Im 19. Jahrhundert war Bad Ems ein europaweit angesagter Kurort. An der Lahn tummelten sich die Prominenten, mit dem Bau der Eisenbahn kamen auch viele Besucher aus dem Ausland. Vor allem in Russland war Bad Ems beliebt. Zar Alexander II. hielt sich regelmäßig in der Stadt auf.
Zwar hatte es in Bad Ems schon zuvor Ideen für den Bau einer russischen Kirchen gegeben, aber erst die großzügige Spende des Zaren brachte damals genug Geld ein, um die Idee wahr werden zu lassen.
Kirchenbau ist Teil des Weltkulturerbes "Great Spas of Europe"
Heute ist die Kirche Teil des Weltkulturerbe-Ensembles in Bad Ems. Sie liegt direkt an der Lahn, gegenüber vom Kurviertel. Mit ihrer goldenen Kuppel und den blauen Zwiebeltürmen ist sie nach Angaben der Kirchengemeinde an die damalige Kathedrale von Moskau angelehnt. Sie sei eine der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirchen in Rheinland-Pfalz, sagt Stadtbürgermeister Oliver Krügel (CDU).
Nach Angaben der Gemeinde war die Kirche im 19. Jahrhundert eine Privatkapelle, geweiht der heiligen Alexandra. Gleichzeitig erinnert sie insbesondere auch an die Kaiserin Alexandra Fjodorowna, sie war die Ehefrau von Zar Nikolaus I.
Seit rund 25 Jahren wieder Gemeindebetrieb
Nach Angaben vom heutigen Diakon Wassily Kotykov gibt es seit rund 25 Jahren wieder regelmäßige Gottesdienste in der Kirche. Das 150-jährige Bestehen ihrer Kirche hat die Gemeinde am Mittwoch mit einem Festgottesdienst zusammen mit dem Erzbischof für Westeuropa, Michel Donskoff, gefeiert. Er war dafür extra aus Genf angreist.
Wir freuen uns, dass wir das erleben dürfen.
"150 Jahre passieren auch nicht jedes Jahr. Wir freuen uns, dass wir das erleben dürfen", sagte Diakon Wassily Kotykov. Etwa 300 Mitglieder hat seine Gemeinde mittlerweile - und sie wachse sogar noch. Das könne man daran sehen, dass bei großen Festen Menschen sogar vor der Kirche dem Gottesdienst folgen müssten.
Russen und Ukrainer sind Teil der Gemeinde
Die russisch-orthodoxe Kirche in Russland steht in der Kritik, weil sie den Angriffskrieg auf die Ukraine unterstützt. In Bad Ems sieht die Situation jedoch anders aus: Hier feiern Russen und Ukrainer gemeinsam den Gottesdienst. Zu Beginn des Krieges hatte die Gemeinde auch mehrere Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Diakon Kotykov selbst stammt ebenfalls aus der Ukraine.