Kleines Dorf, große Aufmerksamkeit

AfD-Anlaufstelle in Donnersbergkreis: So geht es den Menschen in Gauersheim damit

Ein kleines Dorf im Donnersbergkreis steht im Mittelpunkt: Die AfD eröffnete vor wenigen Wochen in Gauersheim eine neue Anlaufstelle. Was macht das jetzt mit dem Zusammenleben? Ein Besuch.

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Das ehemalige Gästehaus in der Hauptstraße von Gauersheim wirkt auf den ersten Blick wenig aufregend. Die gelbe Farbe der Fassade ist verblasst, die alten Rolläden sind halb heruntergelassen und die Kreide auf der Tafel vor dem Haus hat der Regen abgewaschen. Hinter der ruhigen Außenfront verbirgt sich seit einigen Wochen ein Treffpunkt, der im Ort für Gesprächsstoff sorgt: Eine neue Anlaufstelle der AfD, "Treffpunkt Nordpfalz" genannt.

Das politische Ziel der AfD in Gauersheim

Ein "Anlaufpunkt in der Nordpfalz für Patrioten, Konservative, Selbstdenker und all jene, die ihre Heimat lieben und Gemeinschaft leben", wie der AfD-Bundestagsabgeordneter für die Westpfalz Sebastian Münzenmaier auf Anfrage mitteilt. Zuletzt haben sich dort die EU-Abgeordneten Tomasz Froehlich und Dr. Alexander Sell von der AfD für einen "Bericht aus Brüssel" eingefunden. In Gauersheim hatte die AfD bei der vergangenen Bundestagswahl knapp 35 Prozent der Stimmen geholt. Deshalb will die Partei laut Münzenmaier dort ihre Präsenz stärken und Anlaufstellen im Donnersbergkreis und im gesamten Wahlkreis Kaiserslautern etablieren.

Im kleinen Dorf Gauersheim mit rund 650 Einwohnern wird diese neue Präsenz mit gemischten Gefühlen aufgenommen. "Mir steht es nicht zu, mir auszusuchen, wer welches Haus wo mietet", sagt ein Mann vor seinem Haus in einem der Wohngebiete. Er sehe die AfD kritisch, sie sei aber zur Wahl zugelassen. Der Mann fragt, wo man sonst die Grenze setzen will? "Heute ist es die AfD, in ein paar Tagen ist es die CDU und dann kommen andere Parteien dran." Er sehe die Sache trotz kritischer Stimmen aus dem Ort gelassen.

Ein paar Häuser weiter hingegen hat seine Nachbarin bislang nichts vom neuen "Treffpunkt Nordpfalz" mitbekommen. "Man muss sich das anschauen, um sich dann eine Meinung bilden zu können", sagt sie. Spaziergänger im Ort haben aber bereits davon gehört, verstünden sich jedoch mit allen gut und wollen sich raus halten, nichts damit zu tun haben. Am Gemeinschaftsgefühl im Ort ändere das nichts. Eine Mutter gibt an, nur aus der Presse etwas von der Anlaufstelle mitbekommen zu haben.

Spaltet der "Treffpunkt Nordpfalz" Gauersheim?

Dass Veranstaltungen im "Treffpunkt Nordpfalz" im Ort nicht immer groß auffallen, sagen auch viele Gauersheimer, die sich klar gegen die Anlaufstelle positionieren. Trotzdem mache es Angst, das Zentrum jetzt im Ort zu haben und sie sorgen sich, dass "es weitere Kreise schlägt und es immer mehr werden." Manche möchten aktiv werden und sich mit Aktionsbündnissen gegen Rechts vernetzen. Ein junger Mann möchte sich am Ende nicht dafür schämen müssen, aus Gauersheim zu kommen. "Es reist hier die pfälzische Parteiprominenz an, es reist der Chef von der EU-Parlamentsfraktion (der AfD, Anm. der Redaktion) an, die sie gegründet haben, da macht man sich Sorgen", sagt er. "Man will nicht, dass der eigene Ort so negativ belastet ist."

Zudem sei viel Misstrauen jetzt im Ort, sagen einige. "Niemand weiß, wer dafür und wer dagegen ist." Das verunsichere im Umgang miteinander. Eine Spaltung, die auch der Ortsbürgermeister Reiner Schlesser (parteilos) spürt. Sein Ansatz ist es jedoch, die AfD in der ehemaligen Gästehaus zu ignorieren und keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu schenken. Er versuche zum Beispiel, über Parkplatzregelungen den Treffpunkt im Zaum zu halten. Dass die AfD in Gauersheim etwas für die Menschen vor Ort mache, glaubt er nicht.

Steht der Treffpunkt im Kontext mit dem "Zentrum Rheinhessen"?

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Rheinland-Pfalz Regionalstelle Mitte sagt auf Anfrage des SWR, dass sich bei Ihnen bereits Menschen aus dem Landkreis bezüglich der AfD-Anlaufstelle in Gauersheim gemeldet haben. Deren Einschätzung nach will die AfD mit dem "Treffpunkt Nordpfalz" einen Ort zur überregionalen Vernetzung schaffen, der an das bereits bekannte "Zentrum Rheinhessen" anknüpft.

Auch dort habe die AfD nach außen einen seriösen Charakter gewahrt, während sich im Inneren Bundespolitiker, aber auch Vertreter der extremen Rechten getroffen haben. Nach Einschätzung der Beratungsstelle ist der Treffpunkt Teil einer überregionalen Strategie, die die AfD im Westen stärken soll. Dafür habe die AfD bewusst diesen Wahlkreis ins Visier genommen, da die Partei dort ein überdurchschnittlich gutes Wahlergebnis bei der vergangenen Bundestagswahl erzielte.

AfD: Engagement für die Dorfgemeinschaft in Gauersheim?

Der AfD- Bundestagsabgeordnete betont, dass es beim "Treffpunkt Nordpfalz" nicht nur um Parteiarbeit der lokalen Abgeordneten gehe, sondern um Gemeinschaft, Beisammensein und Vernetzung. Der Treffpunkt sei Anlaufstelle für die Bürger vor Ort und solle mit kulturellen Veranstaltungen und Festen einen lebendigen Kontrapunkt in Zeiten setzen, "in denen immer mehr Kneipen, Dorfdiscos und Jugendclubs zumachen müssen".

Gegenüber des Dorfgemeinschaftshauses verstehen einige Gauersheimer deshalb die Aufregung um den "Treffpunkt Nordpfalz" nicht. "Jede Partei, die zugelassen ist, darf sich präsentieren und organisieren", sagt ein Mann unter einem Hofbogen. "Das ist ein Merkmal der üblichen Demokratien." Andere Männer pflichten ihm später bei. Einer erzählt, er habe auch Posts der AfD bereits auf Facebook geteilt. "Ich finde nicht, dass die Krawall machen oder sonst was, da gehen ja auch alle Sorten von Menschen hin." Er vermute nur, dass der Bürgermeister nun nicht mehr gut auf ihn zu sprechen sei.

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