Langanhaltender und starker Regen - ein beschaulicher Bach, der durch den Ort fließt, wird plötzlich zum reißenden Strom. Menschen müssen in Sicherheit gebracht, Häuser evakuiert werden. In dem Stadtteil, der evakuiert werden muss, gibt es ein Alten- und Pflegeheim. Das wissen die Einsatzkräfte vor Ort. Sie wissen auch, was sie für die Rettung der Pflegebedürftigen dort brauchen. Doch zwei Straßen weiter wohnt Oma Liese, sie ist 86 und gehbehindert. Nebenan wohnt der 13-jährige Liam, der auf ein Sauerstoffgerät angewiesen ist, das Strom braucht. Doch von diesen Beiden wissen die Einsatzkräfte nichts. Das Wasser steigt und es kommt auf jede Minute an.
Neue Plattform für Einsatzkräfte soll Leben retten
Dieses hypothetische Szenario könnte jederzeit irgendwo Realität werden. In der Südwestpfalz, in Rheinland-Pfalz, in Deutschland. Statistische Auswertungen zeigen, dass solche Extremwetterereignisse in Zukunft weiter zunehmen werden. Damit die Rettungskräfte dann auch schnell Oma Liese und Liam helfen können, wird jetzt in einem Pilotprojekt eine neue Plattform für Rettungskräfte entwickelt.
Der Kreis Südwestpfalz ist einer der Partner des Projekts
Viele Projektpartner arbeiten am Projekt mit dem Namen DINKA zusammen. Neben dem DRK sind das zum Beispiel die Rettungsleitstelle in Landau, das Fraunhoferinstitut IESE in Kaiserslautern oder auch der Landkreis Südwestpfalz oder die kreisfreien Städte Pirmasens und Zweibrücken. Ziel ist es, Rettungskräften im Katastophenfall auf einen Blick zu zeigen, wo pflegebedürftige Menschen wohnen um dort dann schnell und zielgerichetet helfen zu können. Bislang gehen die Einsatzkräfte von Tür zu Tür und wissen nicht, in welchem Zustand sich die jeweiligen Bewohner befinden. Das kostet Zeit.
Der Datenschutz ist ein zentraler Baustein des Projekts
Daten des DRK, der Hausnotrufe und in einem späteren Schritt auch Angaben von Krankenkassen sollen die neue Plattform komplettieren und aktuell halten. Ein Sprecher des Fraunhoferinstituts IESE in Kaiserslautern betont, dass der Datenschutz hier im Vordergrund stehe. Es sollen nur Daten genutzt werden, die zeigen, ob die betroffenen Menschen zum Beispiel bettlägerig oder eben auf Sauerstoff angewiesen sind. Weitere sensible Gesundheitsdaten sollen nicht erfasst werden. Auch sollen ausschließlich die Rettungskräfte auf diese Informationen während des Einsatzes zugreifen können. Wenn die Notlage vorbei ist, sollen diese Informationen wieder verschlüsselt werden.
Eine zentrale Übersicht für alle Einwohner Deutschlands
Eine solche Übersicht gebe es bislang noch nicht, erklärt Mauel Gonzales. Er ist der Vorstand des Landesverbandes des DRK in Rheinland-Pfalz.
Rund Dreiviertel aller pflegebedürftigen Menschen in Rheinland-Pfalz werden zu Hause betreut und versorgt.
Es gebe kein Programm, das diese schutzbedürftigen Gruppen gesamt aufführe. "Das ist ein Problem, wenn man bedenkt, dass rund Dreiviertel aller pflegebedürftigen Menschen in Rheinland-Pfalz zu Hause betreut und versorgt werden", so Gonzalez weiter.
Pilotprojekt wird vom Bund finanziert
Rund eineinhalb Jahre haben die Beteiligten Zeit, diese neue Plattform zu entwickeln. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft gefördert und finanziert. Rund eine halbe Million Euro werden dafür zur Verfügung gestellt. Wenn die Plattform irgendwann marktreif wird, soll sie deutschlandweit eingesetzt werden und bundesweit Leben retten können.