Aus der Ferne sind es kaum mehr als kleine weiße Punkte, die sich von den grünen und braunen Feldern bei Bruchmühlbach-Miesau abheben. Alexander Weis weiß genau, worum es sich handelt: Eine Population von rund 120 Kranichen hat sich auf dem Boden niedergelassen, um eine Pause auf ihrer Reise in den Süden einzulegen. Alexander Weis ist Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) und beobachtet seit mehr als 20 Jahren Kranichpopulationen in der Region.
„Aktuell sind viele Gruppen unterwegs“, sagt Weis. „Sie fliegen Richtung Spanien oder Nordafrika, um dort zu überwintern.“ So weit, so üblich. Doch in diesem Jahr werden genau diese Rastplätze der Kraniche zur Gefahr. Die Tiere können sich gegenseitig mit dem Vogelgrippe-Virus anstecken. In Rheinland-Pfalz häufen sich derzeit die gemeldeten Fälle.
Vogelgrippe: Große Versammlungen gefährlich für Kraniche
Erst vor wenigen Tagen hat Vogelbeobachter Weis von der Verbreitung des Virus erfahren, mit dem sich auch Kraniche infizieren können. „Ich habe direkt nachgeschaut“, sagt Weis. Drei tote Tiere habe er an einem üblichen Rastplatz gefunden, dem Scheidelberger Woog bei Hütschenhausen. Das Landesuntersuchungsamt hat inzwischen bestätigt, dass die drei Vögel an der Vogelgrippe verstorben sind.
Die 120 Tiere, die Weis am Montag unter die Lupe nimmt, sind wohlauf. „Denen geht’s gut“, sagt Weis gelassen, nachdem er die Kraniche durch Fernglas und Teleobjektiv betrachtet hat. Doch die Gefahr sei nicht vorüber: „Die Vögel ziehen als nächstes zum Lac du Der in Frankreich. Dort versammeln sich bis zu 100.000 Kraniche“, so Weis. Bei großen Ansammlungen wie diesen sei die Infektionsgefahr besonders hoch.
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Fall in der Südwestpfalz bestätigt
In der Südwestpfalz ist laut Kreisverwaltung bereits die Vogelgrippe nachgewiesen worden. Ein bei Mauschbach gefundener Kranich war mit dem Virus infiziert, wie das Friedrich-Loeffler-Institut am Donnerstag bestätigt hat. Ebenso meldet der Landkreis Kaiserslautern am Donnerstag Bestätigungen des Referenzlabors. Um eine Ausbreitung zu verhindern, planen die Kreisverwaltung Südwestpfalz und Kaiserslautern eine Allgemeinverfügung mit Stallpflicht. Der Landkreis Kusel meldet am Montag ebenfalls zwei tote Kraniche, die möglicherweise an der Vogelgrippe verstorben sind.
Insgesamt kann Kranich-Experte Alexander Weis jedoch beruhigen: „Die Kraniche sind nicht gefährdet.“ In den vergangenen Jahren seien die Populationen stetig gewachsen. Demnach seien Verluste zu verkraften. Und dennoch: „in den nächsten Tagen bleibt es spannend.“