Die Rezeption im Eingangsbereich ist verlassen, die Holztische im Speisesaal ungedeckt, die Stockbetten in den Zimmern haben schon keine Matratzen mehr - die Jugendherberge Sargenroth im Hunsrück wirkt ein wenig trostlos, aber offenbar nicht mehr lange. Denn der private Investor Claus Hensen will ihr ab dem Sommer neues Leben einhauchen.
Es ist einfach ein schönes Gebäude, gutes Karma, da kann man was draus machen.
Jugendherberge im Hunsrück soll Hostel werden
Der 51-Jährige hat einen landwirtschaftlichen Betrieb und betreibt den Gewerbepark bei Ohlweiler. In die Jugendherberge hatte sich der Familienvater schon 2019 verliebt als sein Sohn den ersten Schwimmkurs machte. "Es ist einfach ein schönes Gebäude, gutes Karma, da kann man was draus machen."
Was er daraus machen möchte, Hensen hat viele Ideen. Das Grundkonzept steht aber schon fest: Die Jugendherberge soll ein "Wellness und Family Hostel" werden.
In Zukunft sollen dort also wieder Familien und Schulklassen preisgünstig übernachten können. Hensen hat sich nach eigenen Angaben bewusst für ein Hostel entschieden, damit Gäste - anders als in einer Jugendherberge - übernachten können ohne eine Mitgliedschaft zu zahlen.
Hostel Sargenroth soll auch für Hunsrücker geöffnet werden
Das Hostel will der 51-Jährige aber auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Sportvereine sollen sich dort treffen können, ein Biergarten mit Küche soll Ortsansässige einladen, auch Hochzeiten und andere Veranstaltungen kann Hensen sich vorstellen.
Den Aspekt Wellness beschreibt er als "mentale Wellness". Für Hensen gehört dazu eine Küche, die gesundes und unverarbeitetes Essen zubereitet. In den ehemaligen Seminarräumen im Untergeschoss sollen außerdem Therapeuten Kurse wie Yoga, Pilates oder Zumba anbieten. Und im sanierten Schwimmbad soll es auch wieder Schwimmkurse geben.
Verband hatte Sanierung mit rund zehn Millionen Euro geplant
Ende vergangenen Jahres hatte das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) die Herberge verkauft. Eigentlich wollte der Verband die Herberge den Angaben zufolge sanieren und gemeinsam mit dem Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz nutzen. Für die Sanierungskosten von etwas mehr als zehn Millionen Euro sei aber eine Förderung vom Land notwendig gewesen - das Land hatte allerdings kein Geld bereitgestellt.
Wie viel Geld Hensen in sein Hostel stecken will, möchte er noch nicht sagen. Er hofft nach eigenen Angaben im Mai oder Juni die ersten Gäste empfangen zu können. Bis dahin muss allerdings noch einiges in dem 2600 Quadratmeter großen Gebäude getan werden: Die energetische Sanierung steht an, das Dach muss gedämmt und die 28 Zimmer hergerichtet werden.
Ortsbürgermeister Benjamin Zilles (SPD) ist nach eigenen Angaben froh, dass die Herberge in Zukunft in dieser Form erhalten bleiben soll: "Die Jugendherberge war immer das Aushängeschild von Sargenroth und dem gesamten Hunsrück." Im Februar will Hensen sein Konzept der Kommunalpolitik vorstellen.