Eine kurvige Straße führt durch den Pfälzerwald Richtung Hirschthal. Unterwegs begegnen einem Radfahrer, Wanderer, Motorräder. Die Region im Wasgau gilt als beliebtes Ausflugsziel. Hirschthal selbst ist ein beschauliches Dorf von rund 80 Einwohnerinnen und Einwohnern. In der Mitte fließt ein Bach, die Häuser sehen alt aber gut in Schuss aus. Es gibt einen Dorfplatz, eine Bushaltestelle, einen Boule-Platz.
Ich bin hier, um der Frage auf den Grund zu gehen: Wie geht es den Menschen, die hier leben? Laut einer Studie ist die kleine Gemeinde im Pfälzerwald im bundesweiten Vergleich auf dem letzten Platz gelandet, was die Versorgung mit dem Nötigsten angeht. Ist das Leben hier also hart und beschwerlich?
Statt Bus und Bahn zählen in Hirschthal Haus und Garten
"Mir fehlt hier nichts", erklärt mir eine Frau. Ich treffe sie vor ihrem Gartentor. Sie lebe seit 27 Jahren in Hirschthal, erklärt die 58-Jährige. Damals habe sie ein Haus gesucht und in Hirschthal gefunden. "Wir haben einen schönen Garten. Hier habe ich meine Ruhe." Ohne Auto gehe allerdings nichts, den ÖPNV nutze sie nicht. "Es gibt einen Bus, aber dann ist man erstmal den halben Tag unterwegs."
Man kann hier eigentlich nicht aufs Auto verzichten
Die Wege im Ort sind dafür kurz. Nur ein paar Hundert Meter weiter klingele ich am Haus von Ortsbürgermeister Uwe Großmann. Er begrüßt mich strahlend und bittet mich kurzerhand hinein. "Ich wohne hier gerne, klar", erklärt Großmann. Dennoch gebe es auch einige Probleme in Hirschthal. "Ganz klar die ärztliche Versorgung", sagt er. Wenn er zum Hausarzt wolle, müsse er 40 Minuten fahren. Außerdem: "Der Nahverkehr. Man kann hier eigentlich nicht aufs Auto verzichten." Die Wege zu Kitas und Schulen gingen oftmals nur per "Eltern-Taxi". "Wenn ich kleine Kinder hätte, würde ich vielleicht nicht nach Hirschthal ziehen."
Bürger genießen die Ruhe in Hirschthal
Ein paar Häuser weiter wohnt Jenny Zeiler. Bis vor Kurzem sei ihr Sohn der jüngste Bürger Hirschthals gewesen. Er sei 16 Jahre alt. "Man gewöhnt sich an die langen Wege", sagt die 39-Jährige. Das Ranking sieht sie allgemein eher kritisch. "Ich finde die Parameter schwierig, an denen das gemessen wird. Es kommt darauf an, wie man seine Freizeit gestalten möchte", so Zeiler. Es gebe Badeseen in der Nähe, man könne wandern oder mit dem Pferd ausreiten. "Wenn ich Leute treffen möchte oder in ein Museum gehen möchte, dann kann ich das machen. Aber die Ruhe habe ich immer."
Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft RLP-Kommunen bei Versorgung mit Schulen und Krankenhäusern weit hinten
Wie gut lässt es sich in rheinland-pfälzischen Kommunen leben? Ist dort ausreichend für Schulen, Mobilität oder Internet gesorgt? Laut einer neuen Studie nur sehr schlecht.
Ich laufe noch einmal bis zum Ortsausgang. In einer Einfahrt sitzt ein älterer Herr auf einem Stuhl und schläft. Wenn nicht gerade ein Auto vorbeifährt, hört man außer Vogelgezwitscher und dem leisen Rauschen eines Bachs kein Geräusch.