Im Zuge der Krankenhausreform sollen sieben der rund 80 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz zu sogenannten Regiokliniken werden. Diese haben weniger Betten und Abteilungen sowie grundsätzlich keine klassische Notaufnahme. Vorgesehen sind sie vor allem für ambulante und kleinere stationäre Behandlungen sowie Alltagsnotfälle. Kein Krankenhaus in der Westpfalz gehört zu den sieben Standorten, die zu Regiokliniken werden sollen. Dennoch wird es wegen der Krankenhausreform in der Westpfalz Anpassungen geben.
Denn nach den Plänen für die Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz sollen künftig nicht mehr alle Kliniken sämtliche Operationen und Behandlungen anbieten. Ab Januar 2027 bezahlen die Krankenkassen in der Regel nur noch Leistungen, die das Land dem jeweiligen Krankenhaus zugewiesen hat. In den Kliniken in der Westpfalz werden daher einzelne Leistungen wegfallen.
- Städtisches Krankenhaus Pirmasens
- Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, Kusel und Donnersbergkreis
- Nardini Klinikum Landstuhl und Zweibrücken
Bundesweite Krankenhausreform wird konkret Diese sieben Kliniken werden zu Regiokliniken in Rheinland-Pfalz
Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) hat am Dienstag die neuen Standorte für die sogenannten Regiokliniken vorgestellt. Nach eigenen Angaben ist Rheinland-Pfalz das erste Land, das die bundesweite Reform so konkret umsetzt.
Die Realität ist, dass die Spezialisierung dazu führen wird, dass ein Patient aus Dahn auch mal in Kaiserslautern, Mainz oder Ludwigshafen versorgt werden muss.
Krankenhaus in Pirmasens bleibt klassisches Krankenhaus
Das Städtische Krankenhaus Pirmasens wird nicht zu einer Regioklinik umgewandelt. Es wird ein klassisches Krankenhaus bleiben. Eine Überraschung sei die Entscheidung allerdings nicht, sagte Christian Koob dem SWR. Er ist Geschäftsführer des Pirmasenser Krankenhauses. Das Krankenhaus habe zwei Jahre Zeit gehabt, sich auf die Reform vorzubereiten.
Nur wenige Operationen fallen in Pirmasens weg
Einige wenige Leistungen, die bislang angeboten wurden, soll das Krankenhaus künftig nicht mehr übernehmen. Dazu gehören nach Angaben des Geschäftsführers Eingriffe an Leber und Bauchspeicheldrüse sowie erneute Operationen an Knie und Hüfte.
Dabei handele es sich allerdings nicht um Kernbereiche des Krankenhauses. "Die Kernbereiche des Krankenhauses sind zugewiesen. Somit haben wir für die Zukunft eine gewisse Planungssicherheit", sagte Koob. Die Klinik könne sich dadurch in ihren Kernkompetenzen weiter verbessern und stärken.
Spezialisierung kann sinnvoll sein
Grundsätzlich hält Koob die mit der Reform angestrebte Spezialisierung der Krankenhäuser für richtig. Eine Klinik, die einen bestimmten Eingriff 200-mal im Jahr durchführe, habe darin eine andere Routine als ein Haus, das denselben Eingriff lediglich zehnmal vornehme.
Wege in der Westpfalz könnten länger werden
Für Patientinnen und Patienten aus der Westpfalz kann das allerdings bedeuten, dass sie für bestimmte planbare Eingriffe künftig weitere Wege zurücklegen müssen. Die Grund- und Regelversorgung soll nach Angaben des Pirmasenser Krankenhausgeschäftsführers aber weiterhin vor Ort sichergestellt sein. Auch medizinische Notfälle müssten unabhängig von den zugewiesenen Leistungsgruppen immer erstversorgt werden, so Geschäftsführer Koob. "Die Realität ist, dass die Spezialisierung dazu führen wird, dass ein Patient aus Dahn auch mal in Kaiserslautern, Mainz oder Ludwigshafen versorgt werden muss."
Kliniken arbeiten zusammen
Für Eingriffe, die zum Beispiel in Pirmasens wegfallen, soll es Partnerkliniken in der Region geben. Nach Einschätzung von Koob werde die Versorgung deshalb künftig stärker in Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern organisiert. Die Kliniken in der Westpfalz hätten sich bereits im Vorfeld ausgetauscht und verschiedene Szenarien durchgespielt.
Westpfalz-Klinikum bleibt Maximalversorger in der Westpfalz
Auch das Westpfalz-Klinikum mit den Standorten in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen muss sich infolge der Reform nur von wenigen Leistungen verabschieden. Zum Beispiel seien urologische Behandlungen in Kusel und die Transplantationen der Bauchspeicheldrüse in Kaiserslautern gestrichen worden. "Das Westpfalz-Klinikum bleibt ein starker Maximalversorger in der Region", teilte das Klinikum mit.
Das Klinikum befindet sich bereits seit mehreren Jahren im Prozess der Umstrukturierung. Unter anderem soll im kommenden Jahr der Standort in Rockenhausen schließen und nach Kirchheimbolanden umziehen. Laut Klinikum ließen sich diese Maßnahmen gut mit der Reform der Bundesregierung vereinen: "Damit hat das Klinikum gute Vorarbeit geleistet, was sich jetzt auszahlt."
Nardini Klinikum will weiter Verbundmodell mit zwei Standorten bleiben
Das Nardini Klinikum mit Standorten in Zweibrücken und Landstuhl wird ebenfalls nicht in eine Regioklinik umgewandelt. Unklar ist im Moment noch, ob sich künftig bei den Leistungen oder an anderer Stelle etwas ändern wird, so das Klinikum. Seit Jahren ist das Nardini Klinikum ein Verbundmodell mit zwei Standorten – die liegen rund 23 Kilometer auseinander. Das Land habe dieses Modell in der Vergangenheit weitestgehend berücksichtigt, heißt es. Ob es mit Blick auf die Krankenhausreform bei dem jetzigen Modell bleiben kann, sei noch nicht sicher.
Denn mit den Standorten in Zweibrücken und Landstuhl passt das Nardini Klinikum nicht in die neue 2‑Kilometer-Regel der Krankenhausreform. Die Regel besagt, dass Krankenhausgebäude, die weiter als zwei Kilometer auseinanderliegen, nicht mehr als ein Standort gelten können. Laut Klinikum sichert dieses Modell die Versorgung in der Westpfalz. Und als gemeinnütziger Träger müsse nicht auf Steuermittel zurückgegriffen werden. Um die Struktur zu erhalten, hat das Klinikum nach eigenen Angaben einen Ausnahmeantrag gestellt. Das Ziel: Der Verbund soll weiter als "ein Krankenhaus mit zwei Betriebsstätten" gelten.