Neue Online-Studie sorgt für Alarmstimmung

Sicherheitsgefühl in Kaiserslautern schlechter geworden

Schockierende Zahlen: Fast alle in Kaiserslautern fühlen sich einer neuen Online-Studie zufolge nachts unsicher. Junge Frauen berichten von Angst und Belästigungen.

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Von Autor/in Alexandra Dietz

Bei einer Diskussionsrunde des Formats SWR Aktuell 360 Grad wurden Ergebnisse einer neuen Sicherheitsstudie des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) bekannt. Im PopUp-Studio in der Lautrer Innenstadt sprach Bürgermeister Manfred Schulz (CDU) von alarmierenden Zahlen und sieht akuten Handlungsbedarf.

Nach SWR-Informationen wird die Studie allerdings auch kritisch betrachtet. Unter anderem sollen nur wenige hunderte Menschen befragt worden sein, außerdem soll es auch Studienteilnehmer gegeben haben, die nicht in Kaiserslautern leben und zuletzt sei die Zielgruppe der Befragten nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragbar. Konkretes dazu wird es aber erst mit Veröffentlichung der Ergebnisse geben, voraussichtlich im August.

Neue Online-Studie schockiert: "Fast jeder fühlt sich nachts unsicher"

Trotz dieser Bedenken nannte Bürgermeister Schulz die Ergebnisse "schockierend". Das Sicherheitsgefühl der Menschen in Kaiserslautern habe sich in den vergangenen Jahren nochmals deutlich verschlechtert. Laut Manfred Schulz fühlen sich inzwischen selbst tagsüber rund 60 Prozent der Menschen in der Innenstadt von Kaiserslautern unsicher. Nach Einbruch der Dunkelheit steige dieser Wert sogar auf 90 Prozent. "Man kann sagen: Fast jeder fühlt sich bei Dunkelheit in der Innenstadt nicht mehr sicher", erklärte Bürgermeister und Ordnungsdezernent Manfred Schulz. Die Zahlen seien "frappierend" und machten deutlich, dass politischer Handlungsbedarf bestehe.

Junge Frauen berichten von Angst, Belästigungen und Gewalt

Besonders eindrücklich waren die Schilderungen mehrerer junger Frauen. Lara (19), die ein Jahr lang in einem Einkaufszentrum in Kaiserslautern gearbeitet hat, berichtete von Situationen, die ihr bis heute in Erinnerung geblieben sind. "Man war immer froh, wenn noch normale Leute unterwegs waren und wenn die Leute dann auch wieder weg waren", sagte sie mit Blick auf Gruppen betrunkener Männer, die regelmäßig in die Mall gekommen seien. Besonders nach Feierabend habe sie sich oft unwohl gefühlt, teilweise musste die Security einschreiten.

Wie ist das Sicherheitsgefühl in der Lautrer Innenstadt. Darüber wurde im SWR PopUp-Studio heute diskutiert.
Wie ist das Sicherheitsgefühl in der Lautrer Innenstadt. Darüber wurde im SWR PopUp-Studio ausführlich diskutiert.

Eine andere junge Frau schilderte sogar persönliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung. "Ich fühle mich in Kaiserslautern unsicher, da so viel Gewalt da ist und auch wegen der sexuellen Belästigungen, die ich erlebt habe", sagte sie. Schlägereien, aggressive Gruppen und betrunkene Personen gehörten für sie mittlerweile zum Alltag in Teilen der Innenstadt.

Erlebnisse sorgen für Beklemmung: "Ich dachte, ich bin die Nächste"

Wie belastend die Situation für viele Menschen geworden ist, zeigte auch der Bericht einer weiteren Teilnehmerin. Sie schilderte, wie sie Zeugin einer gewalttätigen Auseinandersetzung wurde. "Da ist jemand mit einem Schlagstock auf jemanden losgegangen. Ich habe das gesehen und bin weg gerannt, weil ich Angst hatte, ich bin die Nächste", berichtete sie. Eine aus der Ukraine stammende Schülerin erzählte ebenfalls von unangenehmen und beängstigenden Situationen an Bushaltestellen und in der Innenstadt. Jugendliche hätten Gegenstände nach ihr geworfen, andere Vorfälle hätten sich unmittelbar vor ihren Augen abgespielt. Trotz ihrer positiven Einstellung zur Stadt sei bei ihr inzwischen ein Gefühl der Unsicherheit entstanden.

Bürgermeister Schulz: "Waffenverbotszone, mehr Personal und Kameras"

Die persönlichen Erlebnisberichte der jungen Frauen sind "schon schockierend und frappierend", sagte Bürgermeister Manfred Schulz auch nach der Diskussionsrunde. Er verwies auf bereits eingeleitete Maßnahmen wie die Waffenverbotszone und zusätzliches Personal für das Ordnungsamt. So könnten auch verdachtsunabhängige Kontrollen durch das Ordnungsamt gemacht werden, so Schulz.

Die persönlichen Schilderungen junger Frauen hat den Bürgermeister von Kaiserslautern stellenweise schockiert.
Der Bürgermeister der Stadt Manfred Schulz (CDU) sieht sich vor einer großen Herausforderung, will die persönlichen Eindrücke der jungen Frauen mitnehmen in den Stadtrat.

Auch über eine Ausweitung der Videoüberwachung mit KI werde aktuell mit dem Land diskutiert. Viele Bürgerinnen und Bürger würden sich davon auch mehr Sicherheit versprechen. "Mehr Kameraüberwachung ist einer der Hauptwünsche der Menschen", sagte Schulz. Eine Entscheidung darüber müsse allerdings auf Landesebene getroffen werden.

Lebensqualität in Kaiserslautern leidet unter der Unsicherheit

Für den Bürgermeister steht fest, dass die Entwicklung nicht ohne Folgen bleibt. "Kaiserslautern ist eine schöne und attraktive Stadt mit hoher Lebensqualität", sagt er. Diese Lebensqualität werde jedoch beeinträchtigt, wenn sich große Teile der Bevölkerung abends nicht mehr sicher fühlten. Die vollständigen Ergebnisse der neuen Sicherheitsstudie vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) sollen nach den Sommerferien öffentlich vorgestellt werden. Schon jetzt zeigen die ersten Zahlen jedoch deutlich: Das Sicherheitsgefühl vieler Menschen in Kaiserslautern befindet sich auf einem historischen Tiefpunkt.

Gewalt, sexuelle Übergriffe, aggressive Gruppen, die einem Angst machen. Die persönlichen Schilderungen gingen unter die Haut.
Junge Frauen schilderten eindrücklich ihre persönlichen Erlebnisse mit Gewalt, sexuellen Übergriffen und aggressiven Gruppen.
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Autor/in
Alexandra Dietz
SWR-Reporterin Alexandra Dietz aus dem Studio in Kaiserslautern.

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