Initiative "Frauen.Leben.Freiheit.Koblenz" ruft zu Kundgebung auf

Iranerin aus Koblenz: Der Angriff auf Iran ist schlimm, aber ein Befreiungsschlag

Iranerinnen und Iraner hoffen, dass die Angriffe auf ihr Heimatland einen Machtwechsel bewirken. Eine Sprecherin der Initiative "Frauen.Leben.Freiheit.Koblenz" sagte im SWR-Interview, die Eskalation löse Euphorie und Hoffnung aus.

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Von Autor/in Andrea Kaltheier

Nasstaran Houshmand aus Koblenz ist Mitglied und Sprecherin der Initiative "Frauen.Leben.Freiheit.Koblenz". Die Initiative hat in den vergangenen Wochen immer wieder Mahnwachen und Kundgebungen veranstaltet, um auf die Situation in Iran aufmerksam zu machen.

Nach den Luftangriffen der USA und Israels und der Bestätigung des Todes von Revolutionsführer Ali Chamenei feiern viele Iraner - im Land und in der Diaspora. Die Eskalation habe gemischte Gefühle bei den Iranern, die hier leben, ausgelöst, sagte Nasstaran Houshmand dem SWR, bei den meisten aber Euphorie und Hoffnung.

SWR Aktuell: Frau Houshmand, wie haben Sie auf die Nachrichten aus Iran am Wochenende reagiert?

Nasstaran Houshmand: Es ist für Außenstehende vielleicht nicht zu begreifen, aber es ist ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits will man natürlich nicht, dass das eigene Land und die eigene Bevölkerung bombardiert wird und andererseits fragen wir uns was ist die Alternative? Ein Krieg ist immer schlimm und fordert unschuldige Tote, doch das Terrorregime tötet seine eigene Bevölkerung auf grausame Art und Weise und das seit Jahrzehnten. Es lebt einen langsamen Tod.

Die Iranerinnen und Iraner möchten endlich Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben in Demokratie. Das geht nur einher mit dem Ende dieses Terrorregimes. Keine Reformen und keine Gespräche sind mit dieser Regierung möglich, das haben die vergangenen Jahre gezeigt. Und die Eskalationen in den letzten acht Wochen und die Ausweglosigkeit der Iranerinnen und Iraner bringt einfach diese Situation mit sich. Es ist für die Menschen in meiner Heimat ein Befreiungsschlag. Aber der Krieg lässt uns natürlich nicht kalt hier in der Diaspora.

SWR Aktuell: Sie haben ja auch seit Wochen bei Kundgebungen auf die Situation in Iran aufmerksam gemacht - und dabei noch ganz andere Gefühle verspürt mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Wie hat man sich das vorzustellen?

Die gebürtige Iranerin, Nasstaran Houshmand, lebt schon seit vielen Jahren in Koblenz.
Nasstaran Houshmand lebt seit 48 Jahren in Deutschland, arbeitet als Sozialpädagogin im Jugendkulturzentrum der Stadt Lahnstein und wohnt in Koblenz. privat

Nasstaran Houshmand: Vor zwei Wochen haben wir noch sehr getrauert um die Verstorbenen in Iran, viele junge Menschen, die ermordet wurden - über 40.000. Eine genaue Zahl haben wir nicht. Jeden Einzelnen haben wir betrauert und beweint. Ein ganzes Volk traumatisiert. Und nun feiern wir den Tod von Revolutionsführer Ali Chamenei. Der Mann, der persönlich für diese Gräueltaten seit mehr als 38 Jahren verantwortlich ist. Und es ist jetzt für uns eben aus diesem Grund ein Feiern oder ein Segen auf der einen Seite. Aber wir haben natürlich auch Angst, was kommt jetzt und wie es weitergeht. Denn es gibt ja immer noch die Revolutionsgarden, die in Iran wüten und die Menschen verhaften, verschleppen und ermorden. Die ganze Wut vor den Bombenschlägen lassen die Machthaber an der Bevölkerung aus.

SWR Aktuell: Können Sie uns schildern, was Sie aus Iran hören und gehört haben? Vor allem über die Menschen, die auf die Straße gegangen sind, um gegen das Mullah-Regime zu demonstrieren?

Nasstaran Houshmand: Vor den Anschlägen haben wir von vielen Familie erfahren, dass sie ihre Kinder nicht mehr Zuhause halten konnten. Diese mutigen Menschen sind für ihre Freiheit auf die Strasse gegangen und haben friedlich demonstriert. Der entschlossene Wille zur Freiheit war größer als ihr eigenes Leben. Die Situation ist seit mehr als acht Wochen sehr ambivalent. Es gibt kein richtig oder falsch, wenn Eltern auf der Beerdigung ihrer Kinder weinend tanzen anstatt zu trauern. Das alles muss man wissen, wenn man sich ein Urteil über die aktuelle Situation in Iran erlaubt. Eben ein Wechselbad der Gefühle.

SWR Aktuell: Sie leben seit 48 Jahren in Deutschland, arbeiten als Sozialpädagogin im Jugendkulturzentrum der Stadt Lahnstein und wohnen in Koblenz. Haben Sie Angst um Angehörige und Freunde in Ihrer Heimat?

Nasstaran Houshmand: Es ist ganz merkwürdig, es sind viele Gefühle, die sich in mir breit machen. Selbstverständlich habe ich Angst, dass Unschuldige getötet werden, doch wie in der Vergangenheit möchte ich die Stimme meiner Landsleute in Iran sein. Sie haben Angst gepaart mit Zuversicht und einer großen Portion Hoffnung. Die Situation in Iran ist unbeschreiblich und die Menschen erleben seit vielen Wochen Unbeschreibliches.

SWR Aktuell: Wie wird es jetzt in den nächsten Tagen für Exil-Iraner in der Region Koblenz weitergehen? Was plant die Initiative "Frauen.Leben.Freiheit.Koblenz"?

Nasstaran Houshmand: Wir werden auf jeden Fall in dieser Woche eine Kundgebung haben, wo wir natürlich die Ermordung von Ali Chamenei feiern, aber auch unsere Toten beklagen werden. Ich sagte ja schon, es ist gerade ein Gefühlskarussel. Und wir wollen aber auch mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen, denn natürlich ist das für Außenstehende vielleicht merkwürdig zu sehen, das Land wird zerbombt, die eigene Bevölkerung wird vielleicht getötet und die Diaspora feiert hier den Tod des Mullahs. Darüber müssen wir reden. 

Denn die Menschen in Iran sterben nicht nur für die Freiheit in Iran, sie sterben für die Freiheit allgemein und grundsätzlich. Eine Befreiung von der islamischen Regierung, vor diesen Terroristen, ist für die ganze Welt stabilisierend und das muss einfach auch gesehen werden. Wir sehen ja, dass alle solche Diktaturen irgendwie in Verbindung stehen zu der eigenen Freiheit hier in diesem Land und man sollte eine Haltung haben und nicht davor die Augen verschließen - auch wenn der Krieg in Iran weit weg ist, so ist er doch näher als wir glauben.

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Autor/in
Andrea Kaltheier
Multimediareporterin Andrea Kaltheier

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