Die Rettungsdienstbehörde im Westerwald hat den Rettungsdienst im Bezirk Montabaur erstmals wegen Hitze verstärkt. Und zwar am Wochenende vom 10. bis 12. Juli. In diesem Zeitraum waren nach Angaben mehrerer Hilfsorganisationen drei Rettungswagen und ein Krankentransportwagen zusätzlich im Einsatz.
Entscheidung erstmals wegen Hitze
Laut Stefan Schäfer, einem der Ärztlichen Leiter für den Rettungsdienstbezirk Montabaur, war es ein "einmaliger Vorgang". Dieser Präzedenzfall sei aber gut überlegt gewesen. Zu seiner Routine gehöre, zusammen mit dem zweiten ärztlichen Leiter Christian Voigt, das Einsatzgeschehen auszuwerten. Die Zahlen aus der Hitzewelle im Juni, als es auch im Westerwald Temperaturen um die 40 Grad und kaum Abkühlung in der Nacht gegeben hatte, hätten sie als Warnung gesehen.
Stefan Schäfer sagte dem SWR, der Rettungsdienst im Westerwald sei da an der Belastungsgrenze gewesen. Deshalb hätten sie die Einsatzbereitschaft danach kurzzeitig erhöht. Das Deutsche Rote Kreuz, das neben dem Malteser Hilfsdienst den Rettungsdienst im Bezirk Montabaur stellt, gibt an, dass während der Hitzewelle im Juni rund ein Drittel mehr Einsätze gefahren wurden.
Versorgung sichern und Sanitäter entlasten
Einerseits sei Ziel der Verstärkung gewesen, die Versorgung für Notfallpatienten sicherzustellen, andererseits habe man auch den Rettungskräften eine Pause gönnen wollen. Denn extreme Witterungsbedingungen würden diese stark belasten, so Christian Voigt: "Egal wohin sie gerufen werden, sie haben da keine Abkühlung. Die wenigsten Wohnungen haben eine Klimaanlage. Deswegen müssen wir Sorge dafür tragen, dass sich auch das Rettungsdienstpersonal regenerieren kann."
Deutsches Rotes Kreuz: Verstärkung bringt Entlastung
Michael Schneider, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienst Rhein-Lahn-Westerwald, sagt, eine Verstärkung bedeute immer eine Entlastung: "Dadurch, dass zusätzliche Fahrzeuge zur Verfügung stehen, können diese Fahrzeuge zusätzliche Einsätze mit abarbeiten."
Wer diese zusätzlichen Kräfte jetzt bezahlt, ist noch fraglich. Fachlich sind die Rettungsdienstbehörden zuständig, den Kostenplänen müssen jedoch immer auch die Krankenkassen zustimmen.
Krankenkassen wollen nicht für Verstärkung zahlen
Das ist in Montabaur bisher nicht passiert - obwohl die Rettungsdienstbehörde die Krankenkassen nach eigenen Angaben mehrere Tage im Voraus über die temporäre Verstärkung informiert hatte. Die Statistik, so die Behörde, rechtfertige den Schritt im Nachgang allemal. Faktisch seien am zweiten Juliwochenende rund 25 Prozent mehr Einsätze gefahren worden.
Ärztlicher Leiter verteidigt Verstärkung
Stefan Schäfer fordert mehr Vertrauen der Kassen in seine Arbeit ein und verteidigt die Notwendigkeit der Maßnahme: "Wir haben die medizinische Verantwortung, die Behörde hat die Gesamtverantwortung. Natürlich wehren wir uns nicht dagegen, das mit den Krankenkassen zu vereinbaren. Aber wir müssen auch in der Zukunft flexibel sein, auf solche Lagen akut zu reagieren." Die Rettungsdienstbehörde geht davon aus, dass die Kassen noch einlenken werden - weil die Verstärkung nicht leichtfertig entschieden, sondern behördlich angeordnet worden sei.
Im Rettungsdienstbezirk Montabaur wohnen rund 650.000 Menschen. Dazu gehören der Kreis Altenkirchen, der Kreis Neuwied, der Rhein-Lahn-Kreis und der Westerwaldkreis. Nach Angaben der Rettungsdienstbehörde sind hier im Normalfall 38 Rettungswagen, 28 Krankentransportwagen und 11 Notarztfahrzeuge im Einsatz.