Laut vorläufigem Endergebnis geht die CDU als Sieger aus der Landtagswahl 2026 hervor. Das zeigt sich auf Wahlkreisebene auch im Norden des Landes - 15 von 16 Direktmandaten konnte die CDU hier gewinnen. Einzig im Wahlkreis 4 (Neuwied) schaffte es SPD-Bewerberin Lana Horstmann, ihr Direktmandat knapp zu verteidigen.
Horstmann (SPD): Bin traurig und glücklich zugleich
"Der Wahlkreis Neuwied ist noch nie von der CDU gewonnen worden. Aber dieses Mal haben wir es fast möglich gemacht, haben die Tür weit aufgestoßen", ordnet der unterlegene Wahlkreisbewerber Jan Petry (CDU) gegenüber dem SWR noch am Wahlabend das Ergenis ein. Dieses sei "mehr als bitter", weil es so knapp ausgefallen ist.
74 Stimmen machten im Wahlkreis Neuwied letztlich den Unterschied. Lana Horstmann liegt mit 29,1 Prozent der Wahlkreisstimmen denkbar knapp vor Petry mit 28,9 Prozent. Auf dem dritten Platz in seinem Heimatwahlkreis landete Jan Bollinger, Spitzenkandidat der AfD (23,6 Prozent). Wahlkreissiegerin Horstmann gab sich zwiegespalten: "Wir sind natürlich dem allgemeinen Trend unterlegen, darüber bin ich traurig. Aber ein bisschen glücklich bin ich auch."
Man habe auf kommunaler Ebene im Wahlkreis zuletzt "alles an die CDU verloren. Aber ich bin noch da - und darauf bin ich stolz", so Horstmann. Zum starken Ergebnis der AfD sagt sie: "Wir müssen uns kritisch damit auseinandersetzen." Dafür wünsche sie sich auch mehr Feedback aus der Bevölkerung: "Mir hat an der Haustür niemand gesagt, dass er AfD wählt oder warum."
SPD-Hochburg Koblenz/Lahnstein geht an die CDU
Ein weiterer Wahlkreis, der seit mehr als 35 Jahren fest in Händen der SPD lag, ist der Wahlkreis 8 (Koblenz/Lahnstein). Hier schickten die Sozialdemokraten stets Prominenz ins Rennen: 1991 errang Rudolf Scharping das Direktmandat, danach hieß der Wahlkreissieger von 1996 bis 2021 sechsmal Roger Lewentz. Diesmal konnte jedoch Andreas Birtel (CDU) das Direktmandat gewinnen. Er setzte sich mit 33,6 Prozent der Stimmen vor SPD-Mitbewerberin Ariana Kauth (28,7 Prozent) durch.
"Das Abschneiden der CDU im Wahlkreis Koblenz-Lahnstein ist wirklich historisch. Nach über 35 Jahren ist es uns gelungen, diesen Wahlkreis endlich wieder zurückzugewinnen. Und es zeigt eindeutig, dass die Bürger in der Region sich den Politikwechsel wirklich herbeigesehnt haben", erklärte Birtel dem SWR. Projekte, denen er sich nun unmittelbar widmen wolle, seien einerseits die Bundesgartenschau und der Bau der Mittelrheinbrücke: "Da gibt es viel zu tun und darauf freue ich mich sehr."
CDU mit knappem Erfolg im Wahlkreis Diez/Nassau
Ähnlich gewichtig für die SPD war auch stets der Wahlkreis 7 (Diez/Nassau). In fünf der sieben letzten Landtagswahlen erreichten die Direktkandidaten der Sozialdemokraten hier Ergebnisse jenseits der 50 Prozent, holten stets das Direktmandat. Diesmal stellt die CDU auch hier mit Matthias Lammert den Wahlkreissieger. 28,7 Prozent der Wähler schenkten Lammert ihr Vertrauen. Das waren nur 66 Menschen mehr als die, die für SPD-Mitbewerber Manuel Liguori (28,5 Prozent) gestimmt hatten.
Liguori ist am Tag nach der Wahl schockiert über das Ergebnis: "Ich habe erwartet, dass es knapp wird. Weil ich im Wahlkampf aber viel Zuspruch erhalten habe, hatte ich ein gutes Gefühl, dass es klappen könnte." Die SPD stehe auf Landes- und Bundesebene derzeit nicht gut da. "Die Partei muss wieder wählbar werden für die arbeitende Mitte der Gesellschaft", so Liguori. Die Partei müsse mehr für diesen Teil der Bevölkerung tun, das hätten ihm einige Menschen in der Region mitgeteilt.
Ganz andere Gefühlslage bei Matthias Lammert (CDU): "Das ist für mich persönlich ein besonderer politischer Höhepunkt und für die CDU eine neue Ära im Land." Es sei für ihn das sechste Mal gewesen, dass er bei einer Wahl angetreten sei, endlich habe es geklappt.
"Ich bin immer ansprechbar für die Menschen, sogar im Urlaub, meine Handynummer ist öffentlich", so Lammert. Das könnte seiner Einschätzung nach einer der Gründe sein, warum er jetzt gewählt wurde. Dass die AfD rund 20 Prozent in seinem Wahlkreis geholt hat, bedauert er. Zumal der Kandidat im Wahlkreis fast gar nicht präsent gewesen sei.
Gesundheitsminister Hoch (SPD) im Wahlkreis Andernach unterlegen
Ähnlich äußert sich auch Anette Moesta (CDU), Wahlkreissiegerin im Wahlkreis 11 (Andernach). Sie hatte sich am Wahlsonntag mit 32,5 Prozent der Wahlkreisstimmen gegen den amtierenden Gesundheitsminister und Mitbewerber Clemens Hoch von der SPD durchgesetzt (29,3 Prozent). Der AfD-Bewerber im Wahlkreis Andernach kam auf 22,6 Prozent der Wahlkreisstimmen.
"Schlimm finde ich das Abschneiden der AfD, auch in meinem Wahlkreis. Wir müssen uns intensiver mit dem Wählerverhalten befassen, auch gerade bei jungen Leuten. Und schauen, wie wir diese Menschen wieder für Demokratie und unsere politische Arbeit begeistern können", so Moesta. Der AfD-Mitbewerber sei erst vor Kurzem zugezogen: "Es ist erschreckend, dass so jemand so schnell so ein Ergebnis einfährt."
Über ihr eigenes Abschneiden sagt Moesta: "Wir freuen uns, dass wir den Wahlkreis nach 15 Jahren zurückgeholt haben und dass auch gegen den amtierenden Gesundheitsminister." Clemens Hoch gratulierte seiner Mitbewerberin zum Wahlerfolg und sagte dem SWR: "Das Ergebnis in Andernach ist für mich persönlich ein bisschen enttäuschend." Dennoch schaue er zuversichtlich auf die kommenden Tage und Wochen: "Es geht darum, die Werte der Sozialdemokratie, vor allem die soziale Gerechtigkeit hochzuhalten."
Auch Landtagspräsident Hering (SPD) verliert Direktmandat
Ein weiteres Gesicht der SPD im Land, Landtagspräsident Hendrik Hering, konnte sein Direktmandat ebenfalls nicht verteidigen. Eine Zäsur, hatte er das Direktmandat im Wahlkreis 5 (Bad Marienberg/Westerburg) in den vergangenen 30 Jahren doch immer gewonnen. Diesmal unterlag er Mitbewerber Janick Pape von der CDU. Pape kam auf 32,0 Prozent der Stimmen, während Hering 31,7 Prozent auf sich vereinen konnte - ein Vorsprung von 152 Stimmen.
Pape sagte dem SWR, dass er wusste, dass es knapp werden würde. Es sei kein einfacher Wahlkreis gewesen. Umso größer sei jetzt die Erleichterung über den Sieg. Er freue sich außerdem über das starke Ergebnis der CDU im ganzen Land. Das sei ein gutes Zeichen für Rheinland-Pfalz. "Es war im Land ein Erdrutschsieg für die CDU und hier im Wahlkreis ein Herzschlagfinale, so ganz verarbeitet habe ich das noch nicht", so Pape.
Für Hendrik Hering (SPD) ist das Ergebnis eine Enttäuschung, auch wenn er im Wahlkreis von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen ist. "Die SPD wurde im Land deutlich abgewählt, das müssen wir jetzt analysieren und an unserem Profil arbeiten", so Hering. Bislang war er Präsident des Landtags, das Amt wird die SPD künftig nicht mehr stellen, sagt er. Wie er sich dann künftig persönlich politisch aufstellen wird, werde sich noch zeigen.