"Mir fehlt hier nichts"

Schlechte Grundversorgung: Hirschthal in der Pfalz landet bundesweit auf dem letzten Platz

Ärzte, Schulen, Internet - laut einer Studie ist Hirschthal in der Südwestpfalz damit nicht gut versorgt. Ein Besuch vor Ort.

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Von Autor/in Friederike Pick

Eine kurvige Straße führt durch den Pfälzerwald Richtung Hirschthal. Unterwegs begegnen einem Radfahrer, Wanderer, Motorräder. Die Region im Wasgau gilt als beliebtes Ausflugsziel. Hirschthal selbst ist ein beschauliches Dorf von rund 80 Einwohnerinnen und Einwohnern. In der Mitte fließt ein Bach, die Häuser sehen alt aber gut in Schuss aus. Es gibt einen Dorfplatz, eine Bushaltestelle, einen Boule-Platz.

Hirschthal liegt im südlichen Pfälzerwald, kurz vor der französischen Grenze.
Hirschthal liegt im südlichen Pfälzerwald, kurz vor der französischen Grenze.

Ich bin hier, um der Frage auf den Grund zu gehen: Wie geht es den Menschen, die hier leben? Laut einer Studie ist die kleine Gemeinde im Pfälzerwald im bundesweiten Vergleich auf dem letzten Platz gelandet, was die Versorgung mit dem Nötigsten angeht. Ist das Leben hier also hart und beschwerlich?

Statt Bus und Bahn zählen in Hirschthal Haus und Garten

"Mir fehlt hier nichts", erklärt mir eine Frau. Ich treffe sie vor ihrem Gartentor. Sie lebe seit 27 Jahren in Hirschthal, erklärt die 58-Jährige. Damals habe sie ein Haus gesucht und in Hirschthal gefunden. "Wir haben einen schönen Garten. Hier habe ich meine Ruhe." Ohne Auto gehe allerdings nichts, den ÖPNV nutze sie nicht. "Es gibt einen Bus, aber dann ist man erstmal den halben Tag unterwegs."

Hirschthal liegt im südlichen Pfälzerwald, kurz vor der französischen Grenze.
In Hirschthal gibt es eine Bushaltestelle. Der letzte Bus fährt um 16.31 Uhr.

Man kann hier eigentlich nicht aufs Auto verzichten

Die Wege im Ort sind dafür kurz. Nur ein paar Hundert Meter weiter klingele ich am Haus von Ortsbürgermeister Uwe Großmann. Er begrüßt mich strahlend und bittet mich kurzerhand hinein. "Ich wohne hier gerne, klar", erklärt Großmann. Dennoch gebe es auch einige Probleme in Hirschthal. "Ganz klar die ärztliche Versorgung", sagt er. Wenn er zum Hausarzt wolle, müsse er 40 Minuten fahren. Außerdem: "Der Nahverkehr. Man kann hier eigentlich nicht aufs Auto verzichten." Die Wege zu Kitas und Schulen gingen oftmals nur per "Eltern-Taxi". "Wenn ich kleine Kinder hätte, würde ich vielleicht nicht nach Hirschthal ziehen."

Hirschthal liegt im südlichen Pfälzerwald, kurz vor der französischen Grenze.
Uwe Großmann ist Ortsbürgermeister in Hirschthal.

Bürger genießen die Ruhe in Hirschthal

Ein paar Häuser weiter wohnt Jenny Zeiler. Bis vor Kurzem sei ihr Sohn der jüngste Bürger Hirschthals gewesen. Er sei 16 Jahre alt. "Man gewöhnt sich an die langen Wege", sagt die 39-Jährige. Das Ranking sieht sie allgemein eher kritisch. "Ich finde die Parameter schwierig, an denen das gemessen wird. Es kommt darauf an, wie man seine Freizeit gestalten möchte", so Zeiler. Es gebe Badeseen in der Nähe, man könne wandern oder mit dem Pferd ausreiten. "Wenn ich Leute treffen möchte oder in ein Museum gehen möchte, dann kann ich das machen. Aber die Ruhe habe ich immer."

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Ich laufe noch einmal bis zum Ortsausgang. In einer Einfahrt sitzt ein älterer Herr auf einem Stuhl und schläft. Wenn nicht gerade ein Auto vorbeifährt, hört man außer Vogelgezwitscher und dem leisen Rauschen eines Bachs kein Geräusch.

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