Friedhelm Kurz bahnt sich seinen Weg durch dichte Pflanzen, um ans Ufer des Saynbachs bei Wölferlingen im Westerwald zu gelangen. Er hat einen Eimer dabei, darin schwimmen zahlreiche junge Westerwaldforellen. Die kleinen Fische sind erst wenige Monate alt und nur einige Zentimeter groß.
"Die Stelle hier ist ideal, hier gibt es Schatten und es liegt Totholz im Bach, da können sich die jungen Forellen gut verstecken", erklärt Friedhelm Kurz. Er ist einer von mehreren ehrenamtlichen Mitarbeitern der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Saynbach.
Kurz ist auch für die Zucht der Forellen zuständig. Die Arge hat dafür ein eigenes Zuchthaus. "Wir füttern die jungen Fische dort mit Futterautomaten, damit sie uns Menschen nicht mit dem Futter verbinden", so Kurz. So behalten die Fische ihren natürlichen Fluchtreflex. Sie verstecken sich, sobald sie einen Schatten sehen.
Bereits tausende Forellen im Westerwald ausgesetzt
Jedes Jahr züchten die Ehrenamtlichen der Arge Saynbach tausende Forellen, um sie am Saynbach und anderen Bächen auszusetzen. Unterstützt werden sie dabei von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. So wollen sie die Population stärken und erhalten. "Nur etwa 20 Prozent der jungen Fische überleben, das ist völlig normal", erklärt Axel Dietz von der Arge. Der Rest wird etwa von Graureihern, Schwarzstörchen oder anderen Fischen gefressen.
"Die Westerwaldforellen sind hier gut angepasst, die kommen mit den Jahreszeiten im Westerwald gut zurecht", weiß Dietz. Der Saynbach ist zum Aussetzen der gezüchteten Jungfische besonders geeignet, weil der Bach nur noch wenige Stauwehre hat. Die Fische können im Bach also weitestgehend ungehindert wandern.
Auch Kinder dürfen Forellen mit aussetzen
Für den Tag der Aussetz-Aktion haben die Mitglieder der Arge Saynbach auch einigen Eltern aus den umliegenden Dörfern Bescheid gesagt. Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, auch einige Forellen in den Bach einzusetzen. "Fische leben ja meist im Verborgenen unter Wasser, so bekommen die Kinder sie mal zu sehen", sagt Axel Dietz.
Außerdem können sie so die Menschen für die gefährdete Fischart sensibilisieren. Wenn den Anwohnern zum Beispiel negative Veränderungen am Bach auffallen, würden sie sich vielleicht eher bei der Arge Saynbach melden und Bescheid sagen. So ein Netzwerk sei wichtig, schließlich könnten sie nicht immer den gesamten Bachlauf selbst im Blick behalten.
Klimawandel setzt Westerwaldforellen zu
Trotz des bisherigen Erfolgs ihrer Zuchtbemühungen blicken Axel Dietz und Friedhelm Kurz auch mit etwas Sorge in die Zukunft. Denn auch im Westerwald werden die Sommer tendenziell trockener und wärmer.
"Wenn es auf diesem Level bleibt, haben wir denke ich gute Chancen am Saynbach." Eine Prognose für die Zukunft sei aber schwierig. "Wenn die Wassertemperaturen hochgehen, werden es die Westerwaldforellen hier zunehmend schwerer haben", sagt Friedhelm Kurz.