Dieser Förderbescheid hat es in sich: Etwa 142 Millionen Euro aus dem Wiederaufbaufonds hatte Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) im Gepäck. Die bislang bei weitem teuerste Einzelfördermaßnahme des Wiederaufbaus. "Und ein Leuchtturm-Projekt," wie sie bei der Übergabe im Rathaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler betont. "Die neue Anlage wird deutschlandweit ganz neue Maßstäbe für die Abwasserreinigung setzen."
Neue Kläranlage im Ahrtal wird fast energie-autark
So sieht das auch der Empfänger des Schecks, der Abwasserzweckverband "Untere Ahr". Kläranlagen würden heutzutage normalerweise praktisch nie auf der grünen Wiese neu erbaut, sagt Martin Hoffmann, der Technischer Werkleiter des Zweckverbands. Stattdessen würden bestehende Anlagen umgebaut oder nachgebessert. "Wir haben mit dem Neubau die Möglichkeit, die Technik neu zu denken und müssen kaum bauliche Kompromisse eingehen."
Es ist atemberaubend, an so etwas teilnehmen zu dürfen.
Es sei für jeden Ingenieur einmalig, eine solche Gelegenheit zu bekommen, sagt er im SWR-Interview. "Es ist atemberaubend, an so etwas teilnehmen zu dürfen." Eine Besonderheit sei die Energie-Effizienz der neuen Anlage, so Martin Hoffmann weiter. Sie sei zwar nicht komplett energie-autark - das würde bedeuten, dass die Kläranlage gar keinen Stromanschluss benötigen würde. Aber in der Bilanz wird mindestens genauso viel Energie erzeugt, wie verbraucht.
Photovoltaik und Klärgas-Kraftwerk für die neue Kläranlage
Erreicht werde das durch ein Zusammenspiel von Klärgas und Photovoltaik. Denn bei der Erzeugung von Klärgas für die geplanten Blockheizkraftwerke wird viel Wärme benötigt. Tagsüber wird die Energie dafür von großflächige Solarpanelen zum Beispiel über den Klärbecken erzeugt. Außerdem kommen Wärmespeicher zum Einsatz.
Nachts werden dann die Blockheizkraftwerke zugeschaltet, um die benötigte Wärme zu erzeugen. Um wirklich keine Energiequelle ungenutzt zu lassen, wird am Ausgang der neuen Anlage - dort, wo das geklärte Wasser wieder abgegeben wird - eine Wasserkraftturbine installiert. Um dieses Zusammenspiel optimal zu steuern, setzt die neue Kläranlage unter anderem auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Neue Kläranlage steht nicht mehr im Überflutungsgebiet der Ahr
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der neue Standort. Die Lage in Sinzig direkt an der Ahr ist der alten Anlage zum Verhängnis geworden, die Zerstörungen auf dem ganzen Gelände waren verheerend. Der neue Standort wird zwischen Remagen und dem Ortsteil Kripp liegen. Nicht an der Ahr, sondern am Rhein und deutlich weiter vom Ufer entfernt. Wenn alles nach Plan läuft, werden Ende des Jahres die Genehmigungsanträge eingereicht. Schon vorab wird es einige Arbeiten vor Ort geben, zum Beispiel eine Straßenanbindung an das Gelände.
Baubeginn für 2027 geplant
Der tatsächliche Baubeginn der Anlage ist für 2027 vorgesehen, bis 2030 dann der Bauabschluss. Nach einer Testphase kann dann die alte Kläranlage in Sinzig außer Betrieb genommen und zurückgebaut werden. Künftig wird die neue Anlage dann auch die Abwässer aus Mayschoss klären, auch die Kläranlage dort wurde bei der Flut zerstört.
Zum neuen Abwasserkonzept an der Ahr gehört schließlich auch die Kläranlage aus Dümpelfeld, die ebenfalls komplett neu gebaut wird und in Zukunft dann das Abwasser aus Adenau und Altenahr mit übernehmen wird. Auch diese Anlage wird hochmodern, allerdings deutlich kleiner, weswegen sie "nur" etwa 26 Millionen Euro kosten soll.