Nach Angriff am Hauptbahnhof Kaiserslautern

Gewalt gegen Obdachlose: "Keine Ausnahme" – Streetworker berichten aus dem Alltag

Ein betrunkener Mann hat am Hauptbahnhof Kaiserslautern einen Obdachlosen mit Tritten verletzt. Streetworker berichten, dass solche Gewalttaten keine Ausnahme sind.

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Von Autor/in Maren Kaps

Ein 39-jähriger Mann hat laut Polizei am frühen Mittwochmorgen einen schlafenden Obdachlosen am Hauptbahnhof Kaiserslautern getreten. Laut Bundespolizei hat er ihm mehrmals gegen den Kopf, das Gesicht und Rücken getreten. Dabei wurde der Obachlose verletzt, wollte sich aber nicht von einem Arzt behandeln lassen. Der mutmaßliche Täter war mit 2,54 Promille stark alkoholisiert, wie sich später herausstellte. Gegen ihn wird jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Erst Stunden nach der Tat wandte sich der 66-jährige Obdachlose an eine Streife der Bundespolizei. Mitarbeiter des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus bestätigen, dass es dem Mann inzwischen wieder gut gehe. Er habe sich anschließend doch noch ärztlich behandeln lassen.

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Oft würden Betroffene ärztliche Hilfe ablehnen – aus Scham, Angst oder weil sie keine Krankenversicherung haben, sagen Streetworker der AWO Südwest. "Es ist keine Ausnahme", so Johannes Metzinger. Gewalt gehöre zum Alltag – sowohl innerhalb der Obdachlosenszene als auch durch Außenstehende. Viele Übergriffe würden nie angezeigt, weil Betroffene die Polizei nicht als Helfer sähen oder offene Verfahren fürchteten.

Kein Einzelfall: Gewalt unter Obdachlosen

Die Gründe für die Gewalt sind vielfältig. In der Szene gehe es oft um Geld, Alkohol oder einfache Lebensnotwendigkeiten wie Schlafplätze. Hinzu komme, dass manche Menschen außerhalb der Szene ihre Frustration an Schwächeren abließen. "Das ist das klassische Nach-unten-Treten", sagt Streetworkerin Jeanette Geßner.

Gleichzeitig sei die Gesundheitsversorgung obdachloser Menschen in Kaiserslautern schlecht und stütze sich meist auf Ehrenamtliche. Einrichtungen wie die Glockenstube springen bei planbarer medizinischer Versorgung ein, sonst beruhe die Gesundheitsversorgung auf Spenden, wenn kein Versicherungsschutz besteht. Doch das System ist überlastet, warnen die Sozialarbeiter.

Streetworker und Sozialarbeiter in Kaiserslautern: Johannes Metzinger (v. l. n. r.) , Samira Wellnitz, Jeanette Geßner, Jonas Berg
Streetworker und Sozialarbeiter in Kaiserslautern: Johannes Metzinger (v. l. n. r.) , Samira Wellnitz, Jeanette Geßner, Jonas Berg

Streetworker in Kaiserslautern äußern Appell für mehr Achtsamkeit

Die Streetworker wünschen sich, dass Passanten genauer hinschauen und Hilfe rufen, wenn Menschen in Not sind. Jeder könne dazu beitragen, Gewalt sichtbar zu machen und Vertrauen aufzubauen – denn Obdachlose seien "Menschen wie du und ich".

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Maren Kaps
Maren Kaps, SWR Aktuell Studio Kaiserslautern

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