Welttag der Obdachlosen

Wie die Glockestubb in Kaiserslautern Menschen ohne Zuhause auffängt

Am 10. Oktober ist Welttag der Obdachlosen. In Kaiserslautern bietet die "Glockestubb" der Caritas wohnungslosen Menschen täglich mehr als nur ein Frühstück – sie gibt Gemeinschaft und hilft in schwierigen Lebenssituationen. Ein Besuch zeigt, warum diese Hilfe so wichtig ist.

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Stand

Es ist kurz nach acht Uhr in der "Glockestubb" in Kaiserslautern – einer Tageseinrichtung für wohnungslose Menschen. Vor einer Tasse Kaffee und einem Wurst-Käsebrot sitzt Manfred Otto. Der 60-Jährige aus Kaiserslautern kommt seit rund zwei Jahren regelmäßig hierher, denn eine eigene Wohnung hat er nicht mehr.

"Die Leute, die hier arbeiten, sind alle sehr nett und hilfsbereit und haben immer ein offenes Ohr," sagt er. Manfred Otto erzählt, dass er irgendwann seine Wohnung verloren hatte. Im Detail will er nicht darüber sprechen, was damals passiert ist. Nur so viel: "Es sind ein paar Situationen in meinem Leben eingetreten, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich hab das dann einfach auch nicht mehr im Griff gehabt."

Ein Wohnzimmer für Wohnungslose in Kaiserslautern

Am 10. Oktober ist der internationale Tag der Obdachlosen. Die Caritas betreibt in Kaiserslautern die "Glockestubb" – einen Ort, der für viele mehr ist als nur eine Essensausgabe. Jeden Tag gibt es hier Frühstück und Mittagessen, außerdem die Möglichkeit zu duschen oder seine Kleidung zu waschen. Für beide Mahlzeiten zahlt man pro Tag einen Euro. Nach Angaben der Caritas kommen täglich etwa 50 Menschen.

Es sind ein paar Situationen in meinem Leben eingetreten, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich hab das dann einfach auch nicht mehr im Griff gehabt.

Sozialarbeiterin Rosa Gosbee beschreibt die "Glockestubb" so: "Ich sag immer, wir sind ein Wohnzimmer für die Menschen, die kommen. Wir spielen, wir haben Kaffee und Kuchen – wir sind eine Gemeinschaft." Für viele Gäste ist es einer der wenigen Orte, der ihnen im Alltag Halt und Struktur gibt.

Eingang zur Glockestubb Kaiserslautern. Die Einrichtung unterstützt Obdachlose.
Hier in der Pariser Straße 23 in Kaiserslautern ist der Eingang zur "Glockestubb".

Mehr als eine Essensausgabe: Angebote in der Glockestubb

Hier wird nicht nur der Hunger gestillt, sagt Rosa Gosbee. Ehrenamtliche Friseurinnen kommen alle zwei Monate vorbei, um den Leuten die Haare zu schneiden. Alle zwei Wochen gibt es psychologische Beratung. Außerdem auch eine Gesundheitsberatung: Wenn jemand eine Wunde hat, so Gosbee, werden Verbände gewechselt, und auch Läuseshampoo wird bereitgestellt – das seien kleine, aber wichtige Hilfen im Alltag.

Ich sag immer, wir sind ein Wohnzimmer für die Menschen, die kommen. Wir spielen, wir haben Kaffee und Kuchen – wir sind eine Gemeinschaft.

Nimmt Wohnungslosigkeit in Kaiserslautern zu?

Offizielle Zahlen über obdachlose oder wohnungslose Menschen für Kaiserslautern habe sie aktuell nicht. Aber Rosa Gosbee schätzt, dass die Zahl der Wohnungslosen in der Stadt steigt. "Man sieht vermehrt Leute auf öffentlichen Plätzen, auf den Bänken liegen und schlafen." Inzwischen seien auch Menschen aus der Mittelschicht betroffen. Ein Grund ist unter anderem, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum in Kaiserslautern gibt, sagt die Sozialarbeiterin.

Zahlen zur Wohnungslosigkeit in Rheinland-Pfalz und Deutschland

Seit 2022 werden bundesweit Daten zur Wohnungslosigkeit erhoben. Anfang Februar 2024 hatten in Deutschland mehr als 530.000 Menschen keine eigene Wohnung – sie waren beispielsweise untergebracht in Notunterkünften, Gemeinschaftsunterkünften, zeitweise auch bei Freunden oder Verwandten, oder haben auf der Straße gelebt und geschlafen.

In Rheinland-Pfalz gab es im Januar 2025 insgesamt 14.500 Personen, die in einer Unterkunft wie zum Beispiel einem Übernachtungsheim untergebracht waren, weil sie keine Wohnung hatten. Nicht erfasst sind hier Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind oder beispielsweise bei Bekannten leben.

Man unterscheidet übrigens zwischen wohnungslos und obdachlos:

Die Glockestubb - ein Ort, der Hoffnung gibt

Manfred Otto erzählt, dass er damals aus seiner Wohnung rausgeflogen ist, weil er mit der Miete im Rückstand war. "Ich war von dem einen auf den anderen Moment ohne Wohnung". Deshalb hatte er nach einer Einrichtung gesucht, wo er Hilfe bekommt. In der "Glockestubb" in Kaiserslautern hat er diese auch gefunden.

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Von Marie von Kuck

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SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christina Fleischanderl
Christina Fleischanderl

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