"Keine Ahnung. Darüber haben wir noch nie gesprochen." – Eine Antwort, die Dr. Felix Kindel im Gespräch mit Angehörigen ständig zu hören bekommt, wenn er das Thema Organspende anspricht. Der Transplantationsbeauftragte im Lauterer Westpfalz-Klinikum hat die Aufgabe, mögliche Organspender zu erkennen und mit den Familien zu sprechen.
Viele Angehörige entscheiden sich gegen eine Organspende
Es ist ein schwieriger Moment, in dem der Klinikarzt Angehörigen eine Entscheidung abringen muss. Wer gerade erfahren hat, dass ein geliebter Mensch sterben wird, dem stehe nicht der Kopf nach der Organspende-Frage. Die meisten würden aus Überforderung "Nein" sagen.
Und das ist ein Problem, so Kindel. Denn: In den vergangenen drei Jahren sei es nur einmal vorgekommen, dass ein potentieller Spender einen Organspendeausweis besaß. Kein Wunder, dass die Zahl der gespendeten Organe auf einem niedrigen Niveau stagniert.
Organspende-Experte vom Westpfalz-Klinikum für Widerspruchsregelung
Rund 25 Organspende-Gespräche habe Kindel im vergangenen Jahr geführt, nur vier Mal sei es zu einer Spende gekommen.
Organe wachsen halt nicht auf Bäumen.
Organe für schwer therapierbare Funktionsstörungen würden nun mal nicht "auf Bäumen wachsen", so der Klinikarzt. "Irgendwo müssen die Organe herkommen." Dabei sei nicht das Ziel, dass alle Menschen Organspender werden müssen: "Ein Nein ist genauso gut wie ein Ja." Ihm sei wichtig, dass die Menschen sich ein Bild machen und eine Entscheidung für sich treffen.
Beschluss des rheinland-pfälzischen Landtags Organspende: CDU und SPD in RLP drängen auf Widerspruchslösung
Der rheinland-pfälzische Landtag hat beschlossen, dass RLP sich für eine Neuregelung der Organspende einsetzen soll. Ziel ist die Einführung der Widerspruchslösung.
Dass sich viele Politiker auf Landes- und Bundesebene zur Zeit für die sogenannte Widerspruchslösung stark machen, findet Kindel gut. Diese Lösung sieht vor, dass in Zukunft Menschen zu Lebzeiten einer Organspende aktiv widersprechen müssen. Aktuell dürfen Organe nur dann entnommen werden, wenn der Betroffene dem zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat, oder es die Angehörigen in seinem Sinne tun.
Felix Kindel wünscht sich, dass sich die Organspende von der absoluten Ausnahme mehr zum Normalfall hinentwickelt. Aktuell würde die Organspende etwas "Mystisches" umgeben, darum rankten sich auch viele Fake News. Mit diesen aufzuräumen sei "unfassbar schwierig", so der Arzt. "Einmal hat mich jemand gefragt, ob es stimmt, dass nach der Organspende die Körper mit Sägespänen ausgestopft werden. Da war ich fassungslos.", sagt der Arzt.
Dass das Thema – auch durch die Widerspruchsregelung – präsenter wird, sei wichtig. Bei zur Zeit einstelligen Spende-Zahlen an großen Kliniken würde jede weitere Spende einen großen Unterschied machen. Denn: Ein einziger Organspender könne die Gesundheit, teilweise sogar das Leben, von bis zu sieben Menschenleben retten.