Angriff auf das historische Gedächtnis

KI-gefälschte Fotos und Videos zum Holocaust in sozialen Netzwerken

Täuschend realistisch, aber manipuliert - KI-erzeugte Bilder zum Nationalsozialismus tauchen immer wieder in den sozialen Netzwerken auf und verfälschen die Geschichte. Gedenkstätten wehren sich.

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Diese frei erfundenen Inhalte mit Bezug zum Nationalsozialismus (auch als AI-Slop bezeichnet) zeigen vermeintliche Situationen in nationalsozialistischen Lagern oder bei deren Befreiung. Sie zeichnen ein verzerrtes und falsches Bild aus Versatzstücken historischer Fakten und emotionalisierter Fiktion.

Fälschung: KI-generiertes Foto zum Holocaust
Dieses Foto wurde mittels KI generiert und ist gefälscht. Solche Falschdarstellungen zur NS-Zeit fluten derzeit die sozialen Medien.

Fälschungen durch KI entwerten Arbeit der Gedenkstätten

Das Problem: Diese verfälschten Bilder und Videos generieren viele Klicks auf Social Media. Die Gedenkstätten wehren sich in einem offenen Brief und warnen: Durch KI-verfälschte Inhalte werde nicht nur Geschichte verzerrt. Jede dieser Falschdarstellungen entwerte die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven und Forschungseinrichtungen und kratze massiv an ihrer Glaubwürdigkeit.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Echte Dokumente zum Holocaust könnten in Frage gestellt werden

Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz schließt sich diesem offenen Brief an. Durch die Flut an historisch falschen und KI‑generierten Inhalten veränderten sich die Sehgewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer. Das Risiko wachse, dass selbst echte historische Dokumente und Fotos plötzlich in Frage gestellt werden.

Verharmlosung und Verzerrung historischer Ereignisse

Gleichzeitig werden historische Ereignisse dadurch verharmlost. Sogenannte Point‑of‑View‑Videos, die angeblich einen "typischen Tag im KZ Auschwitz" zeigen, seien nicht nur oft faktisch falsch, sondern verletzten auch das Prinzip eines würdevollen Gedenkens an die Opfer der NS‑Diktatur.Aufnahmen aus der Ego-Perspektive, die dem Zuschauer das Gefühl geben, die Welt direkt durch die Augen des Filmemachers zu sehen.

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Besonders problematisch: Einige Produzenten solcher AI‑Slops verdienen den Angaben zufolge damit Geld - sie profitieren also direkt von der Verzerrung des Gedenkens an die Verfolgten.

Die Social Media Accounts der Gedenkstätte KZ Osthofen, der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert und des Lernorts Gestapo Neustadt in Rheinland-Pfalz hatten bisher noch keinen direkten Kontakt mit KI-Slops. Allerdings wird die indirekte Gefahr der Manipulation als hoch eingeschätzt.

Gedenkstätte Auschwitz: Demütigung der echten Opfer

Die Gedenkstätte Auschwitz warnt davor, dass Täter und Opferrollen verschwimmen könnten. Die Falschdarstellungen seien respektlos gegenüber dem Andenken an diejenigen, die in Auschwitz gelitten haben und ermordet wurden.

So können Originale von Fälschungen unterschieden werden

Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz informiert und warnt zugleich: Von den nationalsozialistischen Konzentrationslagern gebe es nur sehr wenige Originalfotos.

Ihre Nutzung sei zudem urheberrechtlich streng geregelt. Viele gefälschte Bilder ließen sich daran erkennen, dass sie technisch zu perfekt wirkten, um tatsächlich aus dieser Zeit zu stammen.

Laien sollten bei Bildern mit unklarer Herkunft besonders auf drei Dinge achten:

  • Gesunde Skepsis

Wirkt ein Bild außergewöhnlich schön, extrem schockierend oder sehr skurril, sollte man kurz innehalten und es kritisch hinterfragen.

  • Plausibilität prüfen

Ist es realistisch, dass die dargestellte Szene so stattgefunden hat? Gibt es andere, unabhängige Quellen, die das Bild oder den Inhalt bestätigen?

  • Technische Hilfsmittel nutzen

Schon eine einfache Bilderrückwärtssuche - zum Beispiel mit Google Lens, RevEye, Yandex oder TinEye - helfe in vielen Fällen weiter. Für Videos gebe es spezielle Browser-Erweiterungen oder Plattformen wie InVID.

"Wenn man sich über den Holocaust über Social Media oder das WWW informieren möchte, dann immer am besten über Homepages und Accounts von Gedenkstätten, anerkannten Stiftungen, Initiativen o.Ä. oder eben solchen Accounts wie @keine.erinnerungskultur, in deren Videos auch immer wieder gezeigt wird, welche Quellen verwendet werden, um an die dargestellten Informationen zu kommen", so die Landeszentrale.

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SWR

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