Weiterhin lückenhaft

Nach Ahrtalflut - Immer noch zu wenige Alarmpläne im Katastrophenschutz in RLP

Der Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz weist immer noch deutliche Lücken auf. So fehlen in einigen Landkreisen und Städten weiterhin Alarm- und Einsatzpläne etwa für Waldbrand, Stromausfall und Hochwasser.

Teilen

Stand

Von Autor/in Dirk Rodenkirch

Selbst in dem von der Ahrflut betroffenen Landkreis Ahrweiler gibt es vier Jahre nach der Katastrophe noch keine Alarm- und Einsatzpläne (AEP) für Hochwasser, die Einsatzkräften vorgeben, was im Ernstfall zu tun ist. Das geht aus einer Antwort des rheinland-pfälzischen Innenministeriums auf eine Anfrage des fraktionslosen Landtagsabgeordneten Michael Frisch hervor.

Bei der jüngsten Abfrage durch das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz im Juli lagen in insgesamt 10 der 36 Kreise und kreisfreien Städte im Land keine solche Pläne vor, so das Innenministerium.

Kreisverwaltung Ahrweiler lehnt Stellungnahme ab

Der Kreis Ahrweiler lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Im Mai vergangenen Jahres hatte Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) im SWR-Interview erklärt: "Die Alarm- und Einsatzplanungen sind so gut wie fertig." Bis wann die Pläne nun vorliegen werden, ist offenbar weiter unklar.

Bei der Ahrflut im Juli 2021 war die damalige Kreisverwaltung in Ahrweiler mit der Bewältigung der Katastrophe heillos überfordert. Im nachhinein stellte sich heraus, dass keine Alarm- und Einsatzpläne vorlagen und die technische Einsatzleitung insgesamt schlecht aufgestellt und ausgerüstet war.

RLP

Unwetterwarnung des DWD aufgehoben RLP von heftigen Unwettern weitgehend verschont geblieben

Eine Wetterfront mit Starkregen hat in Teilen von Rheinland-Pfalz am Dienstag zu Feuerwehreinsätzen geführt. Die befürchteten schweren Unwetter blieben aber aus.

Wetterstudio SWR4

Ebling: Lücken bei Alarm- und Einsatzplänen müssen geschlossen werden

Innenminister Michael Ebling (SPD) sagte dem SWR, die Landkreise seien bei der Neuaufstellung des Katastrophenschutzes gut unterwegs, um die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Brand- und Katastrophenschutz umzusetzen. "Am Ende müssen die Lücken bei den Alarm- und Einsatzplänen auch geschlossen werden", so Ebling. Er gehe davon aus, dass dies auch bald geschehen werde. Eine Frist dafür nannte der Minister nicht.

Beim Landkreise Ahrweiler sehe er, dass dieser nahezu die gesamte Infrastruktur für Brand- und Katastrophenschutz wieder aufzubauen hatte. "Vor dem Hintergrund einer Herkulesaufgabe kann ich gut verstehen, dass man nicht überall schon alles hat." Er rechne damit, dass der Kreis auch die Lücke bei den Alarm- und Einsatzplänen sehr schnell werde schließen können. Im kommenden Juli werde der Stand der Umsetzung wieder abgefragt, sagte Ebling.

Mainz

Abstimmung im Landtag Lehren aus der Ahrtalflut - neues Katastrophenschutzgesetz beschlossen

Knapp vier Jahre nach der Ahrtalflut hat der Landtag ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz verabschiedet. Am Entwurf der Landesregierung gab es bis zuletzt Kritik.

Der Nachmittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Frisch bezeichnet Fehlen von Alarmplänen als skandalös

Der Landtagsabgeordnete Frisch kritisiert, dass vielerorts keine Alarm- und Einsatzpläne für Hochwasser, Waldbrand oder Stromausfall vorliegen. "Geradezu skandalös ist es, dass in den von der Flut besonders betroffenen Landkreisen mehr als vier Jahre nach der Katastrophe immer noch kein AEP Hochwasser existiert." Insgesamt habe sich in diesem Bereich seit November 2023, also in fast zwei Jahren, kaum etwas getan, so Frisch.

Gleiches gelte für das Szenario Stromausfall. Hier existiere in fast 40 Prozent der Städte und Landkreise keine ausreichende Planung für solche Situationen. Frisch fordert die Landesregierung auf, dem Thema Alarm- und Einsatzpläne höchste Priorität einzuräumen: "Es kann nicht sein, dass Rheinland-Pfalz auf Katastrophen auch im Jahr 2025 immer noch nicht ausreichend vorbereitet ist."

 

2.097 Seiten Abschlussbericht Ignoranz und Staatsversagen - Scharfe Worte der Opposition im Bericht des Flut-Ausschusses

Auf 2.097 Seiten ist jetzt für jeden nachlesbar, was der U-Ausschuss zur Flutkatastrophe im Ahrtal herausgearbeitet hat. In der Bewertung der Erkenntnisse liegen die Fraktionen weit auseinander.

Vier Jahre nach der Flutkatastrophe Erinnerungen, Verlust, Wiederaufbau: So geht es Betroffenen der Ahrflut heute

Die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal jährt sich am 14. Juli zum vierten Mal. Wir haben mit vier Betroffenen gesprochen und ihnen vier Fragen gestellt.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Dirk Rodenkirch
Dirk Rodenkirch

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!