Waschen, schneiden, färben, föhnen. Das steht heute für Nina Schneider auf dem Programm, als sie den Friseursalon in Glan-Münchweiler, einer kleinen Ortsgemeinde im Landkreis Kusel, betritt. Sie geht seit mehreren Jahren in den Salon, weil sie sich dort wohlfühlt. Seit Anfang des Jahres gibt es aber noch einen weiteren guten Grund für sie, genau in diesen Salon zu kommen: Ihr Friseurbesuch ist dort günstiger geworden.
Frauen und Männer mit kurzen Haaren zahlen denselben Preis
Der Grund dafür ist ihre Haarlänge. Und die neue Inhaberin: Maren Sigmund. Sie hat den Laden Anfang des Jahres von ihrer Mutter übernommen und eine Entscheidung gefällt: Der Haarschnitt soll für Frauen dasselbe kosten wie für Männer. Statt zwischen Frauen- und Männer-Haarschnitten zu unterscheiden, berechnet Sigmund ihre Preise neuerdings je nach Haarlänge. Das Prinzip: Je länger, desto teurer.
"Der Vorteil ist, dass Frauen mit einem Kurzhaarschnitt genauso viel zahlen wie Männer mit kurzem Haar", erklärt die Inhaberin Sigmund. "Das ist der gleiche Aufwand und dann ist es nur fair, dass sie auch das Gleiche zahlen." Vor der Umstellung hat eine Frau mit kurzen Haaren in dem familiengeführten Friseursalon ungefähr 60 Euro für ihren Schnitt gezahlt. Jetzt sind es nur noch 37 Euro – für dieselbe Leistung.
Gleichberechtigung soll auch beim Haarschnitt gelten
Die Kundin Nina Schneider trägt mittellanges Haar. Für ihren Friseurbesuch zahlt sie inzwischen rund 20 Euro weniger als noch vor der Preisumstellung. "Ich finde das fair", sagt Schneider. "Weil auch in diesem Bereich wollen wir die Gleichberechtigung erreichen."
"Ein Friseurbesuch gibt einem auch Selbstbewusstsein zurück. Deshalb sollte die Arbeit auch entsprechend bezahlt und geschätzt werden."
Inhaberin Maren Sigmund sieht das ähnlich. Früher habe sie ihren Kunden oft die Preise erklären müssen. Sie wollte mehr Transparenz schaffen. Und Gleichberechtigung in einer Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass auch Männer lange Haare und Frauen kurze Haare haben. "Ich denke einfach, dass man mit der Zeit gehen muss", sagt die 30-Jährige. "Man muss sich als Betrieb immer weiterentwickeln, um bestehen bleiben zu können."
An dem Konzept habe es auch Kritik gegeben, berichtet Sigmund. "Das ist aber immer der Fall, wenn man etwas verändert." Kommen jetzt deutlich mehr Frauen und die Männer bleiben weg? Das kann Inhaberin Maren Sigmund nicht bestätigen. Sie setze zusätzlich auf ein hochwertiges Handwerk. Das schätzten auch ihre Kundinnen und Kunden, sagt sie. "Ein Friseurbesuch gibt einem auch Selbstbewusstsein zurück. Deshalb sollte die Arbeit auch entsprechende bezahlt und geschätzt werden."
Männer zahlen für ihren Haarschnitt jetzt mehr
Auch einer ihrer Stammkunden betritt an diesem Tag den Laden – obwohl er seit der genderneutralen Preisliste mehr für seinen Haarschnitt zahlt. Er trägt kurzes schwarzes Haar. Für ihn lautet das Programm wie immer: Waschen, schneiden, föhnen. Dafür zahlt er jetzt 37 Euro – acht Euro mehr als noch Ende des Jahres. "Es sind ein paar Euro mehr, aber das ist nicht schlimm. Gute Arbeit soll ja auch gut bezahlt werden."
Inzwischen gewinnt Maren Sigmund offenbar schon neue Kundinnen und Kunden, die sich gerade wegen der gendergerechten Preise für ihren Laden interessieren. Zuletzt meldete sich zum Beispiel ein älteres Ehepaar, berichtet sie. Beide hätten kurze Haare. Für ihren Friseurbesuch zahlen sie nun dasselbe.