Das "IYKYK" liegt an der Pariser Straße in Kaiserslautern. Von außen wirkt der Ort erst einmal unscheinbar: eine viel befahrene Straße, Schilder an der Fassade, darüber Wohnungen und Balkone. Keine große Regenbogenfassade, kein lauter Hinweis auf queeres Nachtleben. Der Name steht für "If you know, you know" – also etwa: Wer es weiß, der weiß es. Für viele in der queeren Community ist die Bar ein Ort, an dem Diversity nicht nur ein Begriff bleibt: ein Treffpunkt, ein Schutzraum und ein Raum, in dem Menschen sich nicht erklären müssen.
Eine Bar als Treffpunkt für die Community
Betreiberin Nicole Anderson beschreibt das "IYKYK" als offenen und inklusiven Treffpunkt. "Es ist eine Bar für jeden", sagt sie. Gemeint ist: unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Herkunft oder Nationalität. Es gehe darum, gemeinsam Spaß zu haben – mit Events, Getränken und einem Ort, an dem Menschen sich wohlfühlen können.
Entstanden ist die Bar auch aus dem Gefühl heraus, dass in Kaiserslautern ein solcher Ort fehlt. Früher habe es bereits einen ähnlichen Treffpunkt gegeben, erzählt Shawn Davis, der Co-Besitzer. Als dieser geschlossen wurde, sei die Idee entstanden, wieder einen Raum für die LGBTQ-Community zu schaffen – moderner, mit Events, Cocktails und einem klaren Fokus auf Offenheit. "Nobody's doing it" – niemand macht es – habe er damals gedacht. Also hätten Nicole und er beschlossen, es selbst zu versuchen.
Wenn Vorurteile an der Tür kleiner werden
Für Nicole und Shawn ist das "IYKYK" kein Vollzeitjob, sondern ein Projekt neben ihrer eigentlichen Arbeit. Beide arbeiten unter der Woche auf der US Air Base Ramstein: Nicole als Admin, Shawn als Koch. "Wir arbeiten 40 plus Stunden in der Woche und kommen hierher und arbeiten freitags und samstags auch noch hier", sagt Nicole.
Dabei geht es dem Team nicht darum, nur eine bestimmte Gruppe anzusprechen. Auch heterosexuelle Gäste kommen in die Bar. Manche seien anfangs skeptisch oder hätten eher konservative Vorstellungen, erzählen die Betreiber. Dann würden sie merken, "es ist echt schön hier, hier wird mir nichts gemacht, es ist angenehm", sagt Nicole. Genau darin sieht das Team eine wichtige Funktion des Ortes: Er kann Berührungsängste abbauen.
Mehr Sichtbarkeit, aber auch mehr Sorge
Stacey Zelca, die Bar Managerin, beschreibt das ähnlich. Manche Menschen hätten vorher kaum Kontakt zu queeren Personen gehabt. In der Bar könnten sie merken, dass viele ihrer Vorstellungen nicht stimmen. Auf Englisch sagt sie: "Das sind einfach Menschen, die existieren und eine gute Zeit haben wollen, genau wie ich."
Ganz konfliktfrei sei der Alltag in der Bar aber nicht immer. Stacey erzählt, es habe vereinzelt auch schon unangenehme Situationen oder problematische Gäste gegeben. Das Team versuche dann, schnell zu deeskalieren oder klarzumachen, wo Grenzen liegen. Respekt sei die Grundregel. Wer Menschen abwertet oder sich danebenbenimmt, werde darauf angesprochen.
Queeres Leben in Kaiserslautern nicht immer einfach
Gleichzeitig ist Sichtbarkeit nicht für alle selbstverständlich. Stacey beschreibt Kaiserslautern als Stadt, in der rechte und konservative Stimmen sichtbar seien. AfD-Stände oder religiös-fundamentalistische Gruppen in der Innenstadt könnten für sichtbar queere Menschen verunsichernd wirken. Es sei ziemlich beängstigend, wenn Menschen einem zuriefen, man komme in die Hölle.
Trotzdem beschreiben mehrere Menschen in der Bar, dass queeres Leben in Kaiserslautern langsam sichtbarer wird. Nicole erinnert an den ersten CSD im vergangenen Jahr: Dort sei "schon viel los" gewesen, sagt sie. Auch Stacey beschreibt die Beteiligung und die Unterstützung vieler Menschen als ermutigend – gerade vor dem Hintergrund rechter und konservativer Stimmen.
Unsicherheit bei LGBTQ-Community ist da
Ein Besucher nimmt die queere Community in Kaiserslautern ebenfalls als eher zurückhaltend wahr. Lange sei vieles weniger sichtbar gewesen, sagt er, eher "im Hintergrund". In letzter Zeit werde die Community aber aktiver. Gerade für Menschen, die neu in die Stadt kommen oder bisher eher online Anschluss gesucht haben, könnten Orte wie das "IYKYK" deshalb wichtig sein.
Eine Besucherin beschreibt die queere Community in Kaiserslautern als eher versteckt. Wenn sie mit ihrer Partnerin Hand in Hand durch die Stadt laufe, fühle sich das weiterhin seltsam an; Menschen würden anders schauen. Das "IYKYK" empfindet sie dagegen als sicheren Ort: "Das ist da wie im Wohnzimmer, also wie zu Hause, hier fühlt man sich wohl".
Viele suchen erst online nach Anschluss
Ein Besucher erzählt, dass er lange eher online in queeren Räumen unterwegs war. In Kaiserslautern habe ihm zunächst der direkte Anschluss gefehlt – auch, weil er nicht sofort als queer erkennbar sei und deshalb nicht automatisch in solche Räume eingeladen werde. Über Freunde sei er schließlich auf die Bar aufmerksam geworden. Für ihn sind solche Orte besonders in einer Studentenstadt wichtig, weil viele Menschen neu nach Kaiserslautern kommen und erst einmal Verbindungen suchen.
Luisa Weidler ist mit Freundinnen zum ersten Mal ins "IYKYK" gekommen. Sie sagt, Kaiserslautern sei nicht vergleichbar mit Städten wie Köln oder Saarbrücken, wo queere Orte deutlich sichtbarer seien. Wer neu in die Stadt komme, müsse oft aktiv suchen, um überhaupt Anlaufpunkte zu finden. Gerade deshalb sei die Bar für sie ein wichtiger Startpunkt – und auch ein Statement, "dass man in der Stadt nicht alleine ist".
Drag Queen Milly Mildew über Drag in Kaiserslautern und Seattle
Wie unterschiedlich queeres Leben wahrgenommen wird, zeigt auch der Blick von Drag Queen Milly Mildew. Bevor sie nach Deutschland kam, ist sie in den USA aufgetreten, unter anderem in Seattle. Dort sei sie in Drag durch die Innenstadt gegangen und habe sich weitgehend selbstverständlich gefühlt. In Kaiserslautern sei das anders: "Es kann beängstigend sein", sagt sie. Menschen würden starren, und man wisse nicht immer, ob jemand neugierig sei oder ob eine Situation unangenehm werden könne.
Für Milly ist das "IYKYK" deshalb ein besonderer Ort. Er sei freundlich, aufmerksam und sicher. Die queere Community in Kaiserslautern sei kleiner und enger verbunden als in größeren Städten. Man sehe sich wieder, kenne sich, unterstütze sich. Gerade deshalb können solche Orte wichtig sein: Sie schaffen Raum, in dem queeres Leben nicht nur online oder im Verborgenen stattfindet, sondern sichtbar und gemeinsam.
Eine Bar für jeden
Am Ende ist das "IYKYK" für Nicole genau das: "Eine Bar für jeden." Für Menschen aus der queeren Community, für Freundinnen und Freunde, für Gäste, die neugierig sind, und für alle, die einfach einen guten Abend haben wollen. Entscheidend sei nicht, wer jemand ist oder wen jemand liebt, sondern wie Menschen miteinander umgehen.
Dass der Ort für viele trotzdem mehr bedeutet als eine normale Bar, zeigt sich an diesem Abend immer wieder: Menschen kommen ins Gespräch, fühlen sich sicher, bringen Freunde mit oder trauen sich zum ersten Mal in einen queeren Raum. Das "IYKYK" ist damit Treffpunkt, Schutzraum und offener Ort zugleich – mitten in Kaiserslautern.