Die Hühner sind nach Angaben der Initiative rund 21 Monate alt. Es seien Legehennen, die sonst auf dem Schlachthof gelandet wären. Weil sie mittlerweile nicht mehr so viele Eier legten, würden sie gegen jüngere Hennen ausgetauscht. Die Rettungsaktion sei mit dem Besitzer des Bodenhaltungsbetriebs abgesprochen gewesen.
Der Einsatz im Westerwald war den Angaben zufolge akribisch geplant - auch wegen der grassierenden Vogelgrippe. Diesmal waren laut Sigrun Müller von PLAnbe nur rund 15 Personen beteiligt, die alle mit Schutzkleidung ausgestattet waren. Die Retter rückten an, als die Tiere schlafen gingen: "Schlafende Hennen lassen sich ruhiger und stressfreier fangen", so Sigrun Müller.
Tierschützer sammeln schlafende Hühner ein
Gearbeitet wurde laut Müller in Teams. Die sogenannten "Stallläufer" haben die Hennen vorsichtig von den Stangen gehoben. Ein weiteres Team, die "Zähler", achtete darauf, dass die vorgeschriebene Zahl an Vögeln pro Transport-Box nicht überschritten wird. Ein erfahrener Kontrolltrupp tastete die Tiere ab. Kranke und geschwächte Hühner wurden separiert und direkt medizinisch versorgt.
Wie Müller berichtet, waren viele der rund 800 Tiere in keinem guten Zustand - viele hatten kaum oder nur lückenhaftes Gefieder und Verletzungen an den Krallen. Nach der Untersuchung wurden die Boxen zu den Fahrzeugen gebracht, mit denen die Hennen anschließend zu Pflege- oder Endplätzen gebracht wurden.
Laut Müller konnten rund 500 Tiere bereits im Vorfeld vermittelt werden. Die geretteten Hühner kommen so unter anderem bei Privatleuten oder auch Lebenshöfen unter. Der Rest wartet noch auf einem Hof, mit dem die Initiative zusammenarbeitet, auf die Vermittlung.
PLAnbe hat schon 2.500 Hühner gerettet
Die Initiative PLAnbe hat sich Anfang des Jahres neu gegründet und seitdem eigener Auskunft nach in fünf Aktionen schon rund 2.500 Hühner gerettet. Unterstützt wird sie durch ein deutschlandweites Netz an freiwilligen Helfern. Finanziert wird die Arbeit überwiegend durch Spenden und Eigenmittel - bei stetig steigenden Ausgaben für Futter, Transport und Tierarztkosten.
Auf dem Hof im Westerwald war die Initiative bereits zum zweiten Mal. Der Kontakt zu den Betrieben entsteht aktiv: "Wir fragen per E-Mail oder Telefon, ob die Hennen an uns übergeben werden können, bevor sie zum Schlachthof fahren". Eine Entschädigung erhalten die Betriebe nicht für die Hühner. Laut Sigrun Müller macht es für die Betriebe oft keinen Unterschied, ob sie die Tiere dem Schlachter oder den Tierschützern übergeben. "Die Tiere sind in der Regel so geschwächt, dass sie kaum mehr Geld einbringen. Der Bauer legt da eher noch drauf."
Tierschützer wollen über Zustände in Betrieben aufklären
Ziel der Initiative ist nicht nur die Rettung von Legehennen, sondern auch die Aufklärung der Verbraucher über das Lebensmittel Ei. "Viele Verbraucher lassen sich durch Begriffe wie 'Freiland' oder 'Bio' täuschen", erklärt die Organisatorin. Auch in der Biolandwirtschaft würden große Bestände gehalten, in denen schwache Tiere ähnliche Krankheiten und Verhaltensstörungen entwickeln wie in anderen Haltungsformen. Die Initiative ruft dazu auf, sich dieser Realität bewusst zu werden - und das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.