Die meisten Azubis, die die Ökumenische Flüchtlingshilfe Oberstadt e.V. (ÖFO) betreut, sind Frauen zwischen 25 und 45 Jahren - nicht wenige alleinerziehende Mütter mit mehreren Kindern. Aber auch Männer sind dabei. Sie kommen zum Beispiel aus der Ukraine, aus der Türkei, aus afrikanischen Ländern. Und eins haben sie alle gemeinsam: "Sie sind hochmotiviert, sie möchten die Ausbildung unbedingt schaffen. Aber die sprachliche Barriere verhagelt ihnen alles", sagt Monika Roth, Ehrenamtliche bei der ÖFO.
Ausbildung trotz Sprachbarriere: 60.000 Euro für Nachhilfe
Nicht nur bei der Sprache setzt das Programm AzubiGO der Ökumenischen Flüchtlingshilfe an. Es begleitet die Auszubildenden auch fachlich, bis sie ihren Abschluss gemacht haben. Die Stadt Mainz fördert das Projekt seit zwei Jahren mit 22.000 Euro jährlich für einen Zeitraum von fünf Jahren. Weil das Programm ausgebaut werden soll, hat Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) am Freitag noch einmal eine Förderung von 60.000 Euro aus städtischen Stiftungsgeldern übergeben.
AzubiGO ist für mich das Idealprojekt, um Menschen zu integrieren.
"Wir unterstützen das Projekt aus zweierlei Gründen", so Schmöller. "Zum einen brauchen wir die Fachkräfte in der Pflege und für unsere Kinder in den Kitas. Zum anderen aus dem tiefen Empfinden und Wissen heraus, dass Menschen Arbeit brauchen, um sich zu integrieren."
Fachkräfte für Mainz: Geflüchtete werden Pflegekräfte und Erzieher
Die Idee hinter AzubiGO: Jeder Auszubildende bekommt eine Bildungsbegleiterin oder einen Bildungsbegleiter. Das sind Menschen mit Fachwissen aus dem jeweiligen Ausbildungsbereich, die in individuellen Terminen mit den Azubis ihr Unterrichtsmaterial durcharbeiten und mit ihnen Deutsch üben. Besonders Azubis in den Bereichen Pflege und Erziehung werden gerade unterstützt.
Kali Hamid aus Äthiopien macht gerade parallel seinen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung zum Pflegehelfer. Der 23-Jährige ist seit fast drei Jahren in Deutschland. Ohne die Hilfe seiner Bildungsbegleiterin wäre es sehr schwer für ihn, weiterzukommen. "Die Lehrer in der Schule haben keine Zeit, mir alles noch einmal zu erklären und alle meine Fragen zu beantworten", sagt Kali Hamid.
Voller Terminkalender: Ausbildung, Nachhilfe, Arbeiten
"Deswegen mache ich bei AzubiGO mit. Wenn ich hierher komme, verstehe ich es besser. Das ist sehr wichtig für mich." Innerhalb seiner Ausbildung arbeitet er auch in einem Pflegeheim in Ingelheim und bei einem ambulanten Pflegedienst in Gau-Algesheim. "Am Anfang war es nicht einfach für mich die alten Leute zu verstehen, aber mittlerweile geht es", erzählt Kali Hamid. "Es gefällt mir sehr gut dort, es ist wie Familie."
Das Seniorenheim ist für mich wie Familie.
AzubiGO: Niederschwellig bei Ausbildung unterstützen
"In der Schule schämen sich die Auszubildenden oft, nachzufragen", sagt Nadia El Harchi. Sie arbeitet als Bildungsbegleiterin bei der ÖFO. "Bei mir haben sie keine Hemmungen."
El Harchi selbst hat einige Semester Medizin studiert und ein Zertifikat als Lehrerin "Deutsch als Zweitsprache". Sie begleitet sieben Azubis aus dem Bereich Pflege, trifft sich manchmal mehrmals die Woche mit ihnen. Dass sie selbst mit acht Jahren aus Marokko nach Deutschland gekommen ist, akzentfrei Deutsch spricht und gut ausgebildet ist, macht ihren Azubis zusätzlich Mut.
Sie sind gewillt und das finde ich schön. Wenn jemand kommt, der wirklich diesen Willen hat, dann gebe ich noch mehr Herzblut rein.
Bildungsbegleiter gesucht
34 Auszubildende machen zurzeit bei AzubiGO mit. Die ersten stehen kurz vor ihrem Abschluss und machen damit ihren Platz im Förderprogramm frei. Bis zu 40 könnten insgesamt aufgenommen werden. Dafür braucht es allerdings noch mehr Bildungsbegleiter, heißt es von der ÖFO. Studenten oder Fachkräfte aus den Bereichen Erziehung oder Pflege, auch in Elternzeit oder Rente, können sich bei der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Oberstadt melden.