Schon am frühen Freitagmorgen versammeln sich die ersten Interessierten vor dem extra aufgestellten Zelt am Alten Markt in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Fotograf Ruben Timman vom "Museum of Humanity" nimmt sich für jedes seiner Models sehr viel Zeit. Zum Auflockern, wie er sagt, aber auch, um die Geschichte der Menschen besser zu verstehen. Was ihnen bei der Flutkatastrophe widerfahren ist und wie sie seitdem damit umgehen.
Jedes Gesicht der Flutkatastrophe soll eine Geschichte erzählen
Jeder der Teilnehmenden hat seine eigenen Erinnerungen an die Flutnacht, beziehungsweise die Tage und Wochen danach. Und alle sind hier, um diese Erinnerungen zu teilen. Da ist zum Beispiel Eberhard Schimansky, fast 90 Jahre alt. Er erzählt, wie die erste Flutwelle ihn und seine Frau im Schlafzimmer in ihrer Wohnung in Ahrweiler überrascht hat.
Ich habe es mit aller Kraft versucht, aber ich konnte sie nicht halten.
Seine Frau und er wurden von der Welle erfasst. Er hielt ihre Hände und versuchte sie über Wasser zu ziehen. Aber die Fluten rissen sie aus seinen Händen. "Ich habe es mit aller Kraft versucht, aber ich konnte sie nicht halten," erzählt er mit Tränen in den Augen. "60 Jahre Ehe und in einer Sekunde ist alles weg."
Hilfen laufen Ende Juni aus Betroffene der Flutkatastrophe müssen sich jetzt beeilen
Noch immer leben die Menschen in der Eifel mit den Folgen der Flutkatastrophe im Jahr 2021. Beratungsstellen warnen: Wer Hilfe braucht, sollte die Frist nicht verstreichen lassen.
Alena Ebben ist auch gekommen und ihre Geschichte beginnt eigentlich erst wenige Tage nach der Flutkatastrophe. Beim Schlamm-Schippen erleidet die junge Frau, Mitte 30, zwei Schlaganfälle und leidet seitdem unter einer chronischen Erkrankung.
Oder Thomas Bähr - er war in der Flutnacht nicht zuhause, dafür aber seine Frau mit ihren pflegebedürftigen Eltern. "In den ersten Stunden gab es keine Chance, ins Ahrtal zu kommen", erinnert er sich. Er habe alles nur in Livetickern verfolgen können. "Nichts tun zu können, nicht helfen zu können… das war das Schlimmste."
Fotoausstellung zur Flutkatastrophe soll auch Hoffnung machen
Diese und ähnliche Geschichten gehören zur Flutkatastrophe dazu. "Aber sie sind nicht alles", sagt Fotograf Ruben Timman. Er und das "Museum of Humanity" waren schon überall auf der Welt in Krisenregionen unterwegs und haben dort ähnliche Projekte umgesetzt. "Wir wollen bewusst nicht die Katastrophe zeigen, sondern die Menschen, die in diesen Katastrophen Stärke zeigen. Die trotzdem hoffen und träumen."
Die fertige Fotoausstellung soll am 14. Juli als Freiluftausstellung an vier Stellen entlang der Ahr eröffnet werden. Sie zeigt die Porträts der Flutkatastrophe. Aber sie erzählt gleichzeitig auch die Geschichten hinter den Gesichtern der Flut. Der zweite Foto-Termin ist am Samstag (25. April) am Bahnhof Altenahr.