Weltkriegsmunition beeinflusst unser Leben

Bomben im Ahrtal bremsen den Wiederaufbau

Beim Wiederaufbau im Ahrtal stößt man immer wieder auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Warum Blindgänger den Bau von Sportplätzen, Hochwasserschutz und Brücken verzögern.

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Von Autor/in Fabian Janssen

In Mayschoß schwenkt Frank Diestel seine Sonde über die weite Grasfläche neben der Ahr. Hier soll ein Sportplatz wiederaufgebaut werden. In vielen Monaten sollen hier wieder Kinder und Jugendliche Fußball spielen. Doch bevor der Bau überhaupt losgehen kann, muss das ganze Feld nach Munition und Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht werden. Auch 81 Jahre nach Kriegsende können die Bomben und Granaten explodieren.

Bomben und Munition aus dem zweiten Weltkrieg verzögern den Wiederaufbau

"Hier kommen wieder Lichtmasten hin und hier werden Erdarbeiten mit großen Geräten und Maschinen gemacht. Hier wurde bombardiert. Es gibt Luftbildaufnahmen von der Fläche mit Bombentrichtern und wenn da ein, zwei Blindgänger dabei sind und die buddeln die an, dann ist das auf jeden Fall unangenehm", erklärt der Räumstellenleiter Frank Diestel.

Damit genau das nicht passiert, ist der Kampfmittelräumer mit seinem Team im Einsatz. Denn als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende zuneigt, ist die Eisenbahnstrecke im Ahrtal eine wichtige Nachschublinie für die deutsche Wehrmacht hin zur Brücke nach Remagen. Die Alliierten bombardieren Ende 1944 und Anfang 1945 Eisenbahnbrücken und Orte entlang der Ahr. So auch in Mayschoß. Jetzt verzögert die Suche nach den gefährlichen Kriegsresten die Wiederaufbauarbeiten.

In Mayschoß sind Mitarbeiter der Kampfmittelsondierung im Einsatz.
In Mayschoß sind Mitarbeiter der Kampfmittelsondierung im Einsatz.

Kampfmittelräumung im Ahrtal: mühsame Suche im Boden

Die Aufgabe der Kampfmittelräumer gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mit Magnetsonden scannen sie die Flächen und markieren Verdachtspunkte. Dann graben sie von Hand oder mit dem Bagger. Bis zu zwei Meter tief wird standardmäßig geprüft, bei auffällig starken Messwerten noch tiefer.

Die Realität im Boden ist aber oft ernüchternd. "Wir haben hier an dem Loch gegraben und gemessen. Das ist aber vor allem Müll. Ein Stück Draht, ein Stückchen Blech, eine Türangel, reichlich Plastik, allerdings mit Metall drin und sogar Fensterabdichtungen.“

Alles was Metall ist, entdeckt die Sonde. Der Müll stammt zum Teil aus alten wilden Deponien, aber zum Teil hat ihn die Flut 2021 hier angeschwemmt. Für die Kampfmittelräumer bedeutet das: Sie müssen sehr viele Störsignale prüfen. Alleine für die Flächen hier in Mayschoß rechnen sie mit zwei bis drei Monaten Arbeit. Erst danach darf dort gebaut werden.

In Mayschoß sind Mitarbeiter der Kampfmittelsondierung im Einsatz.
Jeder Zentimeter wird genau untersucht entlang der Ahr.

Die Flut hat bestehende Blindgänger-Verdachtskarten unzuverlässig gemacht

Die Flut im Jahr 2021 hat noch ein weiteres Problem bei der Blindgängersuche verursacht. In der Kreisverwaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist schnell aufgefallen, dass bereits vorhandene sogenannte Verdachtskarten nicht mehr verlässlich sind. Dort sind bekannte Bombenabwürfe und mutmaßlich belastete Flächen markiert.

"Die Flut hat einiges umgewühlt. Die Blindgänger können sich bewegt haben. Auf diese Altunterlagen können wir uns nur noch eingeschränkt verlassen", sagt Markus Göbel, Leiter der Stabsstelle Hochwasserresilienz und Aufbaukoordination im Landkreis Ahrweiler. Geröll, Böden oder sogar ganze Uferbereiche wurden bei der Katastrophe mitgerissen und an anderer Stelle wieder abgelagert. Was früher in drei Metern Tiefe lag, kann heute viel näher an der Oberfläche sein, so Göbel.

In Mayschoß sind Mitarbeiter der Kampfmittelsondierung im Einsatz.
Dabei kommt immer wieder auch ein Bagger zum Einsatz.

Kreisverwaltung nimmt die Kampfmittelsondierungen sehr genau

Die Kreisverwaltung und Markus Göbel haben entschieden, bei den Sondierungen nach Munitionsresten und Blindgängern praktisch bei null anzufangen. Auch wenn das den Wiederaufbau langwieriger macht. Aber die Sicherheit für Bauarbeiter oder die Bevölkerung gehe vor. In Mayschoß hat das Team um Frank Diestel bisher Bombensplitter und Granatenreste gefunden.

"Man fiebert ein bisschen darauf hin, dass man auch mal etwas findet, als Erfolgserlebnis", sagt Frank Diestel. "Aber am Ende geht es darum zu sagen: Die Fläche ist frei von Munition, hier könnt ihr sicher bauen."

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigte ein aktueller Fund im benachbarten Dernau. Dort stießen Fachleute bei einer Vorsondierung auf eine 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Die lag etwa einen Meter unter der Oberfläche. Sie war vermutlich bei der Flut nach oben gespült worden. Letzte Woche wurde sie entschärft.

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