Für die Wahl des neuen Oberbürgermeisters in Koblenz im September haben sich insgesamt vier Kandidaten aufstellen lassen. Der Wahlausschuss hat alle zugelassen.
Der derzeitige Amtsinhaber David Langner tritt erneut an und geht wieder als parteiloser Kandidat ins Rennen. Für die CDU ist Ernst Knopp nominiert. Für die AfD hat sich Markus Meixner aufstellen lassen. David Dasbach tritt für die PARTEI an.
Wir haben allen Kandidaten identische Fragen zu den Themen bezahlbarer Wohnraum, finanzielle Lage der Stadt, Sicherheit, Folgen des Klimawandels und zur Mobilität gestellt, die schriftlich beantwortet wurden. Die Antworten sind ungekürzt und nicht redaktionell bearbeitet.
- Wohnen in Koblenz
- Finanzielle Situation der Stadt
- Sicherheit in Koblenz
- Schutz vor Folgen des Klimawandels
- Verbesserung der Mobilität
SWR Aktuell: Herr Dasbach, in Koblenz fehlt bezahlbarer Wohnraum. Dennoch wurden im Jahr 2024 laut Stadt nur 16 Wohngebäude fertiggestellt - so wenig, wie noch nie. Wie wollen Sie erreichen, dass wieder mehr bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stehen?
David Dasbach: Wohnraum ist keine Luxusware, sondern ein Grundrecht! Deshalb: Städtischen Wohnbau stärken, die Sozialquote von 30 Prozent muss eingehalten und zudem soziale Erhaltungsgebiete ausgewiesen werden, um Gentrifizierung zu verhindern.
Zusätzlich beabsichtige ich die Einrichtung eines Bodenfonds: Städtische Flächen dürfen nicht mehr verscherbelt, sondern sollten automatisch zurückgekauft werden. Und falls Investoren Koblenz in ein neues Berlin verwandeln wollen: Notfalls lassen wir in Problemvierteln die eigenen Mülltonnen brennen - Klischees senken die Mieten schneller, als jeder Investor es täte!
SWR Aktuell: Koblenz hat zu wenig Geld. Die Stadt rechnet nach eigenen Angaben für das laufende Jahr mit einem Minus von rund 47 Millionen Euro (Finanzhaushalt). Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, damit sich Koblenz wieder mehr leisten kann?
Dasbach: Koblenz braucht Einnahmen, aber fair verteilt. Ich unterstütze die Einführung einer Verpackungssteuer und eine Tourismusabgabe, deren Erlöse direkt in Ausbau und Erhalt touristischer Angebote sowie in Kulturprojekte fließen - schließlich soll nicht nur der Rhein glänzen, sondern auch unsere vielfältigen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen.
Land und Bund müssen ihre Ausgleichszahlungen anpassen (hier muss Druck über den Städtetag erfolgen) und Wirtschafts- sowie Tourismusprofiteure zahlen ihren fairen Anteil. So sichern wir städtische Leistungen und investieren gleichzeitig in die Lebensqualität der KoblenzerInnen.
Kandidatencheck Kandidaten OB-Wahl in Koblenz 2025: David Langner (SPD, kandidiert parteilos)
Am 21. September wird in Koblenz der neue Oberbürgermeister gewählt. Vier Kandidaten treten zur Wahl an. Der derzeitige OB David Langner (SPD, kandidiert parteilos) tritt erneut an.
SWR Aktuell: Bei einer "SWR vor Ort-Aktion" am Löhrrondell in Koblenz äußerten mehrere Menschen, dass sie sich in der Stadt nicht überall sicher fühlen. Was wollen Sie tun, damit sich das verbessert?
Dasbach: Bei einer "Die PARTEI vor Ort-Aktion" auf dem Zentralplatz äußerten mehrere Menschen, dass sie laut ihres Horoskops demnächst die große Liebe finden werden. Ich möchte darum eine städtische Tinder-App einrichten! Ernsthaft: Man muss Ängste thematisieren, aber darf diese niemals unreflektiert aufgreifen oder gar (wie es Rechtspopulisten tun) instrumentalisieren, v.a. wenn die offizielle Kriminalstatistik für Koblenz zu einem ganz anderen Ergebnis kommt.
Gesellschaftliche Sicherheit entsteht durch lebendige Nachbarschaften, vernetzte Initiativen, Begegnungsräume und Präsenz des Stadtmanagements - nicht durch Überwachung oder Verweilverbote!
Kandidatencheck Kandidaten OB-Wahl in Koblenz 2025: Ernst Knopp (CDU)
Am 21. September wird in Koblenz der neue Oberbürgermeister gewählt. Vier Kandidaten treten zur Wahl an. Einer von ihnen ist der CDU-Kommunalpolitiker Ernst Knopp.
SWR Aktuell: Die Folgen des Klimawandels (Hitzetage, Starkregen etc.) werden auch in Koblenz immer spürbarer. Was planen Sie, um die Menschen in der Stadt besser davor zu schützen?
Dasbach: Entsiegelung, Begrünung und v.a. Schatten für die städtischen Flächen, damit die Grünflächen nicht direkt wieder verdorren! Energetische Sanierung der (städtischen) Gebäude und E-Mobilität weiter konsequent vorantreiben sowie insbesondere den Stadtwald erhalten und schützen, auch mit Unterstützung externer Expertise und entsprechenden Zertifikaten.
Vor allem aber benötigen wir Klimaschutz anstatt Klimaanpassung, denn proaktives Handeln spart Geld, schützt Menschen und sorgt dafür, dass Koblenz trotz Hitze, Starkregen und stürmischem Wetter lebenswert bleibt.
Kandidatencheck Kandidaten OB-Wahl in Koblenz 2025: Markus Meixner (AfD)
Am 21. September wird in Koblenz der neue Oberbürgermeister gewählt. Vier Kandidaten treten zur Wahl an. Einer von ihnen ist Markus Meixner von der AfD.
SWR Aktuell: Das Busnetz und das Radwegenetz in Koblenz wurden laut Stadt in den vergangenen Jahren ausgebaut. Dennoch stehen fast täglich viele Autofahrer im Stau. Was sind Projekte, die Sie umsetzen möchten, um die Mobilität in der Stadt zu verbessern?
Dasbach: Wer wie ich häufig mit dem Rad durch Koblenz fährt, weiß: Vergleichbar mit dem Risiko des Radelns ist Stau ein Luxusproblem. Das eigentliche Problem ist die Autoabhängigkeit. Deshalb brauchen wir mehr Fahrradstraßen, statt halbe und oft zugeparkte Radwege, eine (weitgehend) verkehrsberuhigte Innenstadt und allgemein eine Verkehrsinfrastruktur bzw. - angebote, die Autofahrten ersetzen.
Der Fahrradtourismus würde ebenso profitieren, wie die AnwohnerInnen. Ein Blick nach Paris zeigt, was erfolgreich möglich ist. So drehen wir das Rad der Zeit nicht zurück, sondern treten gemeinsam kräftig in die Pedale für eine moderne, lebenswerte Stadt.