Erhaben ragt der Kirchturm der Rosenkranzkirche über die Stadtmitte von Bad Neuenahr - ein Hingucker seit 125 Jahren für alle, die durch den Ort spazieren.
Fast fünf Jahre hat es nun gedauert, bis die Kirche wiedereröffnet wurde. Dekan Peter Strauch kann es kaum glauben, dass es endlich so weit ist. Als er sein Amt als Dekan der Pfarrei knapp zwei Jahre nach der Flut angetreten hat, war die Rosenkranzkirche noch immer in einem desaströsen Zustand.
"Der Boden, die Holzpodeste waren rausgerissen, also man sah da die Fundamente. Und darauf stand ein Sammelsurium von Stühlen, um sie nutzen zu können. Schön ist anders", erzählt er. Wie so viele Gebäude und Kirchen wurde auch die Rosenkranzkirche in der Flutnacht von den Wassermassen eingenommen. Dadurch wurden Böden abgesenkt, Fliesen und Putz aufgerissen und die historische Holzeinrichtung schwer vom Wasser gezeichnet. Alles war voller Schlamm.
Kirchensanierung dauerte länger als zunächst angenommen
Aber der Dekan musste sich noch knapp drei weitere Jahre gedulden: Zweimal musste die Wiedereröffnung verschoben werden. Erst hatte man es mit einer Teilsanierung versucht, sich dann aber doch für die Vollsanierung entschieden. Rund 70 Unternehmen und Handwerker waren beteiligt. All das führte zu Verzögerungen.
Rund 2,5 Millionen Euro hat die Restaurierung und Sanierung bisher gekostet, sagt Strauch. Aber es seien noch nicht alle Rechnungen bezahlt. Deshalb könne er die genauen Kosten noch nicht endgültig beziffern. Die Gelder stammen aus verschiedenen Quellen. Ein Großteil kommt demnach aus dem Wiederaufbaufonds des Landes Rheinland-Pfalz, der für das Ahrtal nach der Flut geschaffen wurde. Viel Geld, aber die Sanierung war auch eine Herausforderung.
Altes Handwerk war sehr gefragt
"Es ist eine künstlerische Ausstattung, die man auch nicht von der Stange bekommt. Es waren hier Künstler und Spezialisten am Werk, die Kirchenheizung." Besonders anspruchsvoll seien die Malereien mit den Schablonenbildern gewesen. Auch die Kirchenbänke musste maßangefertigt werden. Das war auch für Schreiner Michael Frömbgen keine alltägliche Arbeit.
Es sind viele kleine Schritte nötig, aber es wird. Und das stimmt einen dann auch wieder positiv.
Wenige Tage vor der Wiedereröffnung schraubten er und sein Auszubildender die letzten Kirchenbänke fest. Der alte Fußboden sei krumm und schief, sagte er: "Das Ganze dann einigermaßen auszugleichen und wieder gerade zu stellen - also, das war schon viel Arbeit." Für ihn ist die Kirchensanierung auch persönlich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. "Ich bin selber betroffen und habe jetzt die Sanierung meines Hauses abgeschlossen. Es sind viele kleine Schritte nötig, aber es wird. Und das stimmt einen dann auch wieder positiv."
Bischof kommt zur feierlichen Wiedereröffnung
Für die feierliche Wiedereröffnung war Bischof Stephan Ackermann geladen und der Tag wurde musikalisch durch die Chöre MFC Bad Neuenahr und die Cäcilienchöre Heimersheim begleitet. Außerdem gab es ein Rahmenprogramm, unter anderem mit Führungen durch die frisch sanierte Kirche. Neben der Wiedereröffnung wurde auch gleichzeitig das 125-jährige Bestehen der Rosenkranzkirche gefeiert.
Die Wunden, die die Flut in die Stadt geschlagen hat, heilen langsam.
Die Wiedereröffnung sei ein bewegender Moment für die Menschen im Ahrtal, meint Dekan Peter Strauch: "Viele Leute lieben ihre Kirche. Es ist ihre Heimat. Sie sind hier getauft worden. Sie sind Jahre, Jahrzehnte, Sonntag für Sonntag hier hingegangen, und sie werden sich freuen, endlich wieder ihre Heimat zurückzuhaben. Die Wunden, die die Flut in die Stadt geschlagen hat, heilen langsam."