Ein närrisches Jubiläum kann man nur alle elf Jahre feiern. Um dabei eine besonders gute Figur zu machen, trainieren die "Johannishöfer" momentan bis zu dreimal pro Woche in Mendig. Denn ihren Geburtstag will die Truppe mit einem starken Auftritt beim Männerballett-Festival in Lahnstein krönen.
In der kleinen Sporthalle des Caritas-Zentrums wummern deshalb momentan regelmäßig basslastige Beats aus den Lautsprechern. Das hier ist definitiv kein Reha-Sport - rund 20 Männer folgen in rasanten Bewegungen der Musik. Ausfallschritte, Drehungen, Menschenpyramiden: Alles ist dabei.
Männerballett in drei Worten? Kraft, Ästhetik und Spaß.
Nur Würfe, die sogenannten Tosses, werden nicht geübt. Dafür ist die Halle nicht hoch genug. Was die Männer bei ihrem Tanz-Training genau machen? Tänzer Franz-Josef Strauß fasst es so zusammen: "Männerballett in drei Worten? Kraft, Ästhetik und Spaß."
Seit 1993 dieselbe Trainerin
Die Aufsicht über die Männer dabei hat Judith Fuchs. Ja richtig, eine Frau. Sie sagt, sie sei für die Jungs "Trainer, Mutter, Motivator und Antreiber." Seitdem die "Johannishöfer" im Jahr 1993 gegründet wurden, ist Fuchs als Trainerin die Chefin des Mendiger Männerballetts – und hat immer noch Freude daran: "Mit Männern zu arbeiten macht Spaß. Man muss sie zwar auch einfangen können, manchmal sind sie auch wie ein Sack Flöhe. Aber meistens schaffe ich das tatsächlich."
Das Training ist anstrengend. Und manchmal geht einfach die Gruppendynamik mit den Männern durch. Dann wird gerannt, gegrölt, geschrien. "Grundsätzlich ist die Stimmung während den Trainings immer sehr locker", findet Franz-Josef Strauß. Aber: Wenn eine Figur noch nicht gut klappt, werde auch das klar angesprochen: "Wenn die Auftritte näher kommen, steigt die Anspannung. Dann sind wir am Ende auch einfach Männer. Und sagen uns wie Männer ehrlich, wo noch Handlungsbedarf ist."
Im Prinzip gibt es für uns kein Limit mehr. Dieses Jahr ist sowieso Vollgas angesagt.
Training und Auftritte sind anstrengend
Für die "Johannishöfer" sei Männerballett eben echter Sport und kein Klamauk, sagen die Tänzer. Die Gruppe reist immer mit einer Handtuch-Tonne, denn ein Auftritt bringe sie oft gut ins Schwitzen. Das unterstreicht auch die Trainerin: "Unsere Würfe sind extrem hoch. Die müssen teilweise die Bühne verlassen, dann gehen die zwischen die Zuschauer und dann wird da getosst. Im Prinzip gibt es für uns kein Limit mehr. Dieses Jahr ist sowieso Vollgas angesagt. Wir setzen unsere Limits selbst."
Tanzen im Mendiger Männerballett kennt kein Alter
Jetzt im Jubiläumsjahr bestreiten die fast 20 aktiven Tänzer im Alter von 17 bis 69 Jahren rund 30 Auftritte. Noel Seiler ist der Jüngste in der Runde. Für ihn war es schon immer ein Traum, einmal zu den "Johannishöfern" zu gehören: "Meine Mutter hat seit 40 Jahren getanzt, da war ich als kleines Kind immer dabei. Die Johannishöfer waren oft davor oder danach auf der Bühne." Schon da habe er sich vorgenommen, einmal zu dieser eingeschworenen Truppe zu gehören, "und jetzt bin ich dabei".
Männerballett-Festival ist ein Highlight des Jahres
Ihren Auftritt beim Männerballett-Festival am Freitagabend in der Stadthalle in Lahnstein können die Männer kaum noch abwarten. Simon Schumacher erklärt, was das Event für ihn so einzigartig macht: "Zum einen die Anzahl der teilnehmenden Männerballette. Das Einzugsgebiet geht bis nach Mainz beziehungsweise tief in den Hunsrück hinein."
Zum anderen sei es das Spektrum, das die Veranstaltung biete: "Man sieht da viele beeindruckende Darbietungen, die sehr viel Spaß machen: Weil einfach viele Männer da zusammen was auf die Bühne bringen." Ehrgeiz und Testosteron spielten auch eine Rolle, gibt Schumacher zu.
Zuschauern stockt manchmal der Atem
Dieser Ehrgeiz hat die Männer auch in der Vergangenheit schon immer wieder zu Höchstleistungen angetrieben. Trainerin Judith Fuchs berichtet, sie sei bei Auftritten schon von Zuschauern gefragt worden: "Wie kannst du die das machen lassen?" Sie habe dann geantwortet: "Weil ich weiß, dass die das können und weil ich weiß, dass ich mich da hundertprozentig drauf verlassen kann.“
Beim Männerballett-Festival in der Stadthalle Lahnstein sind die "Johannishöfer" nicht zum ersten Mal dabei. Der Termin hat Tradition: Bereits zum 32. Mal richtet das Carnevals-Comité Oberlahnstein in diesem Jahr das Festival aus. Laut Veranstalter treten in diesem Jahr 19 verschiedene Gruppen an. Die "Johannishöfer" standen hier schon oft auf dem Podium, auch ganz oben.
Respekt und Achtung vor sich selbst spielen eine Rolle
Und was wünscht sich die Trainerin für das große Männerballett-Festival? "Dass die Herren sich gut darstellen und eben nicht dieses althergebrachte Herrenballett da zu sehen ist."
Das Bild von Männern, die in Strumpfhose und Kleidchen auf die Bühne gehen, sieht Judith Fuchs als antiquiert an: In den 33 Jahren haben wir "nie die Achtung vor uns selbst verloren", sagt sie. "Es macht sich keiner lächerlich. Die Jungs standen immer in Herrenklamotten auf der Bühne." Und das werde auch so bleiben.