Als die UN-Klimakonferenz im brasilianischen Belém vor zwei Wochen gestartet war, brachte Mareike Bernhard vermutlich gerade eines ihrer drei Kinder in die KiTa oder behandelte einen ihrer Patienten. Die Konferenz hatte sie dabei im Hinterkopf. Denn die Ärztin und Mutter hat im vergangenen Jahr als Privatklägerin eine Verfassungsbeschwerde gegen die Klimapolitik der damaligen Bundesregierung in Karlsruhe eingereicht. Sie schaute deshalb jetzt ganz genau nach Südamerika.
Ärztin enttäuscht von Ergebnis der Weltklimakonferenz
Das Ergebnis der Weltklimakonferenz in Brasilien stößt bei der Klimaschützerin und Koblenzer Ärztin auf Kritik. Sie sei enttäuscht, dass bei der Weltklimakonferenz in Brasilien sich Lobbyisten fossiler Energien durchgesetzt hätten, sagte sie dem SWR: "Es macht mich schon traurig zu sehen, dass diese Mächte der alten fossilen Welt doch so stark sind, dass sie den couragierten Gang in eine neue Zukunft blockieren."
Es bedeute, dass die Welt immer wärmer werde und dass es für unsere Kinder und Enkelkinder eine Welt werde, die nicht mehr so unbeschwert sei. "Ich bin schon enttäuscht und überrascht über das Ergebnis der Weltklimakonferenz, aber leider war es erwartbar", so Bernhard.
Die Weltklimakonferenz in Brasilien ist am Sonntag zu Ende gegangen. Die Verantwortlichen konnten sich nicht darauf einigen, einen verbindlichen Plan für die Abkehr von den fossilen Energieträgern Öl, Kohle und Gas zu erarbeiten.
Aktivistin fordert mehr Einsatz von der Bundesregierung
Die 30. UN-Klimakonferenz in Belém beschrieb sie im Vorfeld als "historisch". Einerseits, weil jetzt zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015 eine Bilanz gezogen hätte werden könne. Und andererseits, weil ihr die Klimapolitik in Deutschland nach wie vor nicht passt. "Unter der aktuellen Bundesregierung hat sich die Lage nochmals verschlechtert", findet Bernhard.
Unter der aktuellen Bundesregierung hat sich die Lage nochmals verschlechtert.
Die Aktivistin, die sich in mehreren Klimaschutzorganisationen engagiert, kritisiert auch die Europäische Union und sagt, das Ziel aus 2015 werde klar verfehlt. Damals wurde im Pariser Abkommen festgehalten, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad beziehungsweise idealerweise 1,5 Grad zu begrenzen. "Das allerwichtigste Ziel von dieser Klimakonferenz wäre, diese Lücke zu schließen. Da bewegen wir uns auf eine Klimaerwärmung von 2,8 Grad hin", urteilte Bernhard vor der Konferenz.
Klage vor dem Bundesverfassungericht Klimawandel: Darum verklagt diese Ärztin aus Koblenz die Bundesregierung
Immer mehr Hitze und Dürre, mehr Starkregen und Hochwasser: Mareike Bernhard findet, dass die Regierung zu wenig für den Klimaschutz tut - und zieht vor das Bundesverfassungsgericht.
EU-Klimaziel für 2040 reicht Bernhard nicht
Die EU-Staaten hatten ein gemeinsames Klimaziel für 2040 als Diskussionsgrundlage für die Konferenz definiert. Demnach möchte die EU ihren CO2-Ausstoß um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Fünf Prozentpunkte können dabei durch Kompensationen im Ausland zugekauft werden. Mareike Bernhard sieht dies als Aufweichen bisheriger Ziele: "Dass wir es nicht schaffen, das einzuhalten, finde ich peinlich."
Andernacher begleitete Konferenz vor Ort
So weit ging Christoph Bals nicht. Der Andernacher ist politischer Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch. Zum Klimaziel der EU bis 2040 sagte er: "Insgesamt bin ich froh, dass es gelungen ist, einen weitgehenden Konsens zu finden und es ist auch gut, dass international die 90 Prozent bis 2040 angekündigt wurden." Die Möglichkeit, weitere fünf Prozent durch Zertifikate kompensieren zu können, bezeichnete Bals als "Schlupfloch".
Ungeachtet dessen hebte auch er die Besonderheit der diesjährigen Konferenz hervor: "Einerseits, weil jetzt zehn Jahre Parisabkommen sind und man eine gewisse Bilanz ziehen wird, wie weit man gekommen ist." Weiterhin müsse Europa sich nun klar positionieren vor dem Hintergrund des Austritts der USA aus dem Pariser Abkommen. Inwiefern das gelingt, wollte Bals vor Ort analysieren. Er ist Teil eines sechsköpfigen Teams, das die Konferenz im Namen von Germanwatch begleitet hat.