Für viele Schulkinder von heute ist es kaum vorstellbar: ein Leben ohne Smartphone. Doch 16 Schülerinnen und Schüler der Mannlich Realschule Plus in Zweibrücken haben sich zu Beginn des vergangenen Schuljahrs dafür entschieden. Ihre Klasse sowie zwei Parallelklassen mit Smartphones werden dabei von einem Forschungsteam der Uni Trier begleitet.
Zweibrücker Schüler ohne Smartphone sind konzentrierter
Die Fünftklässler haben seither jeden Tag ein Lerntagebuch geführt, sollten beispielsweise notieren, wie viel sie schlafen, wie sie den Nachmittag verbracht haben oder ob sie sich auf den nächsten Schultag in ihrer Klassengemeinschaft freuen. Dazu kamen laut dem Trierer Forschungsteam wissenschaftliche Tests in den Bereichen Mathematik, Sport und Konzentrationsfähigkeit.
"Erstes Pilotprojekt in ganz Deutschland" Handy-Verbot an Schule in Zweibrücken
Kinder ohne Handys – das gibt es jetzt seit diesem Schuljahr an der Mannlich Realschule Plus in Zweibrücken. Erstmal ist es nur eine 5. Klasse, die das wissenschaftlich begleitende Pilotprojekt für zwei Jahre ausprobieren soll.
Die Resultate? Die fallen je nach Fragestellung höchst unterschiedlich aus, erläutert die Trierer Professorin Sabine Klomfaß. Im Bereich der Konzentrationsfähigkeit würden die Kinder aus der smartphone-freien Klasse etwas besser abschneiden als ihre Mitschüler in den Parallelklassen. "Doch in Mathe: keine Unterschiede" – so ihre Bilanz.
Bei einem wissenschaftlichen Test zu Motorik und weiteren sportlichen Fähigkeiten hätten die Fünftklässler ohne Smartphone zwar gut abgeschnitten, doch eine der Klassen mit Smartphone habe sich deutlich stärker verbessert im Verlauf des Schuljahrs.
Es ist viel entscheidender, ob das Kind am Nachmittag Sport macht oder liest.
Besonders spannend: Klomfaß und ihr Team haben auch untersucht, wie viel Lernfreude die Fünftklässler mitbringen und ob sie sich selbst regulieren und mit Ablenkungen umgehen können. "Da sehen wir, dass nicht so entscheidend ist, ob die Kinder in der smartphone-freien Klasse sind oder nicht."
Erste Tests beim Projekt "smartphone-freie Klasse" in Zweibrücken
Erste Tests beim Projekt "smartphone-freie Klasse" in Zweibrücken
Forscherin der Uni Trier: Hobbys wirken sich positiv aus
Viel entscheidender sei, wie sie den Nachmittag verbringen. "Also dass das Kind nicht nur digitale Medien benutzt, sondern Sport macht und Bücher liest", so die Pädagogik-Professorin. Die Frage, ob ein Kind Hobbys nachgeht, könne also den Effekt des Smartphones wettmachen.
Andere Ergebnisse des Forschungsprojekts seien dagegen noch nicht ausgewertet. Beispielsweise Fragen zur mentalen Gesundheit der Schülerinnen und Schüler oder Mobbing. Noch ein weiteres Jahr will das Trierer Forschungsteam die Klasse begleiten und beobachten.
In der Klasse ohne Smartphones geht es viel sozialer zu.
Doch Schulleiter Markus Meier ist schon jetzt zufrieden mit dem Verlauf. Er unterrichte alle teilnehmenden fünften Klassen in Sport und könne sie so vergleichen. In der smartphone-freien Klasse sei es wesentlich angenehmer zu unterrichten. "Es geht viel sozialer zu."
In dieser Klasse würden weniger Konflikte auftreten, die Mitschüler würden sich seltener beleidigen als in anderen Klassen. Diese Beobachtung würden andere Lehrkräfte an der Schule auch teilen. "Die Kinder ohne Smartphone können Arbeitsaufträge besser umsetzen als die Kinder in den Vergleichsklassen."
Schule in Zweibrücken plant neue Klasse ohne Social Media
Diese Auswirkungen auf das Sozialgefüge innerhalb der Klasse haben die Trierer Forschenden bislang nicht wissenschaftlich untersucht, wollen das im weiteren Verlauf des Projekts aber nachholen. Schulleiter Meier hat auch für den Start der neuen fünften Jahrgangsstufen eine neue, größere Klasse ohne Social Media und Co. organisiert.
Auch Eltern würden dieses Angebot der Zweibrücker Schule schätzen. Schließlich könne die Schule so Schülerinnen und Schülern einen sicheren Raum bieten, sagt Meier. Denn ganz gleich, welche Auswirkungen die Trierer Forscher wissenschaftlich untermauern können – "dass die Kinder nicht mit Inhalten konfrontiert werden, die sie nicht verarbeiten können, dieser Effekt ist zu 100 Prozent gegeben."