wurden bislang fast 150.000 Fragebögen zur Wehrerfassung verschickt.
Zum jetzigen Zeitpunkt könne allerdings noch keine belastbare Aussage zu den Rückmeldungen gemacht werden. Wie viele sich bisher also freiwillig gemeldet haben, ist noch unklar.
Beim Wehrdienst gehen die Meinungen weit auseinander
Für den 18 Jahre alten Leo aus Koblenz hingegen ist ein Leben als Soldat völlig undenkbar. Ihn ärgert vor allem auch, dass seine Generation nicht an der Einführung des "Freiwilligen Wehrdienst" beteiligt wurde.
Sie hat noch bei keiner Bundestagswahl mitgewählt, bei Landtagswahlen dürfen sie nicht wählen. Ich halte es für sehr fragwürdig, dass die Generation, die von der Entscheidung betroffen ist, überhaupt nicht gefragt wird.
Die Bundeswehr zu modernisieren, hielt er zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine für richtig, auch dass man sich auf die Gefahr eines Krieges vorbereiten müsse. Doch Leos Bedenken wurden größer, er fragt sich heute "Wo führt das denn hin?".
Wovor Leo Angst hat, was andere junge Betroffene über den neuen Wehrdienst denken, warum selbst die Kirchen um eine Haltung ringen und der Germersheimer Kompanie-Chef
Felix sich mehr Verständnis wünscht, könnt ihr in dem Film "Kirche, Krieg und mein Gewissen" aus der Reihe Echtes Leben hier und in der ARD Mediathek sehen.