"Das war für uns der totale Game Changer", erzählt Hausärztin Dr. Verena Gall aus Mommenheim in Rheinhessen. Ihre Praxis ist eine der sieben ausgewählten Praxen, die das Pilotprojekt "HÄPPI" in den vergangenen sechs Monaten getestet haben. "HÄPPI" steht für "Hausärztliches Primärversorgungszentrum, Patientenversorgung Interprofessionell". Gall ist nach der Testphase begeistert: "Es hat unsere Praxis wirklich so zum Positiven verändert und für so viel Zufriedenheit im Team und auch bei mir gesorgt."
Medizinisches Fachpersonal nimmt Ärzten Aufgaben ab
Das Ziel von "HÄPPI": mehr Zeit für Patientinnen und Patienten schaffen, indem die Aufgaben im Team neu verteilt werden. Medizinisches Fachpersonal bildet sich etwa weiter, um den Ärztinnen und Ärzten Arbeit abzunehmen, zum Beispiel die Betreuung einer Infektsprechstunde oder die Kontrolluntersuchungen chronisch Kranker.
Das sei eine große Entlastung, berichtet Gall. Sie könne sich auf ihre gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen "total verlassen". Und auch für die Patientinnen und Patienten sei es kein Problem, nicht immer die Ärztin direkt zu sprechen, im Gegenteil.
Dem medizinischen Fachpersonal erzählten die Patienten auch mal mehr als ihr, sagt sie. "Und so kriege ich häufig einen viel umfassenderen Blick auf meine Patientinnen und Patienten, als ich das alleine in der Sprechstunde bekomme."
Erfahrungen von Dr. Verena Gall über das Pilotprojekt Projekt HÄPPI für Hausärzte auf dem Land: Sprechstundenhilfen können mehr
Die Hausarztversorgung auf dem Land in Rheinland-Pfalz wird immer mehr zu einem Problem. Eine Hausärztin aus Mommenheim geht mit dem Pilotprojekt HÄPPI neue Wege.
Hilfe in der Arztpraxis durch KI
Auch digitale Anwendungen sollen im Rahmen von "HÄPPI" helfen, den Praxisalltag umzustrukturieren: Videosprechstunden, Termine online vergeben, eine KI als Telefonassistenz. Der digitale Telefonassistent sei am Anfang eine Umstellung für die Patienten gewesen, mittlerweile laufe es aber sehr gut.
Überraschenderweise seien am Anfang vor allem die alten Patienten sehr gut mit der KI am Telefon zurechtgekommen, weil sie "sehr langsam spricht, sehr höflich und geduldig ist und ihnen viel Zeit lässt."
Die Bilanz nach sechs Monaten: Mehr Patienten, zufriedenes Team
Fünf von sieben Praxen haben während der Pilotphase mehr Patienten behandelt als zuvor. Das zeigt eine wissenschaftliche Auswertung der Uni-Kliniken Mainz und Heidelberg. Demnach haben vor allem neue Teamstrukturen und digitale Tools wie die KI-Telefonassistenz geholfen, die Arbeit besser zu verteilen.
Dass das Konzept nachhaltig wirkt, belegt laut Auswertung auch die hohe Patientenzufriedenheit. Sechs der sieben Praxen nutzen den KI-Assistenten zudem nach Projektende auf eigene Kosten weiter. Damit "HÄPPI" künftig in mehr Praxen in RLP Einzug hält, soll der Hausärzteverband nun einen Leitfaden erarbeiten.
Gesundheitsminister hofft auf Bundesgesetzgebung
Mit insgesamt bis zu 280.000 Euro wurde "HÄPPI" mit Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz und durch die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland gefördert. Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) betonte, dass das Konzept gerade in einem Flächenland wie RLP wichtig sei und dass es auch in kleineren Praxen funktionieren müsse. Er setzt nun auf die Bundesgesetzgebung, um Ansätze wie "HÄPPI" dauerhaft in die Regelversorgung zu überführen.
Hausärztin Gall aus Mommenheim ist auf jeden Fall happy mit "HÄPPI". Sie wird das Projekt in ihrer Praxis in Zukunft weiter vorantreiben.