Harald Prokscha hat die Initiative weitergeben.org mitgegründet. Die bundesweit aktive Plattform bewahrt noch gute, aber gebrauchte Möbel aus Büros und Schulen vor dem Sperrmüll. Denn jedes Jahr landen Millionen von Möbelstücken im Müll, obwohl andere sie noch gut gebrauchen könnten. Weitergeben.org will die Lebensdauer von Möbeln verlängern und so die Verschwendung von Ressourcen verringern. Das ist ein Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz.
Am Samstag, den 28. Februar 2026, gibt es ab 10 Uhr eine solche ReUse-Aktion in Koblenz. Dort werden zwei große Schiffscontainer geöffnet, in die ein Autozulieferer gebrauchte Büromöbel eingelagert hatte. Diese werden jetzt für karitative Zwecke abgegeben. Wer sich für die Gebrauchtmöbel interessiert, sollte sich bitte vorher anmelden.
SWR Aktuell: Können Sie sagen, wie viele Möbel das sind und was das alles ist?
Harald Prokscha: Es gibt leider kein Inhaltsverzeichnis. Das ist unsere große Herausforderungen dabei. Wir rechnen mit etwa 200 bis 250 Gegenständen. Wir haben nur Fotos davon, wie die Büros vorher ausgesehen haben, bevor die Möbel in die Container eingeräumt wurden. Das heißt, wir haben auch keine Maßangaben von den Möbeln.
SWR Aktuell: Wer ist denn jetzt eingeladen, zu Ihnen zu kommen und zu gucken, ob er was davon brauchen kann?
Prokscha: Vereine und gemeinnützige Einrichtungen. Möglichst lokal am liebsten. Soll heißen: Aus der Stadt Koblenz oder den drei angrenzenden Landkreisen. Ein Sozialkaufhaus aus Neuwied, der Hospizdienst Nassau und die AWO haben sich schon bei uns gemeldet.
SWR Aktuell: Und die können einfach kommen und mitnehmen, was sie brauchen können? Oder wie funktioniert das?
Prokscha: Super wäre, wenn die Vereine sich vorher melden und sagen, was für einen Bedarf sie haben. Dann können wir schon ungefähr Auskunft geben, mit welchen Arten von Möbelstücken wir rechnen.
SWR Aktuell: Dieses Unternehmen aus Koblenz ist auf Sie zugekommen und warum geben die Ihnen diese Möbel?
Prokscha: Richtig, das Unternehmen kam auf uns zu, so wie im Grunde alle Unternehmen und Behörden in Deutschland auf uns zukommen. Die stehen halt immer vor der gleichen Herausforderung. Die Gegenstände sollen weg, da gibt es ein Zeitlimit. Und weil sie meistens nicht wissen, was sie damit machen sollen, landen die Möbel dann letztendlich in der Entsorgung. Obwohl die meisten Möbel, die wir bekommen, überhaupt keine Schäden haben.
SWR Aktuell: Überprüfen Sie die Möbel vorher? Oder ist das für Sie auch wie so eine kleine Überraschungsbox, wenn der Container geöffnet wird, was da drin ist?
Prokscha: Normalerweise haben wir sehr viel mehr Informationen. Das haben wir in dem Fall nicht. Da müssen wir uns überraschen lassen. Wir haben eine Vereinbarung, dass Weitergeben.org die Gegenstände nicht nehmen muss, wenn der Inhalt beschädigt ist. Ansonsten haben wir die Zusage abgegeben, dass wir uns um die komplette Räumung der Gegenstände kümmern. Das heißt: Der Worst Case wäre, wenn irgendwas übrig bliebe und wir keinen Abnehmer fänden. Dann müssten auch wir die Sachen in die Entsorgung geben. Wir hatten aber auch schon manchmal den Fall, dass beispielsweise Handwerker oder Schreinereien einzelne Möbelteile haben wollten. Dann wurde nicht das gesamte Stück genutzt, aber wenigstens Teile davon.
SWR Aktuell: Können Sie sagen, wie viele Möbel weitergeben.org in acht Jahren weitergegeben hat?
Prokscha: Wir sind bestimmt in einem sechsstelligen Bereich, also mehrere hunderttausend Gegenstände.
SWR Aktuell: Muss man eine Spende geben, wenn man was mitnimmt?
Prokscha: Jedes Projekt ist anders. Hier in Koblenz ist es so, dass wir die Garantie für eine komplette Abnahme abgeben mussten. Dadurch haben wir Grundkosten. Deswegen sagen wir den Vereinen: Jeder Verein, der hier aktiv mithilft, kann die Möbel kostenfrei haben. Die Vereine, die nur Möbel abholen wollen, bezahlen eine Bearbeitungsgebühr pro Gegenstand. Die Organisationen, die angemeldet sind oder sich jetzt noch anmelden, die können am Vormittag die Gegenstände abholen. Für die Möbelstücke, die danach übrig sind, gibt es auch private Interessenten - Start-ups und Künstler zum Beispiel. Die können die Möbel am Nachmittag abholen.
SWR Aktuell: Wenn Sie sagen, Sie machen das hauptberuflich, müssen Sie ja irgendwie Geld bekommen, damit sie auch davon leben können. Das heißt, da gibt es dann für Sie auch eine gewisse Aufwandsentschädigung?
Prokscha: Wir erstellen dem Unternehmen gleichzeitig eine CO2-Auswertung. Das heißt, welche Umweltvorteile hatte das ganze Projekt? Das bezahlt das Unternehmen und so finanzieren wir uns in dem Fall. Viele Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, sowas vorzuweisen.