Urteilsverkündung nach sieben Prozesstagen

Zugbegleiter: Prozess endet mit zehn Jahren Haft, Familie will vor Bundesgerichtshof ziehen, Mahnmal für Serkan Çalar

Der Zugbegleiter Serkan Çalar wird vergangenen Februar in einem Zug bei Landstuhl im Kreis Kaiserslautern mit Schlägen lebensgefährlich verletzt. Zwei Tage später stirbt er im Krankenhaus. Die Infos zum Prozess in Zweibrücken und alles, was darüber hinaus passiert, lesen Sie hier im Blog.

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Stand

SEK-Ausbildungsleiter wird sich Video anschauen und bewerten

Der Staatsanwalt hat mitgeteilt, dass ein Ausbildungsleiter des SEK gefunden wurde, der sich die Videos der Tat anschauen und bewerten wird. Dabei geht es um die Frage, wie der Kampfexperte die Bewegungen und Schläge des Angeklagten einschätzt. Sind es "professionelle" Bewegungen, die im Kampfsport genutzt werden, oder nicht? Diese Frage ist besonders für die Einstufung der Tat und einen möglichen Vorsatz relevant.

Weitere Zeugen sollen am Nachmittag aussagen

Am Nachmittag werden weitere Zeugen gehört. Sehr ausführlich sagt ein Mitarbeiter der Bahn aus. Er saß am Tag der Tat in Zivil im Zug. Der Angeklagte soll gesagt haben: "Don’t challenge me, I’m a boxer, you will regret this." – "Fordere mich nicht heraus. Ich bin ein Boxer, du wirst es bereuen." Der Zugbegleiter sei "wahnsinnig ruhig geblieben". "Ich hatte ein ungutes Gefühl, weil er so extrem aggressiv gewirkt hat", sagt der Bahnmitarbeiter über den Angeklagten. Er habe überlegt einzugreifen, sei auch aufgestanden. "Aber es ging alles so schnell. Ich hatte Schiss." Die Diskussion habe zwischen einer und zwei Minuten gedauert, "die Schläge vielleicht zehn Sekunden". Als der Angeklagte auf den Zugbegleiter eingeschlagen habe, habe er einen Zahn wegfliegen sehen. Nach den Schlägen soll der Angeklagte gesagt haben: "told you, don’t challenge me, that’s what you deserve, fucking Germans." – "Ich habe dir gesagt, fordere mich nicht heraus. Das hast du verdient, du verdammter Deutscher." Der Bahnmitarbeiter habe versucht, dem Zugbegleiter anschließend zu helfen, habe die Hand auf seinen Brustkorb gelegt. Als er die Situation beschreibt, muss er unterbrechen. Es fällt ihm sichtlich schwer. "Es hat für mich schlimm ausgesehen. Ich habe für mich auch alleine geweint. Es tut mir wahnsinnig leid", sagt der Bahnmitarbeiter auch zur Familie. Er habe sich gefragt, ob er noch etwas anderes hätte tun können.

Vater muss den Gerichtssaal verlassen

Als ein Mitarbeiter der Bahn, der in zivil im Zug saß, ausführlich die Tat beschreibt, muss der Vater von Serkan Çalar den Gerichtssaal verlassen. Ihm ging es sichtlich nicht gut, beschreibt unser Reporter die Situation. Familienmitglieder haben ihn aus dem Saal begleitet.

Weitere Zeugin: Angeklagter wusste, "was er da macht"

Eine weitere Zeugin sagte aus, sie habe im Zug erst ein Gerangel wahrgenommen, dann sah sie, wie der Angeklagte auf den Zugbegleiter einschlug. Sie habe nur die Schläge mitbekommen, die dazu führten, dass der Zugbegleiter zu Boden ging. Die Schläge wirkten auf sie so, "als würde der Angeklagte wissen, was er da macht“. Der Zugbegleiter habe sich eher geschützt als angegriffen und auf die Polizei verwiesen, falls der Mann den Zug nicht verlasse. Dass der Zugbegleiter später an den Verletzungen starb, erfuhr die Zeugin erst aus den Nachrichten.

Zeugin lassen Gedanken an getöteten Zugbegleiter nicht mehr los

Eine Frau, die auch Fahrgast in der Bahn bei Landstuhl war, berichtet, der Angeklagte habe nach dem Angriff gesagt: "So ist das, wenn man sich mit einem Boxer anlegt.“ Sie bestätigte, dass der Zugbegleiter auf eine junge Frau gefallen sei. Während der Angeklagte behauptet habe, es gehe dem Zugbegleiter gut, habe die Frau darauf hingewiesen, dass er blute und es ihm schlecht gehe.

Die Zeugin und ein weiterer Fahrgast versuchten, die Polizei zu rufen, hatten aber zunächst keinen Empfang. Laut ihrer Aussage sagte der Angeklagte, als der Zugbegleiter am Boden lag: "Jetzt kannst du die Polizei rufen.“

Ein Bundeswehrsoldat brachte den Schwerverletzten später in die stabile Seitenlage. Die Zeugin schildert den Angeklagten als gefühlskalt und ohne Reue, eher stolz. Den Zugbegleiter habe sie zuvor schon öfter erlebt – als sehr höflich. Der Gedanke, dass er nur zur Arbeit gefahren sei und nicht zurückkomme, lasse sie bis heute nicht los.

Angehörige von Serkan Çalar verlassen Prozess

Schon mehrmals wurde heute das Tatvideo im Gerichtssaal gezeigt. SWR-Reporter Andreas Kahlmeyer berichtet darüber, wie schwer das für die Angehörigen ist.

Erneut muss ein Zuschauer den Saal verlassen

Die Zeugen werden nach ihren Aussagen auch von Richter, Staatsanwalt, Nebenklage und Verteidigung befragt. Dabei werden häufig ähnliche Fragen gestellt. Immer wieder dreht es sich dabei um die Schläge und das, was der Angeklagte vor der Tat gesagt haben soll. Laut dem Anwalt der Familie seien die Worte "I’m a boxer, I’m a fighter“ gefallen – also „Ich bin Boxer, ich bin ein Kämpfer“. An diese Worte kann sich die Zeugin nicht erinnern. Sie kann aber nicht ausschließen, dass sie etwas gehört hat, das wie das Wort "fight“ klang.

Als der Anwalt der Familie versucht, nachzubohren, erhebt die Verteidigerin das Wort und ermahnt, dass er nicht solange "fragen könne, bis ihm die Antwort gefällt“. Als sie bei einer weiteren Frage einwendet: "Auch das wurde bereits gefragt“, kochen im Zuschauerraum die Emotionen hoch. Ein Zuschauer wird von den Justizbeamten aufgefordert, den Raum zu verlassen, weil er zu laut wurde. Draußen soll er sich kurz abregen – weitere Konsequenzen werden aber nicht ausgesprochen. Er darf später wieder in den Zuschauerraum.

"Warum fasst du mich an?" - Handyvideo der Tat mit Ton gezeigt

Die 25-jährige Zeugin hat die Tat auch mit ihrem Handy gefilmt. Das ist die erste Aufnahme im Gericht, die auch Ton hat. Die Überwachungskameras in der Bahn hatten nur das Bild aufgezeichnet. In dem kurzen Handyclip, der im Saal gezeigt wird, ist deutlich zu hören, wie der Angeklagte "why you touch me?“ – also sinngemäß „Warum fasst du mich angefasst?“ – sagt, während er auf den Zugbegleiter einschlägt.

Als dieser dann zusammenbricht und auf den Schoß der Zeugin fällt, ist zu hören, wie der Angeklagte beschwichtigend sagt "he is fine“ – also "ihm geht’s gut“. Die Zeugin sagt vor Gericht, dass sie in dieser Situation auch kurz Blickkontakt zum Angeklagten hatte und Angst hatte, dass er weitermacht. Ihr sei auch sofort bewusst gewesen, dass es dem Zugbegleiter alles andere als "gut“ gehe und die Situation ernst sei.

Im Video zu hören ist auch, dass sie ihn fragt, ob der Zugbegleiter "okay“ sei. Sie habe ihn am Kopf berührt und sanft "getätschelt“, um ihm das Gefühl zu geben, dass "jemand da ist“. Die Schilderung der Zeugin ist in diesem Moment sehr emotional.

Zweite Zeugin: Angeklagter sagte zu Zugbegleiter "Fass' mich nicht an"

Eine 25-jährige Frau aus Saarbrücken berichtet, sie habe eine lautere Kontrolle bemerkt und gehört, wie der Zugbegleiter den Mann nach seinem Ausweis fragte und ihn aufforderte, in Landstuhl auszusteigen. Der Fahrgast habe "don’t touch me“ gerufen, also auf Deutsch "fass' mich nicht an". Dann sei er aufgesprungen und habe mehrmals heftig gegen den Kopf des Zugbegleiters geschlagen.

Der Zugbegleiter taumelte nach hinten und stürzte direkt auf ihren Schoß. Er habe schwer geatmet, Blut sei aus seinem Mund auf ihre Jacke gelaufen. Sie legte ihn zur Seite und versuchte zu helfen. Der Angeklagte habe sich danach mit den Worten „he is fine, he is fine“, also "ihm geht es gut, ihm geht es gut", wieder hingesetzt und ruhig gewirkt.

Die Zeugin beschreibt die Schläge als gezielt und sehr aggressiv. Der Vorfall belastet sie nach eigenen Angaben bis heute.

Erster Zeuge des Tages: Angeklagter setzte sich nach Tat ruhig hin

Ein Mitfahrer im Regionalexpress berichtet, er habe wenige Reihen hinter dem Angeklagten gesessen und gelesen, als es plötzlich laut wurde. Dann habe der Mann mit "brachialer Gewalt“ drei bis vier Mal in Richtung Kopf des Zugbegleiters geschlagen. Alles sei in Sekunden passiert, der Zugbegleiter sei neben ihm zu Boden gegangen.

Der Zeuge sagte, er sei dann durch den Zug gelaufen, habe versucht, den Notruf zu wählen und einen Bahnmitarbeiter zu holen. Der Angeklagte habe sich danach ruhig auf seinen Platz gesetzt, als wäre nichts passiert. Erst auf dem Bahnsteig habe der Zeuge gesehen, dass der Zugbegleiter wiederbelebt wird. Im Gericht zeigte das Tatvideo die Szene ohne den von ihm beschriebenen Gang zur Tür. Der Richter betonte, dass sich Erinnerung und Video unterscheiden können. Der Zeuge blieb dabei, er habe Schläge gegen den Kopf gehört und gesehen.

SEK-Ausbilder soll Tatvideo auf Kampfsport-Spuren prüfen

Gleich zu Beginn des zweiten Prozesstages haben Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung vorgeschlagen, einen Ausbilder des SEK in Alsenborn als Experten hinzuzuziehen. Er soll das Tatvideo auswerten und beurteilen, ob die Bewegungen des Angeklagten auf Kampfsport hinweisen. Das Gericht hat dem zugestimmt, die Verteidigung erhob keinen Widerspruch. Während der Aussagen von Zeugen liefen im Saal erneut Ausschnitte aus dem Video. Einige Angehörige verließen in dieser Zeit den Raum.

Viele Zeugen geladen

Für den zweiten Prozesstag sind viele Zeugen geladen. Das hat uns die Sprecherin des Landgerichts Zweibrücken, Corinna Zellmann, gestern im Interview gesagt:

Familienmitglieder des Opfers haben wieder Fotos dabei

Fünf Familienmitglieder sind im Zuschauerraum dabei. Auch heute haben sie wieder Fotos von Serkan Çalar dabei. So sah das gestern aus:

Der Sitzungssaal in Zweibrücken ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Vorne sitzen die Pressevertreter, dahinter sieht man die Angehörigen von Serkan Çalar.

Bruder und Vater des Opfers sind wieder da

Bruder und Vater von Serkan Çalar sind auch wieder da. Unser Reporter hat beobachtet, wie sie mit zwei Vertreterinnen des Weißen Rings gesprochen haben. Beide Frauen waren auch gestern beim ersten Prozesstag dabei.

Im Zuschauerraum sind übrigens noch etwa 30 Sitzplätze frei...

Gleich beginnt der zweite Prozesstag

Vor Beginn des zweiten Prozesstages ist der Andrang im Vergleich zu Tag eins überschaubar. Es sind deutlich weniger Pressevertreter vor Ort als gestern. Unser Reporter ist einer von ihnen. Gleich geht's los mit Prozesstag zwei.

Zweiter Prozesstag in Zweibrücken

Anwalt der Opfer-Familie: Kampfsport-Frage im Fokus

Zum Prozessauftakt gestern hatte der Angeklagte erklärt, er habe nie Kampfsport gelernt. Genau da setzt der Nebenklage-Anwalt der Familie, Yalçın Tekinoğlu, an. Für ihn ist wichtig, ob diese Angabe stimmt – aus seiner Sicht könnte das ein Hinweis darauf sein, ob der Angeklagte mit Tötungsabsicht gehandelt hat. Entsprechend gespannt blickt er auf die heutige Verhandlung:

Wir werden Zeugen hören, die die Tat selber unmittelbar beobachtet haben. Ich denke, das wird dann durchaus noch Aufschluss geben. Es wird wahrscheinlich zum Ende der Hauptverhandlung noch der Bericht des Sachverständigen folgen.

Prozesstag zwei startet heute um 9 Uhr

Heute ab 9 Uhr geht es in den zweiten Tag der Gerichtsverhandlung. Es sollen weitere Zeugen gehört werden. Auch heute sind wir wieder vor Ort in Zweibrücken und berichten über das, was im Gerichtssaal passiert.

Hier nochmal zusammengefasst, was bei Prozesstag eins passiert ist:

Das war der erste Tag des Prozesses

Das war der erste Tag im Prozess um den Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar vor dem Landgericht Zweibrücken. Morgen steht gleich der zweite Verhandlungstag an. Geladen sind insgesamt neun Zeugen - alles Zuggäste, die die Tat in der Regionalbahn bei Landstuhl mit ansehen mussten. Eine Zusammenfassung des ersten Prozesstages gibt es hier:

Zweibrücken, Ludwigshafen

Vor dem Landgericht Zweibrücken Tumulte und Tränen - Erster Prozesstag um Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar

Vor dem Landgericht Zweibrücken ist der erste Prozesstag um den Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar zu Ende gegangen. Es gab viele Emotionen im Gerichtssaal.

SWR1 Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

Anwalt der Angehörigen kritisiert Angeklagten

Am ersten Prozesstag um den Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar vor dem Landgericht Zweibrücken hat sich der angeklagte 26-Jährige bei der Familie des Opfers entschuldigt. "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich alles ändern", ließ er verlesen. Er übernehme die volle Verantwortung für seine Tat. Der Anwalt der Angehörigen, Yalçın Tekinoğlu, sagte, die Entschuldigung sei nicht weit genug gegangen. Sie sei "ich-bezogen" gewesen und habe sich nicht an die Hinterbliebenen gerichtet.

Verteidiger des Angeklagten äußert sich

Nach dem Ende des ersten Prozesstages hat sich auch der Verteidiger des 26-jährigen Angeklagten geäußert. Rechtsanwalt Dimitrios Giannadakis danke dem Gericht für die faire Verhandlungsführung. Außerdem äußerte er Zweifel, dass es in dem Prozess überraschende Erkenntnisse geben werde.

So hat SWR-Reporter Sebastian Stollhof den ersten Prozesstag erlebt

So lief der erste Prozesstag

Prozesstag vor dem Landgericht Zweibrücken beendet

Der Prozesstag vor dem Landgericht Zweibrücken ist damit beendet. Morgen geht es weiter. Unsere Kollegen sammeln aber noch Reaktionen der Prozessbeteiligten ein.

Aussagen zu Vorfall im TGV

Der angeklagte 26-Jährige war bereits vor der Tat Bahnmitarbeitern aufgefallen - in einem TGV. Dort hatte er gegen eine Zugtür getreten. Eine Zugbegleiterin sagte aus, sie habe die Bundespolizei alarmiert, weil der Angeklagte sich auf der Zugtoilette eingeschlossen hatte und den Zug offenbar nicht verlassen wollte. Ein Bundespolizist sagte, der Angeklagte habe sich ohne Widerstand aus dem Zug begleiten lassen. Man habe ihn im Kaiserslauterer Hauptbahnhof abgesetzt. Ein Drogen- oder Alkoholtest wurde nicht durchgeführt, weil es dafür keine Anzeichen gegeben habe.

Eine rechtliche Einschätzung des ersten Prozesstages

Die Staatsanwaltschaft war von Mord ausgegangen, das Gericht sah vor Beginn des Prozesses lediglich eine gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge vorliegen. Es wird der entscheidende Punkt in diesem Verfahren sein, ob dem Angeklagten eine Absicht nachgewiesen werden kann - also dass er den Zugbegleiter Serkan Çalar töten wollte. Eine rechtliche Einschätzung von Christoph Kehlbach aus der SWR Rechtsredaktion.

Bilder nur ohne Holzrahmen in den Zuschauersaal

Bei aller Trauer und allen Tränen, die dieser Prozess mitbringt: Zu Beginn hat sich eine menschliche Szene abgespielt, die unseren Reportern vor Ort aufgefallen ist. Die Familie von Serkan Çalar wollte unbedingt Fotos des Opfers mit in den Zuschauerraum bringen. Die waren allerdings auf Holzrahmen gespannt - und diese durften wegen der Sicherheitsvorkehrungen nicht in den Gerichtssaal. Also holte ein Justizmitarbeiter schnell Werkzeug und löste die Rahmen - weil es der Familie ja wichtig sei, dass Serkan Çalar bei der Verhandlung dabei ist.

Nach Tumult erhält Zuschauer Hausverbot

Als im Gerichtssaal das Video aus dem Zug gezeigt wurde, kam es zu einem Tumult im Zuschauerraum. Ein Zuschauer regte sich so sehr auf, dass er den Gerichtssaal verlassen musste. Dabei drohte ein Justizmitarbeiter auch, einen Schlagstock einzusetzen. Gegen den Mann wurde ein Hausverbot verhängt - er darf bis zur Urteilsverkündung nicht mehr beim Prozess zuschauen, sagte die Sprecherin des Landgerichtes Zweibrücken, Corinna Zellmann.

SWR-Reporter Sebastian Stollhof fasst den bisherigen Prozesstag zusammen

Gab es auch einen Vorfall mit Angeklagtem in einem TGV?

Auf Seiten der Opfer-Familie ist man sich einig. Weitere Familienmitglieder als Zeugen zu anzuhören, sei nicht nötig. Die Geschichten würden sich nur ähneln.

Auch wenn die Temperaturen weit über 30 Grad haben, ist der Gerichtssaal gut temperiert. Trotzdem gibt es jetzt noch einmal eine Pause bis etwa 15 Uhr. Dann sollen zwei weitere Zeugen befragt werden.

Sie fuhren in einem anderen Zug mit, in dem der Angeklagte zuvor unterwegs war - einem TGV. Bereits hier soll es einen Vorfall mit dem Angeklagten gegeben haben.

Bruder des getöteten Zugbegleiters: Wollten Hoffnung nicht aufgeben

Der Bruder des getöteten Zugbegleiters, Ismael Çalar, berichtet, die Familie habe zwei Tage im Krankenhaus durchgehalten, ohne Schlaf, in der Hoffnung auf eine gute Nachricht. Er selbst ist in psychologischer Behandlung und arbeitsunfähig, er kann als Anlagenmechaniker gerade nicht arbeiten und findet keine Ruhe in der Nacht.

Die Kinder des Opfers leben jetzt bei der Familie, alle wohnen in einem Mehrfamilienhaus. Vor allem für den älteren Sohn sei die Schule am Anfang sehr schwer gewesen, er habe sich stark zurückgezogen. Der Bruder sei alleinerziehend gewesen und habe für seine Kinder gelebt.

Zweibrücken

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