Fishingmails, Scam oder der klassische Trickbetrug: Die Polizei hat regelmäßig mit solchen Betrügen zu kämpfen. Die Leidtragenden verlieren dadurch teils viel Geld, persönliche Daten und oft das Vertrauen in Institutionen.
SWR Aktuell: Woran erkennt man, dass es sich um einen Betrug handelt?
Patrick Busch: Die Betrüger gehen so vor, dass sie in einem Telefonat die Senioren direkt unter Druck setzen. Es soll alles ganz schnell gehen, es soll ganz schnell Geld abgehoben werden und meistens kommt dann jemand vorbei und holt das ab. Der Betrüger täuscht eine Notlage vor, indem er zum Beispiel sagt, das Geld brauche er ganz dringend, um Kaution zu stellen. Er hat einen Unfall oder braucht das Geld, um schnell irgendwas bezahlen zu müssen. Deshalb immer darauf achten, wenn etwas ganz eilig sein soll: Sich immer rückversichern, nie direkt handeln und wenn es geht, immer Verwandte oder Freunde ins Boot holen und eben auch versuchen, den Enkel zu erreichen, um zu fragen, ob er das jetzt wirklich war, der angerufen hat.
SWR Aktuell: Immer mal wieder geben sich Betrüger auch als Polizisten aus. Wie erkenne ich, dass es keine "echten" Polizisten sind?
Busch: Genau. Polizeibeamte, Richter oder Staatsanwälte fordern bei Anrufen niemals Geld oder Schmuck oder irgendeine Kaution. Deshalb gilt auch hier: nie direkt handeln, am besten auflegen und sich bei der Polizeidienststelle rückversichern. Auch nicht drauf reinfallen, wenn da zum Beispiel eine generierte Nummer erscheint, wie die 110. Auch mit dieser Nummer werden wir nie jemanden zu Hause anrufen.
SWR Aktuell: Was ist zu tun, wenn (ältere) Menschen bereits auf eine Betrugsmasche reingefallen sind?
Busch: Definitiv Anzeige erstatten! Was dann von polizeilicher Seite aus ermittlungstaktischen Gründen möglich ist, ist verschieden. Aber der Sache wird natürlich nachgegangen. Prinzipiell ist es aber natürlich ganz, ganz schwer, sein Geld zurückzubekommen. Da bleibt nicht nur der finanzielle Schaden, sondern es ist natürlich auch für die Psyche der Betroffenen ganz schlimm. Wir haben einen sogenannten Opferschutz bei unserer zentralen Prävention. Dort werden die Geschädigten, wenn sie das wünschen, von uns nach solchen Straftaten betreut. Der bei uns angesiedelte Opferschutz versucht den Menschen, die zu uns kommen, vor allem Möglichkeiten aufzuzeigen – auch externe –, also wie sie sich Hilfe suchen können.
SWR Aktuell: Wie sollten Senioren reagieren, wenn sie einen Schockanruf bekommen - im Vergleich zu einer SMS, WhatsApp oder E-Mail?
Busch: Da wäre das eine, was ich erwähnt habe, immer Rückversicherung. Das heißt: nie direkt handeln! Am Telefon immer zuerst mal auflegen, ein bisschen Spazierengehen, den Kopf freimachen und sich überlegen: 'Kann das hier jetzt überhaupt sein?' Wenn möglich, Verwandte, Freunde oder Bekannte mit ins Boot holen, vielleicht zum Nachbar gehen, dem das erzählen. So kommt man eventuell aus diesem Schockzustand raus. Dann kann man wieder klar denken und erkennt den Betrugsversuch. Das ist bei den Telefonbetrügern der wichtigste Tipp, den wir geben können. Sobald Rückfragen kommen vom Geschädigten wird auch ganz schnell aufgelegt. Also: Immer aufpassen und am besten erst mal auflegen und dann schauen, ob da noch mal was kommt.
SWR Aktuell: Wie sind die aktuell gängigen Maschen?
Busch: Der falsche Polizeibeamte mit Geldabholung ist immer noch im Umlauf. Ganz oft ist momentan auch noch die klassische WhatsApp mit 'Mama, ich brauche Geld. Ich habe eine neue Nummer. Ich habe ein neues Konto.' So erzielen die Betrüger tatsächlich immer noch Erfolg. Und da wird dann auch von den Geschädigten schnell gehandelt und ohne Überlegung Geld überwiesen, dass es da zum Schaden kommt. Der klassische Schockanruf ist auch weiterhin weit verbreitet. Die Dunkelziffer der Versuche kennen wir natürlich nicht. Nicht jeder Schockanruf oder jede SMS oder WhatsApp wird uns gemeldet.
Was auch zu großen Vermögensschäden führt, ist das sogenannte Romance Scaming. Das heißt, es wird über Internet, über Partnerbörsen angebandelt, eine Beziehung vorgetäuscht. Meistens von Personen, die vorgeben, dass sie im Ausland leben. Sie bauen über längere Zeit eine Beziehung zu der Person auf. Und dann kommt es irgendwann zu Geldforderungen, damit ein Besuch zu realisieren ist. Wenn Betroffene den Betrug realisieren, ist die Scham natürlich sehr groß gegenüber dem Umfeld und der Polizei. Viele erstatten dann wegen des Schamgefühls keine Anzeige. Das ist natürlich nicht der richtige Weg.
SWR Aktuell: Kommt es in der Westpfalz verstärkt zu Betrugsmaschen?
Busch: Das wäre mir jetzt nicht bekannt. Die gängigen Betrugsmaschen sind deutschlandweit. Gerade bei Telefonbetrügern sind Geschädigte oft im Telefonbuch verzeichnet. Viele haben noch alte Nummern, das heißt vierstellige Rufnummern. Die werden dann sehr oft angerufen, weil die Täter davon ausgehen, dass da ältere Menschen leben. Unser Tipp: sich aus dem Telefonbuch rausnehmen lassen. Wir leben in einer Zeit, in der man das, denke ich, nicht mehr unbedingt braucht. Und wenn man noch eine vierstellige Rufnummer hat, diese ändern lassen.