"Die Stimmung in Kusel hat sich beruhigt"

Nach Messerattacke in Kusel: Interview über das Klima zwischen Geflüchteten und Bürgern

Nach dem Messerangriff in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete Kusel herrscht Verunsicherung. Der "Umfeldbeauftragte" erzählt, wie er die Stimmung in der Bevölkerung erlebt – und warum sich vieles beruhigt hat.

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Stand

Am Wochenende soll ein Mann in der Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende (AfA) in Kusel zwei Mitbewohner mit einem Messer verletzt haben. Danach war er geflüchtet – die Polizei suchte stundenlang nach ihm. In Kusel haben das viele Menschen mitbekommen und es hat einige verunsichert. Wir haben mit dem Umfeldbeauftragten Klaus Stemmler, ehemals Kümmerer, dort gesprochen: 

SWR Aktuell: Herr Stemmler, Sie werden oft als "Kümmerer" bezeichnet. Wie lautet Ihre offizielle Funktion aktuell?

Klaus Stemmler: Den Begriff "Kümmerer" finde ich sympathisch, aber offiziell bin ich Umfeldbeauftragter der AfA Kusel. Das klingt sehr amtlich, verwirrt aber manche. Meine Aufgabe ist nicht, die Bewohner zu rechtfertigen. Ich erfasse die Stimmung der Bürger und gebe Probleme weiter. Und das bereits seit Mai vergangenen Jahres.

Klaus Stemmler vermittelt zwischen den Kuselern und Geflüchteten in der Erstaufnahmeeinrichtung.
Klaus Stemmler vermittelt zwischen den Kuselern und Geflüchteten in der Erstaufnahmeeinrichtung.

SWR Aktuell: Wie kann man sich Ihren Alltag als Umfeldbeauftrager vorstellen?

Stemmler: Ich bin in der Regel zwei Mal pro Woche im Stadtgebiet unterwegs. Dabei laufe ich bewusst durch die Fußgängerzone, gehe in Geschäfte hinein oder setze mich auch mal in ein Café, um wahrzunehmen, wie die Leute reden und denken. Viele sprechen mich nicht von allein an, deshalb gehe ich aktiv auf Geschäftsinhaber oder Anwohner zu und frage: "Gibt es aktuell Probleme? Fällt Ihnen etwas im Verhalten der Bewohner auf?" Manchmal höre ich dann: "Alles in Ordnung, wir haben keine Schwierigkeiten." Es kommt aber auch vor, dass konkrete Ärgernisse genannt werden.

Ich vermittle, wenn es Ärger gibt.

SWR Aktuell: Welche konkreten Ärgernisse wurden denn in letzter Zeit an Sie herangetragen?

Stemmler: Einige Anwohner beschwerten sich etwa, dass Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung private Grundstücke als Abkürzung nutzten oder ein Fahrrad dauerhaft auf fremdem Gelände abgestellt wurde. Ich habe diese Fälle aufgegriffen und ließ sie über die AfA-Leitung klären. Solche Vorfälle mögen klein wirken, aber für die Menschen vor Ort sind sie wichtig. Und wenn man sie zügig löst, wächst auch das Vertrauen. Mein Ziel ist es, solche Missstände früh wahrzunehmen und weiterzugeben, damit sie nicht größer werden.

SWR Aktuell: Hat sich die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung verändert?

Stemmler: Ja, deutlich. Zu Zeiten der Hochbelegung mit fast 1.000 Menschen – großteils junge Männer – war die Stimmung angespannt. Früher war es vor allem die große Zahl an jungen Männern in der Stadt, die Unruhe ausgelöst hat. Heute sind die Sorgen viel geringer. Jetzt ist die Zahl auf etwa 400 gesunken und mehr Familien leben dort - das hat schon Auswirkungen.

SWR Aktuell: Wie reagieren die Menschen in Kusel auf den aktuellen Polizeieinsatz?

Stemmler: Dazu kann ich noch wenig sagen, weil ich seit Sonntag nicht in der Innenstadt unterwegs war. Solche Ereignisse beeinflussen aber immer die Auffassung zu etwas - wie stark, das weiß ich nicht.

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SWR Aktuell: Arbeiten Sie eng mit der Leitung der AfA zusammen?

Stemmler: Ja, wir stimmen uns alle zwei bis drei Wochen ab. Ich bin externer Mitarbeiter der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), der Leiter der AfA ist interner Mitarbeiter – wir tauschen uns also regelmäßig über aktuelle Fälle und die allgemeine Stimmung in Kusel aus. Über die internen Abläufe in der AfA selbst oder die Lebensbedingungen dort äußere ich mich jedoch nicht – das gehört nicht zu meiner Arbeit.

SWR Aktuell: Gibt es etwas, das Sie sich für die Zukunft wünschen?

Stemmler: Ich wünsche mir, dass mehr Menschen von sich aus mit ihren Anliegen auf mich zukommen. Viele kennen meine Funktion gar nicht.

SWR Aktuell: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Maren Kaps
Maren Kaps, SWR Aktuell Studio Kaiserslautern

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