Die Stele steht zwischen Eichen, direkt am Ahrradweg neben dem Campingplatz in Dorsel. Hier verloren in der Flutnacht sieben Menschen ihr Leben: sechs Camper und die Feuerwehrfrau Katharina Maria Kraatz aus Barweiler im Ahrtal. Manche der rund 120 Menschen, die bei der Einweihung der zweiten Gedenkstele auf dem "Weg der Erinnerung" dabei waren, kannten die 19-Jährige persönlich. So wie Tobias Michels.
Er stand zusammen mit anderen Helferinnen und Helfern aus der Flutnacht bei der Enthüllung weiter hinten. Tobias kannte Katharina: "Ich kannte sie von den Einsätzen am Nürburgring, durch die Feuerwehr, durch das Rote Kreuz. Sie war eine lebensbejahende, lustige junge Frau", erzählt er.
Riskante Rettung aus der Luft
Tobias Michels war in der Flutnacht als Rettungsassistent auf dem Hubschauber der Johanniter Luftrettung eingesetzt, als der Hilferuf vom Campingplatz in Dorsel kam. Er und seine Kolleginnen und Kollegen warfen ihre Feuerwehrseile aus dem Hubschrauber runter zu den Menschen auf dem Campingplatz, die auf den Dächern ihrer umfluteten Wohnwagen oder auf dem Toilettenhäuschen saßen und nach Hilfe riefen.
Mit diesem riskanten Flugmanöver, das sie vorher noch nie geübt hatten, zogen die Retter sie durch das Wasser und das Treibgut in der Ahr ans Ufer und brachten sie so in Sicherheit. "Sie hochzuziehen, das wäre undenkbar gewesen", sagt Michels. Denn das passende Gerät für eine sichere Rettungsaktion aus der Luft gab es damals noch nicht.
Für Katharina Kraatz kam die Hilfe zu spät
So konnten die Johanniter-Rettungskräfte einige der Menschen auf dem Campingplatz in Dorsel in Sicherheit bringen, aber nicht alle. Denn ihr Hubschrauber musste abdrehen, weil der Tank leer war. Katharina Kraatz aber blieb. Sie wollte einer bettlägerigen Frau bis zur Rettung beistehen. Die Helfer kamen aber nicht mehr rechtzeitig zurück. Die 19-Jährige wurde zusammen mit der Frau, der sie helfen wollte, von der Flut fortgerissen.
Für mich ist sie eine Heldin.
Normalerweise würden Feuerwehrleute den Begriff Helden nicht verwenden, wenn sie über sich selbst sprechen, sagt Frank Hachemer, als die Gedenkstelle enthüllt wird. Er ist der Vizepräsident des Feuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz. Aber in diesem Fall treffe dieser Begriff zu. "Für mich ist sie eine Heldin", sagt er.
Stelen an der Ahr erinnern an die Flutnacht und die Opfer
Auch die Mutter von Katharina Kraatz ist dabei, als die Gedenkstele in Dorsel enthüllt wird. Es sei das erste Mal, dass sie hierher kommt, nachdem sie hier nach der Flut zusammen mit ihrem Mann nach ihrer Tochter suchte. Ihr Mann schaffe das noch nicht. Er war damals zusammen mit Katharina als Helfer im Einsatz, als die Flut kam. Für ihn sei der Schmerz noch zu groß. Aber er habe sich dafür eingesetzt, dass der "Wege der Erinnerung" entsteht und die Stelen aufgestellt werden.
Von jeder Stele leitet ein QR-Code zu der virtuellen Ausstellung "MemoriAhr", einer digitalen Plattform mit 28 Videos mit 35 Zeitzeugen der Flut, weiteren Erlebnisberichten und über 1000 Fotos.