Faire Kamelle und weniger Plastik

So soll der Karneval im Norden von Rheinland-Pfalz nachhaltiger werden

Bei Karnevalsumzügen regnet es tonnenweise Konfetti und Süßigkeiten. Zurück bleibt oft eine Menge Müll. Wie es auch nachhaltiger geht, zeigen Karnevalsvereine aus der Region Koblenz.

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Für echte Karnevalisten gehören Konfetti und Kamelle zu einem Umzug einfach dazu. Wenn die tollen Tage vorbei sind, zeigt sich auf den Straßen aber regelmäßig, wie verschwenderisch diese Tradition ist: Nicht alles, was vom Wagen geworfen wird, wird auch aufgefangen.

Dazu kommen achtlos weggeworfene Verpackungen, Luftschlangen und Konfetti. Abschaffen möchte das Kamellewerfen bei den Karnevalsgesellschaften aber keiner. Stattdessen haben sich die Vereine andere Lösungen überlegt, um nachhaltiger zu werden.

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Weniger Plastik und Verpackungsmüll auf den Straßen

Leere Kartons und Verpackungen, in denen das Wurfmaterial verpackt ist, werden bei Umzügen oft von den Wagen geworfen und bleiben dann am Straßenrand liegen. Das lässt sich verhindern, indem die Süßigkeiten vor Beginn des Zuges in Kisten umgefüllt werden.

So bleibt der Müll in der Wagenhalle und kann dort später getrennt und fachgerecht entsorgt werden. Viele Vereine sind bereits auf diese Lösung umgestiegen, zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK).

Außerdem verzichtet sie mittlerweile nach eigenen Angaben komplett auf Kunststoffschlangen. Hintergrund ist laut Zugmarschall Olav Kullak, dass diese sich in den rotierenden Besen der Straßenreinigungsfahrzeuge verfangen und händisch gelöst werden müssen. Daher seien auf den Koblenzer Zügen nur Konfetti und Luftschlangen aus Papier erlaubt.

Ähnlich halten es auch die Karnevalisten in Andernach, sagt Jürgen Senft, Präsident des Festausschusses des Andernacher Karnevals. Er habe aber auch den Eindruck, dass selbst Papierkonfetti immer weniger geworfen werde. In ein paar Jahren sei das vermutlich gar kein Thema mehr, meint Senft.

Oberlahnstein und Mayen setzen auf fair gehandelte Süßigkeiten

Die Stadt Mayen setzt im Straßenkarneval auch auf fair gehandelte Kamelle. So sollen laut Stadtverwaltung bei der Rathauserstürmung am diesjährigen Schwerdonnerstag etwa ein Viertel der Fruchtgummis und der Schokolade von fairen Herstellern sein, sagt die Stadtverwaltung. Damit will die Stadt Kleinbauern in Afrika, Lateinamerika und Asien unterstützen. Fairer Handel soll sicherstellen, dass sie für ihre Produkte angemessene Preise erhalten.

Auch das Carneval Comité Oberlahnstein (CCO) bezieht einen Teil seines Wurfmaterials nach eigenen Angaben aus dem ortsansässigen "Eine-Welt-Laden". Und das schon seit mehr als zwanzig Jahren, sagt der CCO-Vorsitzende Helmut Hohl. Etwa ein Zehntel ihrer Kamelle sei fair gehandelt. Ebenso wie sämtliche Präsentkörbe, die der Verein für besondere Anlässe kauft, beispielsweise runde Geburtstage von Mitgliedern.

Die Lahnsteiner Karnevalisten sind stolz darauf, dass sie als erster Verein in Rheinland-Pfalz Teil der Aktion "Jecke Fairsuchung" waren. Die höheren Preise für die fair gehandelten Produkte nehme das CCO in Kauf, weil auch die Erzeuger etwas davon hätten. "Ich glaube, wenn viele Vereine dem Beispiel folgen würden, wäre das eine ganz schöne Sache", sagt Helmut Hohl.

Koblenzer Karnevalisten werfen hochwertige Kamelle

Ausschließlich auf faire Kamelle zu setzen, hält die AKK für unrealistisch: "Das fällt ein bisschen schwer, weil die um einiges teurer sind", sagt Zugmarschall Olav Kullak. Auch die Siegel im Bereich fair gehandelter Waren seien aus seiner Sicht nicht ausreichend vereinheitlicht und durchschaubar. Zudem habe seine Erfahrung gezeigt, dass No-Name-Süßigkeiten oftmals auf der Straße liegen bleiben würden.

Mit der Hochwertigkeit unserer Materialien tragen wir dazu bei, dass der Müll am Straßenrand deutlich zurückgeht.

Das sei nicht nachhaltig und zudem ärgerlich für die Vereine, die das Wurfmaterial bezahlten, sagt Kullak: "Jeder, der auf dem Wagen steht, ist selbst dafür verantwortlich, das zu finanzieren. Dann möchte man natürlich auch, dass das aufgehoben wird." Daher ist er der Meinung, dass es besser ist, Markenprodukte als Wurfmaterial zu verwenden. Die seien bei dem Zugpublikum einfach beliebter. "Mit der Hochwertigkeit unserer Materialien tragen wir dazu bei, dass der Müll am Straßenrand deutlich zurückgeht", sagt Kullak. Das habe die Straßenreinung der AKK so auch in den letzten Jahren immer wieder bestätigt.

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